Lebensgefühl

Entweder, man liebt ihn oder man findet ihn schrecklich. Für mich war er der Auslöser für mein allererstes Heimweh in Irland. Dieses Heimweh kam jedes Jahr wieder und blieb auch nach unserem Umzug nach Deutschland bestehen.

In Brandenburg stoße ich damit flächendeckend auf Unverständnis, sogar ein anderes Wort gibt es in diesem Teil Deutschlands dafür – Fasching. Daher begab ich mich in diesem Jahr auf die Reise – und habe nach 7 Jahren endlich wieder in Köln Karneval gefeiert.

Und was soll ich sagen. Es war toll und nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei! Ab jetzt gibt es keine mehrjährige Pause mehr von der närrischen Zeit.

Aber was ist es, das für mich Karneval so besonders macht? Verkleiden kann ich mich dank meiner drei Kinder eigentlich das ganze Jahr über. Um Tanzen oder Feiern zu gehen, gibt es auch hin und wieder noch Anlässe. Dennoch habe ich mich unglaublich auf diese eine Woche im Rheinland gefreut – denn in diesem Jahr fielen die Winterferien in Brandenburg und Karneval zusammen und so konnten wir nach der langen Zeit des Heimwehs endlich wieder live dem närrischen Treiben folgen.

Am Altweiber-Donnerstag machten wir uns mit elf Frauen auf den Weg in die Domstadt. Zuerst wurde allerdings ausgiebig und gemütlich gemeinsam gefrühstückt und der letzte Feinschliff am Gruppenkostüm gemacht.

2018 Karneval Köln

Danach ging es mit dem Taxi aus meiner Heimatstadt nach Köln-Nippes. Dort haben wir als Studenten einige Jahre gelebt und seitdem feiern wir bzw. während meiner Karneval-Abstinenz die anderen Mädels dort. Eineinhalb Stunden haben wir auf den Einlass in die Kneipe gewartet und bereits in der Zeit war die Stimmung in der wachsenden Schlange ausgelassen und angenehm. Dank Musikbox wurde schon hier getanzt, erzählt und getrunken.

2018 Karneval Warten

Während des Feierns gab es für mich besondere Momente, in denen ich über die tanzende und singende Menschenmenge schaute und die Wärme im Bauch nicht dem Kölsch geschuldet war sondern diesem friedlichen und ausgelassenem Miteinander, dass man in dieser kleinen Kölner Eck-Kneipe erleben durfte. An diesem Ort und zu dieser Zeit sind gerade alle Menschen zusammenzukommen, um das Leben zu feiern – unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Nationalität oder sonst irgendwelchen „Daten“. Hier ist kein Platz für Rassismus, Aggressivität oder sexuelle Übergriffe. Hier wird zusammen gefeiert mit Achtung voreinander.

2018 Karneval Feiern

Das der Karneval auch ein ganz anderes, schreckliches Gesicht hat ist mir durchaus bewusst. Gerade an diesem Abend ist nicht weit von der Stelle, an der wir gefeiert haben, ein junger Mann ums Leben gekommen und viele Frauen machen im Karneval unangenehme Erfahrungen mit übergriffigen Männern. Der Karneval verändert die Menschen halt nicht und böse Menschen bleiben auch mit Pappnase böse. Oftmals dominieren diese Erlebnisse die Medienwelt. Aber daneben gibt es halt auch den Karneval, den ich so liebe und den ich am Karnevalssamstag in Nippes dann erneut erleben durfte. Denn am Samstag zogen wir in einer noch größeren Gruppe gemeinsam mit unseren Männern los. Und auch dieser Abend war geprägt von dem ausgelassen und friedlichen Feiern miteinander.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Stück Kultur im Rheinland auf diese Art in diesem Jahr wieder erleben durfte, denn es hat meine positive Lebenseinstellung gestärkt und mir wieder sehr bewusst gemacht, dass man all den negativen Strömungen in unserer Gesellschaft nicht so viel Raum geben darf. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die friedlich und respektvoll miteinander umgehen – das ganze Jahr über. Aber an Karneval bekommt diese Lebenseinstellung ein Gesicht – ein buntes, lautes und fröhliches Gesicht!

