Archiv der Kategorie: Co. Dublin

Irlands Heilige

In Irland hat eigentlich alles – wirklich alles – mit dem Heiligen Patrick zu tun. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um den Schutzheiligen Irlands und berühren sämtliche Bereiche des irischen Lebens. Und so war er quasi unser Leitmotiv an unserem nächsten Tag in Dublin.

Zu Beginn des Tages spazierten wir zu der in Sichtweite unseres Hotels liegenden St. Patrick’s Cathedral. Diese beeindruckende Kirche ist die größte Irlands.

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Allerdings ist sie inzwischen auch eine der größten Touristenattraktionen und als solche wird sie auch vermarktet. Nachdem wir uns für 6,00 € den Zutritt zu der Kirche erkauft hatten, betraten wir ehrfurchtsvoll das alte Gebäude. In Erwartung der eindrucksvollen Architektur – von außen kann man diese schon erahnen – legte ich den Kopf in den Nacken und schaute an die beeindruckende Decke. Dabei ging ich schweigend einige Schritte nach vorne – und rumste fast in ein Regal. Mitten im Mittelschiff dieser altehrwürdigen Kathedrale befindet sich nämlich ein Souvenirladen. Selbstverständlich darf man auch Fotografieren, Reden und alle Winkel anschauen und es gibt sogar einen Bereich, in dem man mit großen Bausteinen Kirchen puzzeln kann, Reliefs malen kann und und und. Ich weiß, dass die Unterhaltskosten für ein Gebäude dieser Größe immens sind und dass es wirklich wichtig ist, den Tourismus in Irland auszubauen und auch, das Image der Kirchen zu ändern und wieder für eine breitere Masse interessant zu machen. Meine Welt ist das aber nicht. Und so verließen wir diese größte Kirche Irlands mit sehr gemischten Gefühlen – einerseits beeindruckt von der Architektur, andererseits verstört von der Anpassung des Gotteshauses an die Bedürfnisse der Touristen.

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Unser Weg führte uns direkt zu der nächsten großen Kathedrale – Christ Church Cathedral. Auch diese ist ein großer Besuchermagnet in Dublin und dennoch hat sie sich deutlich mehr den Charakter eines “Gotteshaus” bewahrt als ihre “große Schwester” St. Patrick’s Cathedral. Sehenswert ist hier auf jeden Fall die Krypta – trotz des obligatorischen Souvenirladens.

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Von dort gingen wir am Dublin Castle und der Cityhall vorbei und machten uns auf die Suche nach einem Bus, der Richtung Glasnevin Cemetry fährt. 

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Als wir diesen endlich gefunden hatten und die erste Station gefahren waren, sahen wir die Teeling Distillery. Der Whiskey wurde angeblich ebenfalls von St. Patrick nach Irland gebracht und daher konnten wir diesen Programmpunkt auf keinen Fall verpassen. Auch wenn es gerade erst Mittagszeit war. Wir hatten Glück und bekamen noch Karten für eine Führung durch die Destillerie. Und nach der Führung gab es natürlich auch noch ein umfangreiches Tasting. Beides – also Besichtigung und Whiskeyprobe – sind absolut empfehlenswert!

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Als wir am frühen Nachmittag die Teeling Distillery Richtung Hotel verließen ging es uns wirklich richtig gut. Aber nach einer Pause wurde deutlich, dass wir uns jetzt doch langsam auf die Suche nach einem Restaurant machen sollten. Und so landeten wir zufällig in The Gastro Bar (Fade St. Social). Die Gerichte in dieser quirligen und dennoch edlen Tapas Bar waren abwechslungsreich und super lecker. Gut gestärkt schlenderten wir weiter durch Dublin, stürzten uns in den Trubel eines Halloweenladens um für unsere Kinder die gewünschten Kostüme zu erstehen und landeten letztendlich in Temple Bar. Zwischen gut besuchten Pubs mit Live-Musik findet man viele unterschiedliche Künstler. Überhaupt ist Kunst in Dublin in allen Formen sehr präsent und konfrontiert den Besucher auch mit der teils grausamen Vergangenheit Irlands.

