Perfekt

Tag 6:

Es gibt Tage, die sind tatsächlich perfekt – vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. Die sind so perfekt, dass sie schon wieder unwirklich sind und man am Abend vor lauter Glück nicht einschlafen kann und man das Gefühl hat, man kann gar nicht dankbar genug sein für dieses Leben!

So ein Tag war der 23. März 2016 für uns.

Nach dem Frühstück in unserem kleinen B&B neben unserem alten Haus steuerten wir den Spielplatz im Malahide Park an. Auf diesem Spielplatz haben wir schon so viel Zeit verbracht und als wir ihn an diesem Morgen betraten, schwappte diese ganze Zeit als eine riesige Erinnerungswelle über uns. Die Kinder rannten sofort los und kletterten, rutschten, balancierten, drehten und rannten wie wild. Wirklich jedes Spielgerät wurde begrüßt und bespielt. Da wir den riesigen Spielplatz für uns alleine hatten, war das wirklich sehr entspannt und wir konnten bei allem mittoben und waren auf vielen Klettergerüsten das erste Mal seit gefühlten hundert Jahren. Wir konnten uns auch sicher sein, dass uns die Geräte “aushalten”, denn als wir zu so einer ungewohnt frühen Morgenstunde den Spielplatz betreten hatte, sahen wir drei Polizisten, die zerrten, drehten, schaukelten und begutachteten. Erst dachten wir, die drei wollten vor Dienstantritt auch noch etwas spielen, aber dann sahen wir, dass sie offensichtlich die Spielgeräte überprüften.

20160323 - Malahide

Zwischendurch gab es noch einen Kaffee in meinem absoluten Lieblingscafé. Als wir danach auf den Spielplatz zurückkehrten, war es schon etwas voller. Und so ließen wir die Kinder noch eine Abschiedsrunde drehen und machten uns dann auf den Weg zu den besten Kindergartenfreunden unserer Töchter.

Auf dem Weg dorthin fuhren wir an der Küste vorbei. Und da die Sonne inzwischen – typisch irisch – vom Himmel strahlte und wir noch etwas Zeit bis zu unserer Verabredung hatten, hielten wir spontan am Portmarnock Beach. Auch hier haben wir so wahnsinnig viel Zeit verbracht – im Sommer wie im Winter.

20160323 - Malahide1

Als die Kinder drohten, zu übermütig zu werden – das heißt, in voller Montur schwimmen gehen wollten – fuhren wir weiter. Bei unseren Freunden angekommen gab’s ein großes Wiedersehen. Alles war so vertraut, die Kinder spielten nach anfänglichen Sprachunsicherheiten wie immer und wir saßen in der Küche und tranken Tee und Kaffee.

Von dort ging es zu Bens ehemaligen Büro und dann weiter zu unserer Freundin, die wir am Abend vorher getroffen hatten. Lara hatte sie am Tag zuvor gefragt, ob wir zum Lämmchen gucken bei ihr vorbei kommen dürfen, da ihre Eltern eine große Farm haben. Als wir auf den Hof fuhren, kam uns schon ihre Mama mit einer Flasche entgegen. Sie hatte gerade einige der Lämmchen gefüttert. Unsere Freundin holte dann ein Lamm aus dem Stall und die Kinder erschraken erst einmal von dem lauten Blöken. Das ein so kleines Tier so laute Geräusche machen kann – unglaublich! Nach anfänglicher Schüchternheit streichelten aber alle drei das kleine Lamm und wollten sogar eins mitnehmen. Dann ging es weiter in den großen Stall. Dort standen unglaublich viele Schafe, die gerade von dem Vater und dem Bruder unserer Freundin hereingebracht worden waren. Auf der linken Seite waren die Mutterschafe mit ihren Lämmchen, fast alle hatten Zwillinge und manche sogar Drillinge. Wahrend wir noch versuchten, die Masse an Tieren zu verarbeiteten, machte uns unsere Freundin auf ein ganz kleines Lamm aufmerksam, dass in dem großen Gehege am Zaun im Stroh lag. Sie meinte, das sei gerade erst geboren und die Mutter bekäme auch noch ein zweites. Gerade als ich das Mutterschaf unter den hunderten Schafen als dieses identifiziert hatte, konnte man auch schon die nächste Kontraktion sehen. Ganz ruhig lief das Schaf weiter, stellte sich etwas abseits von den anderen und mit der nächsten Wehe sahen wir, wie das kleine Lamm geboren wurde. Eine Sekunde blieb mein Herz stehen, weil es sich nicht bewegte und nicht blökte. Doch der Schäfer trat direkt zu dem Lämmchen und wischte ihm die Schnauze ab und da blökte das Neugeborene ganz laut. Aufgeregt und erleichtert beobachteten wir, wie das Mutterschaf ihr Lamm sauber leckte und dann wieder zu ihrem Erstgeborenen ging, um es zu säugen. Dieser Moment, dieses Erlebnis – in dieser Umgebung so alltäglich und doch ganz besonders – war wirklich ein Geschenk!

Handy Benni

Bei unserem Abendessen in Kilcullen in dem Pub Fallons war die Geburt des Lammes natürlich das Thema Nummer 1. Selbst unser Jüngster war noch ganz aufgeregt, auch wenn ihn das laute Blöken der Schafe wohl noch nachhaltiger beeindruckt hat.

Als die Kinder und ich schon längst im Reich der Träume diesen unglaublichen Tag verarbeiteten, ließ Ben den Tag in einem Pub in Malahide – welchem wohl? natürlich Fowler’s – mit seinen Arbeitskollegen ausklingen.

gefahrene Kilometer/Tag: 148

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.140

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