Danke Kölner Karneval! Danke Hahnheiser in Köln Nippes! Danke an die allerbesten Freunde & Familie!

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Irlands Heilige

In Irland hat eigentlich alles – wirklich alles – mit dem Heiligen Patrick zu tun. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um den Schutzheiligen Irlands und berühren sämtliche Bereiche des irischen Lebens. Und so war er quasi unser Leitmotiv an unserem nächsten Tag in Dublin.

Zu Beginn des Tages spazierten wir zu der in Sichtweite unseres Hotels liegenden St. Patrick’s Cathedral. Diese beeindruckende Kirche ist die größte Irlands.

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Allerdings ist sie inzwischen auch eine der größten Touristenattraktionen und als solche wird sie auch vermarktet. Nachdem wir uns für 6,00 € den Zutritt zu der Kirche erkauft hatten, betraten wir ehrfurchtsvoll das alte Gebäude. In Erwartung der eindrucksvollen Architektur – von außen kann man diese schon erahnen – legte ich den Kopf in den Nacken und schaute an die beeindruckende Decke. Dabei ging ich schweigend einige Schritte nach vorne – und rumste fast in ein Regal. Mitten im Mittelschiff dieser altehrwürdigen Kathedrale befindet sich nämlich ein Souvenirladen. Selbstverständlich darf man auch Fotografieren, Reden und alle Winkel anschauen und es gibt sogar einen Bereich, in dem man mit großen Bausteinen Kirchen puzzeln kann, Reliefs malen kann und und und. Ich weiß, dass die Unterhaltskosten für ein Gebäude dieser Größe immens sind und dass es wirklich wichtig ist, den Tourismus in Irland auszubauen und auch, das Image der Kirchen zu ändern und wieder für eine breitere Masse interessant zu machen. Meine Welt ist das aber nicht. Und so verließen wir diese größte Kirche Irlands mit sehr gemischten Gefühlen – einerseits beeindruckt von der Architektur, andererseits verstört von der Anpassung des Gotteshauses an die Bedürfnisse der Touristen.

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Unser Weg führte uns direkt zu der nächsten großen Kathedrale – Christ Church Cathedral. Auch diese ist ein großer Besuchermagnet in Dublin und dennoch hat sie sich deutlich mehr den Charakter eines “Gotteshaus” bewahrt als ihre “große Schwester” St. Patrick’s Cathedral. Sehenswert ist hier auf jeden Fall die Krypta – trotz des obligatorischen Souvenirladens.

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Von dort gingen wir am Dublin Castle und der Cityhall vorbei und machten uns auf die Suche nach einem Bus, der Richtung Glasnevin Cemetry fährt. 

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Als wir diesen endlich gefunden hatten und die erste Station gefahren waren, sahen wir die Teeling Distillery. Der Whiskey wurde angeblich ebenfalls von St. Patrick nach Irland gebracht und daher konnten wir diesen Programmpunkt auf keinen Fall verpassen. Auch wenn es gerade erst Mittagszeit war. Wir hatten Glück und bekamen noch Karten für eine Führung durch die Destillerie. Und nach der Führung gab es natürlich auch noch ein umfangreiches Tasting. Beides – also Besichtigung und Whiskeyprobe – sind absolut empfehlenswert!

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Als wir am frühen Nachmittag die Teeling Distillery Richtung Hotel verließen ging es uns wirklich richtig gut. Aber nach einer Pause wurde deutlich, dass wir uns jetzt doch langsam auf die Suche nach einem Restaurant machen sollten. Und so landeten wir zufällig in The Gastro Bar (Fade St. Social). Die Gerichte in dieser quirligen und dennoch edlen Tapas Bar waren abwechslungsreich und super lecker. Gut gestärkt schlenderten wir weiter durch Dublin, stürzten uns in den Trubel eines Halloweenladens um für unsere Kinder die gewünschten Kostüme zu erstehen und landeten letztendlich in Temple Bar. Zwischen gut besuchten Pubs mit Live-Musik findet man viele unterschiedliche Künstler. Überhaupt ist Kunst in Dublin in allen Formen sehr präsent und konfrontiert den Besucher auch mit der teils grausamen Vergangenheit Irlands.