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Den Abend haben wir ganz typisch irisch gemeinsam mit einer irischen Freundin in einem sehr urigen Pub mit spontaner Live-Musik ausklingen lassen.

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Unterwegs als Touristen

Womit beginnt ein typischer Tag eines Touristen in Irland? Natürlich mit einem leckeren und umfangreichen Full Irish Breakfast. Nein, die Iren frühstücken nicht jeden Morgen so! In den Familien die wir kennen, gibt es morgens klassisch Porridge oder CornFlakes. Aber wir sind ja nun in einem sehr schönen Hotel und genießen da am frühen Morgen – ja, dank einer Stunde Zeitunterschied und der sehr aktiven inneren Uhr war es wirklich früh – warme Tomaten, gebratene Champignons, gebratenen Speck, Rührei und baked beans. Zum Nachtisch bedienen wir uns an dem Müsli- und Obst-Buffett und dann rollen wir übersättigt aus dem Hotel. Zum Glück geht unser Weg zum Trinity College erstmal nur bergab. Doch irgendwann werden wir unsanft von mannshohen Bauzäunen gestoppt. Rings um das College wird gerade sehr viel gebaut – die beiden Straßenbahnlinien werden endlich verbunden. Ja, Dublin hat bisher zwei Straßenbahnlinien, die leider keine einzige gemeinsame Station haben. Möchte man also von einer zur anderen Linie umsteigen muss man laufen oder Bus fahren. Aber nicht mehr lange.

Zwischen Bauzäunen und Straßenlöchern betreten wir den Campus. Noch ist es relativ leer – hauptsächlich Studenten sind unterwegs. Und doch müssen wir am Eingang von der Old Library anstehen. Während wir überlegen, ob es sinnvoll ist, online ein Ticket zu kaufen um den anderen Eingang benutzen zu dürfen, geht es erstaunlich schnell weiter und so sind wir bereits kurze Zeit später in der Ausstellung.

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Die Erläuterungen zum Book of Kells sind wirklich sehr informativ und interessant dargestellt und wir haben das Glück an einem Wochentag und dann auch noch einem Vormittag wirklich in Ruhe alles anschauen zu können. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man versuchen, nicht zu den Hauptbesuchszeiten hier zu sein, denn ob man dann wirklich in Ruhe alle Tafeln durchlesen und die kunstvollen Zeichnungen und Schriften anschauen kann wage ich zu bezweifeln.

Nach der Ausstellung des Book auf Kells kann man den Restoratoren bei der Arbeit zuschauen, wie sie mit minikleinen Staubsaugern alte Bücher abstauben. Und dann betritt man schon den gigantischen Long Room der Old Library. Wirklich unglaublich! Manche wünschen sich, eine Nacht in einem Kaufhaus oder einem Möbelhaus eingesperrt zu sein – ich würde gerne mal eine Nacht (oder auch einen Tag) in dieser großartigen Bücherei verbringen mit diesen unzählig vielen uralten Büchern die so viel mehr zu erzählen scheinen, als nur das was in ihnen geschrieben steht. Die mit so viel Geduld, Zeit und Liebe geschrieben, gemalt und gebunden wurden. Aber natürlich ging das leider nicht und so verließen wir wie alle anderen kurze Zeit später das Trinity College – durch den obligatorischen Souvenirladen – und kauften unsere Tickets für den Hop-On-Hop-Off-Bus.

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Mit dem Bus fuhren wir dann bis zum Guinness Storehouse. Da Ben schonmal eine Brauerei-Führung dort mitgemacht hatte und ich kein großes Interesse daran hatte, wollten wir nur in die Gravity-Bar gehen, von der aus man einen grandiosen Blick über Dublin hat. Leider kann man dort aber nur mit der besagten Führung hin.

