Wer uns sucht …

… findet uns auf der Schute. Den umgebauten Fährkahn zwischen Caputh und Potsdam entdeckten wir durch Zufall und unsere Neugier führte uns dann an Deck. Bei den ersten Besuchen genossen wir ausschließlich die entspannte Atmosphäre, die kühlen Getränke und die leckeren Burger. Vom Sonnendeck aus beobachteten wir die Wakeboarder, die Kinder tobten im Wasser und wir fühlten uns – nur 5 km von zu Hause entfernt – wie im Urlaub. Hier wurde unser Meer-Weh ein wenig gestillt. Und daher war es auch absehbar, dass es Ben irgendwann aufs Wasser zog. So fuhr er 2017 auf dem Wakeboard seine ersten Runden – und wir alle waren infiziert. In den letzten Sommerferien besuchten unsere Töchter das Wakeboard-Feriencamp und wären danach am liebsten täglich gefahren. Das ging natürlich nicht, aber dennoch war die Schute im letzten Sommer sozusagen unser zweites Wohnzimmer und dank dem fabelhaften Wetter hatte der Templiner See bald auch Badewannentemperatur erreicht. Und so schafften es Ben und die Kinder auch mich Frostbeule davon zu überzeugen, es mal auszuprobieren. Und was soll ich sagen – es macht wirklich unglaublich viel Spaß. Danach hatte ich zwar Muskelkater an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich da überhaupt Muskeln haben. Aber die Zeit auf dem Wasser war einfach großartig.

 

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Und dann kam der Winter – und die Schute hatte zu. Jedes Mal wenn wir an ihr vorbei fuhren – also sozusagen täglich – schauten wir sehnsüchtig durch die Bäume und suchten den roten Kahn. Aber sie lag in ihrem wohlverdienten Winterschlaf.

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Die Schute im Winterschlaf

Irgendwann im Winter träumten wir vom Sommer und landeten auf der Internetseite von Magix – dem Betreiber der Schute. Die Kinder hatten gefragt, ob sie wieder ins Sommercamp können und wir wollten nach Terminen schauen. Doch Ben fiel ein anderer Termin ins Auge. Ein Wakeboard-Camp für Erwachsene.

Den Rest könnt ihr euch denken, oder? Er buchte für sich und ich war so übermütig und schloss mich an. Denn das anvisierte Wochenende lag direkt nach unserem Hochzeitstag und so fanden wir, dass es doch kein besseres Geschenk von uns beiden an uns beide gab, als die Zeit gemeinsam zu verbringen.

Am 1. Mai war es dann endlich soweit und auf der Schute wurde die Saisoneröffnung 2019 gefeiert. Gemeinsam mit einer Freundin und ihren Kindern saßen wir auf dem Sonnendeck und genossen die leckere Erdbeerbowle, während unsere verrückten Kinder vom 3-Meter-Brett in den See hüpften. Und da schwante mir bereits, was mich am Wochenende erwarten könnte. Denn trotz Sonne war es nicht wirklich warm – und die Wettervorhersage sprach eher von Schnee als von Sommer.

Letztendlich war es meine große Tochter, die mir an dem Samstagmorgen den entscheidenden Tipp gab. Auf die Frage, was ihr denn im letzten Sommer im Camp geholfen hätte, antwortete sie: Ich hab einfach daran gedacht, wie viel Spaß das Wakeboarden nachher macht und dann war es gar nicht mehr so kalt. Und an diesen Rat habe ich mich gehalten.

Denn trotz der geringen Außentemperatur waren die zwei Tage auf/im/am Wasser einfach großartig. Nach einem kleinen Frühstück konnten wir Trampolin springen und auf unzähligen Balanceboards unser Gleichgewicht trainieren und einfach Spaß haben. Dominik und Micha – die beiden Trainer – gaben jedem von uns individuell Tipps und zeigten dann an der Anlage, was man auf und mit dem Wakeboard so alles machen kann. Für mich war es das erste Mal, dass ich an der Anlage gefahren bin. Da ich so oder so noch Anfängerin bin, habe ich ziemlich viel Zeit im Wasser verbracht. Aber irgendwann funktionierten die Kurven dann doch und ich hatte das Gefühl, dass ich so langsam anfange, Kontrolle über das Board zu bekommen und nicht mehr einfach nur an einem Seil übers Wasser gezogen zu werden. Das Wasser war übrigens wärmer als gedacht – nur nach der Session wieder rauskommen und sich umziehen müssen war dann wirklich, wirklich, wirklich kalt. Aber da hab ich dann einfach wieder den Ratschlag meiner Tochter beherzigt – denn nach der Session an der Anlage am Vormittag folgte am Nachmittag eine von der Schute aus hinter dem Boot. Und da war es wieder – das Urlaubs-Feeling.

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Für mich ist es wirklich immer wieder so: Sobald ich über den Steg, der vom Waldrand zur Schute führt, gehe, tauche ich ein in eine andere Welt. Auf der einen Seite befindet sich der Alltag, der Stress, die Hektik und auf der anderen Seite Entspannung, Zeit, das Wasser – und im besten Fall die Sonne. Letztere hat sich dieses Wochenende zwar ziemlich rar gemacht, aber alles andere war trotzdem da. Und so ging es für uns nach einer kleiner Stärkung mit einer leckeren und sättigenden Suppe auf den Templiner See. Während man den anderen Fahrern hinterm Boot zuschaut und einem der Wind um die Nase weht wirkt der Alltag, der sich hinter den Bäumen versteckt, unglaublich weit weg. Zwischendurch zogen dann auf einmal ganz dunkle Wolken auf, die uns zurück an Land trieben. Doch nach einem kleinen Schauer traute sich dann auch die Sonne hervor und der späte Nachmittag und Abend brachte eine Vorahnung auf viele weitere Nachmittage und Abende, die wir hier verbringen werden – am, auf und im Wasser.

Über die Schmerzen vom Muskelkater am nächsten und übernächsten Tag lege ich jetzt einfach mal den Mantel des Schweigens. Nur soviel: bei uns können derzeit keine Gegenstände aus den oberen Regalen geholt werden.