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Den Abend haben wir ganz typisch irisch gemeinsam mit einer irischen Freundin in einem sehr urigen Pub mit spontaner Live-Musik ausklingen lassen.

Unterwegs als Touristen

Womit beginnt ein typischer Tag eines Touristen in Irland? Natürlich mit einem leckeren und umfangreichen Full Irish Breakfast. Nein, die Iren frühstücken nicht jeden Morgen so! In den Familien die wir kennen, gibt es morgens klassisch Porridge oder CornFlakes. Aber wir sind ja nun in einem sehr schönen Hotel und genießen da am frühen Morgen – ja, dank einer Stunde Zeitunterschied und der sehr aktiven inneren Uhr war es wirklich früh – warme Tomaten, gebratene Champignons, gebratenen Speck, Rührei und baked beans. Zum Nachtisch bedienen wir uns an dem Müsli- und Obst-Buffett und dann rollen wir übersättigt aus dem Hotel. Zum Glück geht unser Weg zum Trinity College erstmal nur bergab. Doch irgendwann werden wir unsanft von mannshohen Bauzäunen gestoppt. Rings um das College wird gerade sehr viel gebaut – die beiden Straßenbahnlinien werden endlich verbunden. Ja, Dublin hat bisher zwei Straßenbahnlinien, die leider keine einzige gemeinsame Station haben. Möchte man also von einer zur anderen Linie umsteigen muss man laufen oder Bus fahren. Aber nicht mehr lange.

Zwischen Bauzäunen und Straßenlöchern betreten wir den Campus. Noch ist es relativ leer – hauptsächlich Studenten sind unterwegs. Und doch müssen wir am Eingang von der Old Library anstehen. Während wir überlegen, ob es sinnvoll ist, online ein Ticket zu kaufen um den anderen Eingang benutzen zu dürfen, geht es erstaunlich schnell weiter und so sind wir bereits kurze Zeit später in der Ausstellung.

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Die Erläuterungen zum Book of Kells sind wirklich sehr informativ und interessant dargestellt und wir haben das Glück an einem Wochentag und dann auch noch einem Vormittag wirklich in Ruhe alles anschauen zu können. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man versuchen, nicht zu den Hauptbesuchszeiten hier zu sein, denn ob man dann wirklich in Ruhe alle Tafeln durchlesen und die kunstvollen Zeichnungen und Schriften anschauen kann wage ich zu bezweifeln.

Nach der Ausstellung des Book auf Kells kann man den Restoratoren bei der Arbeit zuschauen, wie sie mit minikleinen Staubsaugern alte Bücher abstauben. Und dann betritt man schon den gigantischen Long Room der Old Library. Wirklich unglaublich! Manche wünschen sich, eine Nacht in einem Kaufhaus oder einem Möbelhaus eingesperrt zu sein – ich würde gerne mal eine Nacht (oder auch einen Tag) in dieser großartigen Bücherei verbringen mit diesen unzählig vielen uralten Büchern die so viel mehr zu erzählen scheinen, als nur das was in ihnen geschrieben steht. Die mit so viel Geduld, Zeit und Liebe geschrieben, gemalt und gebunden wurden. Aber natürlich ging das leider nicht und so verließen wir wie alle anderen kurze Zeit später das Trinity College – durch den obligatorischen Souvenirladen – und kauften unsere Tickets für den Hop-On-Hop-Off-Bus.

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Mit dem Bus fuhren wir dann bis zum Guinness Storehouse. Da Ben schonmal eine Brauerei-Führung dort mitgemacht hatte und ich kein großes Interesse daran hatte, wollten wir nur in die Gravity-Bar gehen, von der aus man einen grandiosen Blick über Dublin hat. Leider kann man dort aber nur mit der besagten Führung hin.

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Also ändern wir unseren Plan und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Gefängnis “Kilmainham Gaol”. Dort hatten wir bereits online Tickets gekauft – allerdings erst für eine Führung um 14 Uhr, sodass wir noch knappe zwei Stunden Zeit haben. Die verbringen wir zum Teil in genau dem Pub, in dem wir vor 5 Jahren bei unserem ersten Besuch in Dublin waren. Danach spazieren wir durch den Park zum Museum of Modern Art, das im eindrucksvollen Royal Hospital Kilmainham untergebracht ist.