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Also ändern wir unseren Plan und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Gefängnis “Kilmainham Gaol”. Dort hatten wir bereits online Tickets gekauft – allerdings erst für eine Führung um 14 Uhr, sodass wir noch knappe zwei Stunden Zeit haben. Die verbringen wir zum Teil in genau dem Pub, in dem wir vor 5 Jahren bei unserem ersten Besuch in Dublin waren. Danach spazieren wir durch den Park zum Museum of Modern Art, das im eindrucksvollen Royal Hospital Kilmainham untergebracht ist.

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Und dann beginnt die Führung durch einen der geschichtsträchtigsten Orte Irlands. Hierzu kann ich gar nicht viel schreiben. Das Gebäude und die Geschichte dazu ist so eindrucksvoll, dass man es wirklich selbst sehen und spüren muss. Alle Fakten kann man an den unterschiedlichsten Stellen nachlesen, aber die Stimmung in diesen alten Gemäuern und die Vorstellung, was dort alles geschehen ist muss man selber erleben. Ein absolut empfehlenswerter Punkt auf der Sightseeing-Liste von Dublin.

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Nach diesen zwei sehr ergreifenden Programmpunkten haben wir uns noch etwas mit dem Bus durch Dublin fahren lassen und sind dann in “The Church” essen gewesen. Dies ist mein Lieblingsrestaurant in Dublin, denn das wirklich leckere Essen – in meinem Fall Beef & Guinness Stew – kann man entweder in den Gewölben der Kirche oder in der Kirche selber genießen.

Nach dem Essen ging es für uns dann weiter zu “The Academy”, um uns das letzte Konzert in Irland von den The Young Folks anzuhören. Da wir auch dort deutlich zu früh waren, gönnen wir uns noch im Pub nebenan ein Bulmers. Als dann endlich die Abendkasse öffnete, betreten wir den Veranstaltungsort – und sind die nächsten 15 Minuten quasi die einzigen Gäste. Doch kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn füllt es sich mehr und mehr und als dann die erste Vorband anfängt ist der Saal gut gefüllt. Die zwei Vorbands waren ok, aber nicht wirklich unser Musikgeschmack. Als dann aber endlich TYF spielten, wurde es richtig gut und die Stimmung in dieser relativ kleinen Location war super.

Nach dem Konzert liefen wir durch das nächtliche Dublin – vorbei an prächtig weihnachtlich geschmückten Schaufenstern – im Oktober! – um den Abend gemeinsam mit einem Freund im Café en Seine ausklingen zu lassen. Irgendwann in dieser Nacht fielen wir dann müde und glücklich in unser Hotelbett.

Heimat – Zuhause – ???

Wir fahren durch eine Stadt, kennen jedes Gebäude, jede Straße – unzählige Male sind wir hier schon hergefahren. Auf dem Weg zur Schule, zu Freunden, zum Sport, zueinander. Jetzt sind wir nur zu Besuch – auf der Durchreise.

Wir stellen das Auto ab, betreten den Flughafen, Erinnerungen treffen uns – an den ersten Flug ins Ungewisse mit zwei kleinen Kindern, an viele, viele weitere Flüge, Rückflüge von schönen und traurigen Feiern, vollgepackt mit ganz viel Familienliebe und an Abschiede mit vielen Tränen aber auch ganz viel Zuversicht.

Kaum etwas hat sich hier verändert. Wir kaufen unsere Zeitschrift, trinken einen Kaffee, schauen den ankommenden Flugzeugen zu. Wie immer. Nicht ganz – wir sind nur zu zweit. Es ist ungewohnt, die volle Aufmerksamkeit zu haben. Keine kleinen Hände zu halten, keine Fragen zu beantworten, keine Tränen zu trocken, keine Streits zu schlichten, niemandem auf dem Arm zu haben. Ungewohnt, aber schön und doch fehlt irgendwie etwas. Ich muss mich zurückhalten, meinen Mann nicht begeistert auf den Wagen hinzuweisen, der die Flugzeuge betankt, ihm die Container zu zeigen, in dem die Koffer transportiert werden, ihn zu fragen, ob er noch etwas trinken, essen oder sonstwas möchte. So oft waren wir genau an dieser Stelle und haben mit Kinderaugen das Geschehen auf dem Flughafen beobachtet.

