Shopping mit Kultur

Es gibt so Programmpunkte, die macht man, weil man sie machen muss – Shopping ist bei Ben und mir so ein Punkt. Heute ist tatsächlich der letzte Tag an dem wir uns um Mitbringsel kümmern können, da wir morgen Abend die Heimreise antreten werden. Also haben wir uns für heute das Ziel gesetzt, einzukaufen.

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Nach dem Frühstück spazieren wir – ich humpelnd – erstmal am See entlang zu den Trommel- und Glockentürmen. Die beiden Türme waren früher die offiziellen Zeitmesser von Beijing. Auf dem Platz dazwischen wird wieder gespielt – junge und alte Menschen – hauptsächlich in kleinen Gruppen Jianzi. Wir besteigen erst den Trommelturm. Der Aufstieg über die steile und schmale Treppe ist schon etwas abenteuerlich, aber oben werden wir mit einer großartigen Aussicht über die Stadt belohnt. Außerdem kann man sich hier eine Ausstellung über unterschiedliche Zeit-Messinstrumente ansehen und Nachbauten der riesigen Trommeln bestaunen.

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Danach geht es auf den Glockenturm – auch hier ist der Aufstieg steil und schmal, die Aussicht großartig und es gibt eine riesige Glocke, die man von allen Seiten anschauen kann.

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Genug Kultur – jetzt ruft unser Pflichtprogramm: Shopping. Aber so schlimm wie erwartet wird es gar nicht – die Einkaufsstraße die wir uns ausgesucht haben ist sehr schön, es gibt viele kleine und individuelle Geschäfte und vor allem viele Künstler und Handwerker.

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Und mitten in einer der Gassen finden wir dann das ehemalige Wohnhaus von Qi Baishi, einen idyllischen Wohnhof, in dem einige seiner Werke ausgestellt sind.

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Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen haben gehen wir in einen kleinen Laden, der meinem irischen Lieblingscafé/-laden (von dem ich schonmal hier oder auch hier berichtet habe) sehr ähnelt. Dort trinken wir einen Tee und hier erlebe ich einen kleinen „Kultur“schock. Als ich mich nach der Toilette erkundige, weil ich kein entsprechendes Schild sehen kann, begleitet mich die freundliche Angestellte nach draußen und zeigt quer über die stark befahrene Hauptstraße. Da sehe ich dann tatsächlich auf der anderen Straßenseite ein Toilettenschild. Ohne Jacke – ich saß ja eigentlich im Café – und ziemlich irritiert folge ich also der Beschilderung und stehe kurze Zeit später vor einer der vielen öffentlichen Toiletten, die wir in fast allen Gassen hier gesehen haben. Notgedrungen betrete ich also dieses Häuschen. Die französischen Toiletten – also mehr oder weniger ein Loch im Boden – waren mir in den letzten Tagen schon an mehreren Orten begegnet. Aber hier gibt es nicht mal Kabinen, sondern nur hüfthohe Trennwände ohne Türen. Aber irgendwie kann man sich doch an vieles gewöhnen.

Nun machen wir uns auf den Weg zum Beijing ChaoYang Theater, in dem wir uns abends eine Akrobatikshow ansehen möchten. Da unser Versuch ein freies Taxi zu finden wieder sehr erfolgslos ist, wir durch die unterschiedlichen Buslinien und Haltestellen nicht durchblicken, und meine Füße mich jetzt aber wirklich nicht mehr durch halb Beijing tragen möchten, suchen wir eine U-Bahn-Station. Ab da fahren wir übrigens nur noch mit der U-Bahn, denn das Streckennetz ist super, die Bahnen fahren wirklich ständig, die Tickets sind günstig und überhaupt ist es sehr einfach und komfortabel.

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Am Theater angekommen bezweifeln wir, dass es noch Tickets für die nächste Show gibt, da sich auf der Treppe unzählige chinesische Reisegruppen versammelt haben. Umso erstaunter sind wir, als wir uns sogar noch in der von uns gewählten Kategorie die Plätze aussuchen können. Als Einlass ist, strömen alle in den Saal und wir sitzen in der Mitte völlig alleine. Die Reisegruppen verteilen sich links und rechts im Saal bis wirklich alle Plätze besetzt sind. In der Mitte sitzen allerdings nur eine Handvoll Touristen. Und dann beginnt die Show! Ich hab wirklich schon einige Akrobatikshows gesehen, aber so spektakulär, komprimiert und mit sehr individuellen Bühnenbildern war noch keine.

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Mit der U-Bahn fahren wir wieder zurück und gehen am See entlang. Dort finden wir ein schönes Restaurant und essen zu Abend. Als wir danach weiter durch das Vergnügungsviertel schlendern, werden die Jungs, die vor den Karaoke- & Livemusik-Bars auf Kundenfang gehen, auf einmal total nervös und laufen in ihre jeweiligen Läden. Während wir weitergehen, gehen in einem Laden nach dem anderen die Lichter aus und die Musiker verschwinden von der Bühne … und dann fährt auf einmal die Polizei vor, steigt aus und verteilt sich. Was genau jetzt in den Bars Verbotenes getan wurde können wir nicht herausfinden. Unser nächstes Ziel ist der Teeladen. Dort dürfen wir ganz viele unterschiedliche Teesorten probieren bis wir uns endlich entschieden haben. Mit der Rickshaw geht es durch unser Hutong zurück zum Hotel. Es ist unglaublich wie vertraut im Vergleich zu unserem Gefühl bei der Ankunft vor gerade mal zwei Tagen die Gassen nun im Dunkeln für uns aussehen.

2 Kommentare

    • 🙂 Nein, muss man natürlich nicht – aber wenn du Sachen von ihm siehst, kennst du die bestimmt. Er ist ein ziemlich bekannter chinesischer Maler des letzten Jahrhunderts.

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