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Und dann beginnt die Führung durch einen der geschichtsträchtigsten Orte Irlands. Hierzu kann ich gar nicht viel schreiben. Das Gebäude und die Geschichte dazu ist so eindrucksvoll, dass man es wirklich selbst sehen und spüren muss. Alle Fakten kann man an den unterschiedlichsten Stellen nachlesen, aber die Stimmung in diesen alten Gemäuern und die Vorstellung, was dort alles geschehen ist muss man selber erleben. Ein absolut empfehlenswerter Punkt auf der Sightseeing-Liste von Dublin.

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Nach diesen zwei sehr ergreifenden Programmpunkten haben wir uns noch etwas mit dem Bus durch Dublin fahren lassen und sind dann in “The Church” essen gewesen. Dies ist mein Lieblingsrestaurant in Dublin, denn das wirklich leckere Essen – in meinem Fall Beef & Guinness Stew – kann man entweder in den Gewölben der Kirche oder in der Kirche selber genießen.

Nach dem Essen ging es für uns dann weiter zu “The Academy”, um uns das letzte Konzert in Irland von den The Young Folks anzuhören. Da wir auch dort deutlich zu früh waren, gönnen wir uns noch im Pub nebenan ein Bulmers. Als dann endlich die Abendkasse öffnete, betreten wir den Veranstaltungsort – und sind die nächsten 15 Minuten quasi die einzigen Gäste. Doch kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn füllt es sich mehr und mehr und als dann die erste Vorband anfängt ist der Saal gut gefüllt. Die zwei Vorbands waren ok, aber nicht wirklich unser Musikgeschmack. Als dann aber endlich TYF spielten, wurde es richtig gut und die Stimmung in dieser relativ kleinen Location war super.

Nach dem Konzert liefen wir durch das nächtliche Dublin – vorbei an prächtig weihnachtlich geschmückten Schaufenstern – im Oktober! – um den Abend gemeinsam mit einem Freund im Café en Seine ausklingen zu lassen. Irgendwann in dieser Nacht fielen wir dann müde und glücklich in unser Hotelbett.

Heimat – Zuhause – ???

Wir fahren durch eine Stadt, kennen jedes Gebäude, jede Straße – unzählige Male sind wir hier schon hergefahren. Auf dem Weg zur Schule, zu Freunden, zum Sport, zueinander. Jetzt sind wir nur zu Besuch – auf der Durchreise.

Wir stellen das Auto ab, betreten den Flughafen, Erinnerungen treffen uns – an den ersten Flug ins Ungewisse mit zwei kleinen Kindern, an viele, viele weitere Flüge, Rückflüge von schönen und traurigen Feiern, vollgepackt mit ganz viel Familienliebe und an Abschiede mit vielen Tränen aber auch ganz viel Zuversicht.

Kaum etwas hat sich hier verändert. Wir kaufen unsere Zeitschrift, trinken einen Kaffee, schauen den ankommenden Flugzeugen zu. Wie immer. Nicht ganz – wir sind nur zu zweit. Es ist ungewohnt, die volle Aufmerksamkeit zu haben. Keine kleinen Hände zu halten, keine Fragen zu beantworten, keine Tränen zu trocken, keine Streits zu schlichten, niemandem auf dem Arm zu haben. Ungewohnt, aber schön und doch fehlt irgendwie etwas. Ich muss mich zurückhalten, meinen Mann nicht begeistert auf den Wagen hinzuweisen, der die Flugzeuge betankt, ihm die Container zu zeigen, in dem die Koffer transportiert werden, ihn zu fragen, ob er noch etwas trinken, essen oder sonstwas möchte. So oft waren wir genau an dieser Stelle und haben mit Kinderaugen das Geschehen auf dem Flughafen beobachtet.

Dann hebt das Flugzeug ab – bei Regen. Alles ist grau in grau. Während mein Mann “20 things to do in Dublin before you go for a feckin’ pint” liest, höre ich Musik und döse ein wenig. Keine zwei Stunden später kündigt der Pilot den Landeanflug an. Die Wolkendecke öffnet sich und die Sonne strahlt auf Dublin. Von oben können wir Malahide sehen – den Hafen, Malahide estuary, Howth, Portmarnock Beach.