Dann hebt das Flugzeug ab – bei Regen. Alles ist grau in grau. Während mein Mann “20 things to do in Dublin before you go for a feckin’ pint” liest, höre ich Musik und döse ein wenig. Keine zwei Stunden später kündigt der Pilot den Landeanflug an. Die Wolkendecke öffnet sich und die Sonne strahlt auf Dublin. Von oben können wir Malahide sehen – den Hafen, Malahide estuary, Howth, Portmarnock Beach.

Auch hier hat sich am Flughafen kaum etwas verändert. Alles ist wie immer. Nur statt des Parkhauses suchen wir nun die Bushaltestelle auf. Der richtige Shuttle ist schnell gefunden, die Tickets gekauft und dann sitzen wir auch schon im Bus 747 Richtung Dublin.

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Nun fahren wir von der anderen Seite in die Stadt. Ab jetzt sind wir die klassischen Touristen. Am Halt Christchurch steigen wir aus, den Stadtplan in der Hand und ruckeln mit unseren Trolleys zu unserem Hotel.

Nach dem Einchecken machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem – und werden schnell fündig. Schon vorher hatte ich mir überlegt, was ich wo essen möchte und so beginnt unsere Reise mit “Pulled Pork”.

Danach laufen wir ziellos durch die Stadt, schlendern durch das eindrucksvolle Powerscourt Townhouse Centre, gehen die Grafton Street einmal rauf und wieder runter und dann einmal durch das Stephen’s Green Shopping Centre. Zurück im Hotel bleiben wir noch etwas an der Hotelbar und beenden dann den Tag – völlig überwältigt von viel zu vielen Erinnerungen.

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Powerscourt Townhouse

Schlechtwetter-Tag

Tag 7:

Als die Kinder am nächsten Morgen die Vorhänge zur Seite schoben, schmetterten sie uns direkt ihre Vorschläge für die Tagesplanung entgegen. Wir wägten ab … und saßen kurze Zeit später schon im Auto.

Unzählige Male sind wir diese Strecke bereits gefahren – meistens an einem Wochenende und fast immer bei schlechtem Wetter. Denn am Ziel hatten wir trotz Regen draußen immer entspannte und trockene Stunden und danach glückliche Kinder. Über ein Jahr waren wir nun nicht mehr dort gewesen und so waren wir alle neugierig, ob sich etwas verändert hatte oder ob wir die altbekannten Wege gehen würden.

Ohne lange Wartezeit an der Kasse – dank der frühen Morgenstunde – konnten wir das wohlbekannte, dunkle Gebäude betreten … bzw. im Falle unserer Kinder erhüpfen. Denn die drei waren schon beim Erblicken des Gebäudes in Jubelschrei ausgebrochen und hüpften seitdem wie Flummis auf und ab.

Was unsere Kinder so in Aufregung versetzte? Eigentlich nichts wirklich aufregendes könnte man sagen. Aber für uns und unsere Kinder war es während unserer Zeit in Irland DIE Schlechtwetter-Wochenend-Aktivität überhaupt: das Aquarium National SeaLife in Bray. Die Kinder kannten quasi jeden Fisch beim Namen und wussten wer in welchem Aquarium wohnt. Und so stellten sie direkt zu Beginn fest, wer umgezogen war und wer ganz neu war. Besonders schön war, dass die Großen jetzt auch endlich alt genug für die Rallye waren, die mit spannenden Fragen durch das Aquarium führt. Die beiden Mädels suchten mit Feuereifer die Fragetafeln, ich durfte dann die Fragen und Antworten vorlesen (und bei Bedarf übersetzen) und zu meiner Freude durfte ich auch die Antworten freirubbeln. Zur Belohnung gab es nachher für die abgegeben Karten Aufkleber, die natürlich unmittelbar überall hingeklebt wurden.

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Als wir wieder an der frischen Luft waren – inzwischen hatte sich typisch irisch auch der Regen wieder verabschiedet – meldete sich umgehend der Hunger. Geplant war eigentlich der obligatorische Besuch in dem Restaurant über dem Aquarium. Dort gibt es sehr gutes Essen bei einem grandiosen Ausblick auf das Meer. Allerdings war es kurz vor 12 Uhr. Das Restaurant sollte um 12 Uhr aufmachen und so lungerten wir noch einen Moment am Strand rum, die Kinder warfen Steine ins Meer und kletterten über die großen Felsen.

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Als wir um kurz nach 12 Uhr vor der Restauranttür standen, teilte uns der Inhaber freundlich mit, dass wir uns noch etwa 15 Minuten gedulden müssten bis sie aufmachen. Das war für meinen Hunger absolut indiskutabel. Und daher mussten wir wohl oder übel von unserer Routine abweichen und uns ein anderes Lokal suchen. Und so fanden wir zufällig das wirklich empfehlenswerte Ocean Bar & Grill in Bray.

Gesättigt und gut gelaunt ging es wieder nach Malahide, wo die Kinder nach einem Eis in der “besten Eisdiele der Welt” noch etwas in unserem B&B spielten, während wir unser Auto so umbauten und umpackten, dass wir die folgenden Tage zu siebt darin Platz finden würden.

Den Abend verbrachten wir bei lieben Freunden im Co. Kildare und es war sehr schön zu sehen, wie schnell die Kinder wieder miteinander spielten und durch das Haus jagten und die Sprache völlig nebensächlich wurde. Als wir um kurz vor neun unsere Kinder dann doch wieder von ihren neuen alten Freunden trennen konnte, waren sie so aufgeregt und voller Vorfreude, dass sie selbst die einstündige Fahrt zum Dubliner Flughafen noch (fast) alle wach überstanden – denn dort holten wir Oma & Opa ab, mit denen wir die nächsten sieben Tag Irlands Westen erkunden wollten.

Am Dubliner Flughafen entdeckten wir dann dieses Plakat:

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Eigentlich gilt das nicht nur für Dublin, sondern für ganz Irland – wirklich weit weg ist das Meer an keiner Stelle der Insel. Ja, das vermissen wir! Aber gerade heute habe ich meine Kinder dabei beobachtet, wie sie mit genau dem gleichen Elan Steine in die Havel warfen und ich glaube, die Kinder haben ihren neuen Platz hier gefunden.

gefahrene Kilometer/Tag: 220

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.360

Perfekt

Tag 6:

Es gibt Tage, die sind tatsächlich perfekt – vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Die sind so perfekt, dass sie schon wieder unwirklich sind und man am Abend vor lauter Glück nicht einschlafen kann und man das Gefühl hat, man kann gar nicht dankbar genug sein für dieses Leben!

So ein Tag war der 23. März 2016 für uns.

Nach dem Frühstück in unserem kleinen B&B neben unserem alten Haus steuerten wir den Spielplatz im Malahide Park an. Auf diesem Spielplatz haben wir schon so viel Zeit verbracht und als wir ihn an diesem Morgen betraten, schwappte diese ganze Zeit als eine riesige Erinnerungswelle über uns. Die Kinder rannten sofort los und kletterten, rutschten, balancierten, drehten und rannten wie wild. Wirklich jedes Spielgerät wurde begrüßt und bespielt. Da wir den riesigen Spielplatz für uns alleine hatten, war das wirklich sehr entspannt und wir konnten bei allem mittoben und waren auf vielen Klettergerüsten das erste Mal seit gefühlten hundert Jahren. Wir konnten uns auch sicher sein, dass uns die Geräte “aushalten”, denn als wir zu so einer ungewohnt frühen Morgenstunde den Spielplatz betreten hatte, sahen wir drei Polizisten, die zerrten, drehten, schaukelten und begutachteten. Erst dachten wir, die drei wollten vor Dienstantritt auch noch etwas spielen, aber dann sahen wir, dass sie offensichtlich die Spielgeräte überprüften.

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Zwischendurch gab es noch einen Kaffee in meinem absoluten Lieblingscafé. Als wir danach auf den Spielplatz zurückkehrten, war es schon etwas voller. Und so ließen wir die Kinder noch eine Abschiedsrunde drehen und machten uns dann auf den Weg zu den besten Kindergartenfreunden unserer Töchter.

Auf dem Weg dorthin fuhren wir an der Küste vorbei. Und da die Sonne inzwischen – typisch irisch – vom Himmel strahlte und wir noch etwas Zeit bis zu unserer Verabredung hatten, hielten wir spontan am Portmarnock Beach. Auch hier haben wir so wahnsinnig viel Zeit verbracht – im Sommer wie im Winter.

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Als die Kinder drohten, zu übermütig zu werden – das heißt, in voller Montur schwimmen gehen wollten – fuhren wir weiter. Bei unseren Freunden angekommen gab’s ein großes Wiedersehen. Alles war so vertraut, die Kinder spielten nach anfänglichen Sprachunsicherheiten wie immer und wir saßen in der Küche und tranken Tee und Kaffee.

Von dort ging es zu Bens ehemaligen Büro und dann weiter zu unserer Freundin, die wir am Abend vorher getroffen hatten. Lara hatte sie am Tag zuvor gefragt, ob wir zum Lämmchen gucken bei ihr vorbei kommen dürfen, da ihre Eltern eine große Farm haben. Als wir auf den Hof fuhren, kam uns schon ihre Mama mit einer Flasche entgegen. Sie hatte gerade einige der Lämmchen gefüttert. Unsere Freundin holte dann ein Lamm aus dem Stall und die Kinder erschraken erst einmal von dem lauten Blöken. Das ein so kleines Tier so laute Geräusche machen kann – unglaublich! Nach anfänglicher Schüchternheit streichelten aber alle drei das kleine Lamm und wollten sogar eins mitnehmen. Dann ging es weiter in den großen Stall. Dort standen unglaublich viele Schafe, die gerade von dem Vater und dem Bruder unserer Freundin hereingebracht worden waren. Auf der linken Seite waren die Mutterschafe mit ihren Lämmchen, fast alle hatten Zwillinge und manche sogar Drillinge. Wahrend wir noch versuchten, die Masse an Tieren zu verarbeiteten, machte uns unsere Freundin auf ein ganz kleines Lamm aufmerksam, dass in dem großen Gehege am Zaun im Stroh lag. Sie meinte, das sei gerade erst geboren und die Mutter bekäme auch noch ein zweites. Gerade als ich das Mutterschaf unter den hunderten Schafen als dieses identifiziert hatte, konnte man auch schon die nächste Kontraktion sehen. Ganz ruhig lief das Schaf weiter, stellte sich etwas abseits von den anderen und mit der nächsten Wehe sahen wir, wie das kleine Lamm geboren wurde. Eine Sekunde blieb mein Herz stehen, weil es sich nicht bewegte und nicht blökte. Doch der Schäfer trat direkt zu dem Lämmchen und wischte ihm die Schnauze ab und da blökte das Neugeborene ganz laut. Aufgeregt und erleichtert beobachteten wir, wie das Mutterschaf ihr Lamm sauber leckte und dann wieder zu ihrem Erstgeborenen ging, um es zu säugen. Dieser Moment, dieses Erlebnis – in dieser Umgebung so alltäglich und doch ganz besonders – war wirklich ein Geschenk!

Handy Benni

Bei unserem Abendessen in Kilcullen in dem Pub Fallons war die Geburt des Lammes natürlich das Thema Nummer 1. Selbst unser Jüngster war noch ganz aufgeregt, auch wenn ihn das laute Blöken der Schafe wohl noch nachhaltiger beeindruckt hat.

Als die Kinder und ich schon längst im Reich der Träume diesen unglaublichen Tag verarbeiteten, ließ Ben den Tag in einem Pub in Malahide – welchem wohl? natürlich Fowler’s – mit seinen Arbeitskollegen ausklingen.

gefahrene Kilometer/Tag: 148

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.140

Angekommen

Tag 5:

Was macht man mit drei kleinen bis mittelgroßen Kindern Dienstags morgens um 6.20 Uhr in einer Kleinstadt in Wales? Schlafen? Ne, das kann doch jeder! Unsere Frühaufsteher brachten uns dazu, um kurz nach sechs in unserem Mini-Zimmer die Augen aufzumachen und nach einer überraschend guten Dusche die Gegend zu erkunden. Frühstück gab es nämlich erst ab 7.30 Uhr. Und so tobten sich unsere Kinder bereits aus, während sich der Großteil der Bevölkerung noch aus dem Bett quälte.

Handy Barbara

Als wir wieder an unserem B&B ankamen, sahen wir unseren Vermieter schon in der Küche fuhrwerken und so setzten wir uns als einzige Gäste in den Frühstücksraum und bekamen ein sehr gutes Full English Breakfast. Um kurz nach 8 Uhr machten wir uns gestärkt und voller Vorfreude auf den Weg zur Fähre. Meinerseits ausschließlich Vorfreude auf Irland und weniger auf die Fahrt – konntet ihr euch schon denken, oder. Den Weg zum Hafen hatten wir uns nicht so ganz genau im Vorfeld angeschaut, wussten aber, dass es nicht weit sein konnte. Als wir aber am ersten Kreisverkehr der Ausschilderung folgten und nur wenig später unser B&B jenseits des Zaunes erblickten und dann bereits die wartende Fähre sahen, waren wir doch etwas erstaunt, wie nah wir tatsächlich am Hafen übernachtet hatten. Zudem definierten wir den Begriff “just in time” neu. Denn wir fuhren durch die Kontrolle auf die Warteschlange für die Fähre zu – und prompt setzte diese sich in Bewegung und wir konnten quasi ohne anzuhalten von unserem B&B in den Bauch der Fähre fahren. Sehr praktisch!

Angesichts der wenigen Autos beim Einchecken konnten wir schon erahnen, dass das Schiff relativ leer sein würde. Das wir allerdings fast die Einzigen wären – damit hatten wir dann doch nicht gerechnet. Und so konnten die Kinder den großzügigen Spielbereich mit Kletterwand, Rutsche, Krabbeltunnel und vielem mehr vollständig in Beschlag nehmen.

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Um kurz vor zwölf klebten wir dann allerdings alle fünf an den Fensterscheiben und blickten auf die so gut bekannten Konturen, die sich da in der Ferne auftaten – Howth, die Türme vom Dubliner Hafen, Bull Island. IRLAND – wir waren Zuhause.

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Die Fahrt an der Küste entlang, über die Wooden Bridge – ein kurzer Abstecher zum Dollymount Beach – was ist neu, was ist wie immer, wo wird gebaut? Wie oft sind wir diese Strecke schon gefahren!? Und dann kommen wir an – in Malahide. Schon im Auto haben wir überlegt, wo wir am liebsten Mittagessen möchten. Jeder Pub, jedes Restaurant, jede Karte – alles ist noch so präsent. Letztendlich hat das Fowler’s gewonnen – auf Grund des super leckeren Pulled Pork. Und dann ging es an den Hafen. Hier hat unser “Abenteuer Irland” begonnen, als wir im Juli 2011 zufällig beim Malahide Festival durch die Stadt fuhren und wir uns auf Anhieb in die kleinen Gassen mit den bunten Häusern direkt am Meer verliebten.

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unser erster Besuch in Malahide Ende Juli 2011

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Als wir die Kinder vor unserer Reise fragten, wo sie auf jeden Fall in Irland hin möchten, kam direkt: die weltbeste Eisdiele (The Really Old Sweet Shop). Und so führte unser nächster Weg natürlich dorthin. Die Kinder bekamen ein viel zu großes Eis mit Mini-Marshmallows, Smarties und Schokostange und gaben nach der Hälfte auf. Danach ging es weiter zu Laras ehemaliger Schule. Dort wurde jede Bastelarbeit im Fenster begutachtet und wir spielten zu fünft das Farbenspiel auf dem Schulhof, das Lara 1,5 Jahre lang jeden Morgen mit den Kindern vor der Schule gespielt hatte.

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Nachmittags brachten wir kurz unsere Sachen in das B&B – direkt neben unserem ehemaligen Haus – und machten uns dann auf den Weg in die Shopping Mall. Dort trafen wir eine gute Freundin und machten uns dann wieder auf den Weg zurück in den Ort. Im Fowler’s ließen wir den Abend mit Irish Stew und Bulmers und ganz viel Erzählen ausklingen.

gefahrene Kilometer/Tag: 52 (+ ca. 120 km über die Irische See)

gefahrene Kilometer/gesamt: 1.992

Ein typisch irischer Sonn(en)tag

Planlos und wechselhaft – so könnte man unseren heutigen Sonntag beschreiben. Der Kalender zeigte uns für heute nichts an und das Wetter war am Morgen unverhofft schön – aber wir hatten keine Ahnung, wohin wir wollten. Nach einigen Überlegungen entschieden wir uns, zu den National Stud in Kildare zu fahren, denn dort waren wir noch nie, haben aber schon viel Positives gehört. Nachdem Benni vom Laufen zurück kam, zogen allerdings schon die ersten Wolken auf – und zwar aus dem Landesinneren, wohin wir ja ursprünglich wollten. Im Auto entschieden wir uns dann um und fuhren einfach Richtung Norden. Nach ein paar Sackgassen, weil es leider keine durchgehende Küstenstraße gibt, landeten wir in Skerries. Dort waren wir schon einige Male an den Windmühlen, allerdings noch nie am Hafen. In der Hoffnung, weiter an der Küste entlang fahren zu können machten wir uns auf den Weg zum Hafen – und verbrachten dort die nächsten Stunden.

Skerries

Denn der örtliche Ruderverein veranstaltete dort heute eine Regatta, bei der es sehr viel zu gucken und anzufeuern gab.

Skerries Regatta

Vor dem kleinen Eisladen “Storm in a teacup” standen die Menschen Schlange, um ein leckeres Eis mit Marshmallows, Smarties und bunten Streuseln oder einfach einen Kaffee zu bekommen. Die Rudergemeinde grillte, feuerte an und tankte Kraft für das nächste Rennen.

Drumherum in Skerries

Der Hafen von Skerries liegt auf einer Halbinsel, der drei kleine Inseln vorgelagert sind. An zwei Stellen gibt es eine Art Umkleidekabine mit einem Steg, von dem man aus ins Wasser gehen kann. So konnten wir nicht nur die Ruder- und Segelboote beobachten sondern auch zahlreiche Schwimmer und einige Planscher.

Skerries

Das Highlight für die Kinder war jedoch der Spielplatz, der nicht besonders groß war, aber einen phänomenalen Ausblick hatte.

Spielplatz in Skerries

Und dann war da ja noch das Wetter. Es war sonnig, stürmisch, wolkig und ab und zu tröpfelte es – bis wir im Auto saßen. Noch beim Ausparken fing es an zu schütten. Als wir zu Hause ankamen, prasselten Hagelkörner auf das Autodach – doch beim Aussteigen begrüßte uns schon wieder die Sonne, die dann bis zum Untergang geblieben ist.

irisches Wetter