Auch hier hat sich am Flughafen kaum etwas verändert. Alles ist wie immer. Nur statt des Parkhauses suchen wir nun die Bushaltestelle auf. Der richtige Shuttle ist schnell gefunden, die Tickets gekauft und dann sitzen wir auch schon im Bus 747 Richtung Dublin.

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Nun fahren wir von der anderen Seite in die Stadt. Ab jetzt sind wir die klassischen Touristen. Am Halt Christchurch steigen wir aus, den Stadtplan in der Hand und ruckeln mit unseren Trolleys zu unserem Hotel.

Nach dem Einchecken machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem – und werden schnell fündig. Schon vorher hatte ich mir überlegt, was ich wo essen möchte und so beginnt unsere Reise mit “Pulled Pork”.

Danach laufen wir ziellos durch die Stadt, schlendern durch das eindrucksvolle Powerscourt Townhouse Centre, gehen die Grafton Street einmal rauf und wieder runter und dann einmal durch das Stephen’s Green Shopping Centre. Zurück im Hotel bleiben wir noch etwas an der Hotelbar und beenden dann den Tag – völlig überwältigt von viel zu vielen Erinnerungen.

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Powerscourt Townhouse

Sturm – Regen – Hagel – Sonnenschein

Tag 9:

Mit mäßiger Begeisterung und Schniefnase bei den zwei mitreisenden Männern begann der nächste Morgen mit einem Besuch in dem relativ kalten hoteleigenem Schwimmbad – die Begeisterung der Kinder über das kühle Nass war aber wie immer ungetrübt.

Da sich über Nacht zum Regen auch ein ausgewachsener Sturm gesellt hatte, ließen wir den Morgen sehr gemütlich angehen und lungerten bis Mittags im Hotel herum – mit der Hoffnung, dass das irische Wetter erfahrungsgemäß sehr unbeständig ist. Aber dem Sturm gefiel es wohl in Galway und so blieb er – und wir gaben nach und machten uns auf den Weg Richtung Stadt. Da unser Jüngster das kurze Stück Autofahrt direkt für seinen Mittagsschlaf nutzte, hatten wir Erwachsenen eine gute Ausrede, bei diesem Wetter nicht nach draußen zu müssen. Und so fuhren wir am Meer entlang von Galway aus eine knappe Stunde Richtung Norden und wieder zurück. Die Küste dort ist nicht spektakulär aber dennoch schön und gerade bei Wind eindrucksvoll.

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Als wir wieder in Galway ankamen, hatte unser Jüngster ausgeschlafen, der Wind hatte sich verabschiedet und die Sonne traute sich heraus. Dennoch war es noch sehr kalt und so zog es uns ziemlich schnell in ein Pub, um uns bei einer leckeren Suppe und einem Bulmers wieder aufzuwärmen.

20160326 - Galway

Als wir dann bei Sonnenschein weiter durch die schönen Gassen von Galway schlenderten, kamen wir unvermittelt in eine sehr kurze Parade der Sinn Féin anlässlich des Jubiläums zum Osteraufstand 1916.

gefahrene Kilometer/Tag: 60

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.660

Tag 10:

Da wir an diesem Tag von Galway an der Westküste weiter bis Kilkee fahren wollten, beschloss Ben noch vor dem Frühstück in einer Regenpause das Auto einzuräumen. Doch noch während er unsere Taschen in der Dachbox verstaute, überraschte ihn ein heftiger Hagelschauer – er flüchtete ins Innere des Autos, um den Schauer abzuwarten. Doch zu dem Hagel gesellte sich der gute Bekannte “Sturm” und diesen störte in seinem Weg unsere Dachbox. Daher riss er sie kurzentschlossen auf, um mitten durch sie hindurch zu gehen. Die Dachbox gab nach und riss in der Mitte. Unsere Taschen waren dem Hagel danach schutzlos ausgeliefert. In der Reisegruppe entstand kurz Aufregung, doch mithilfe von Panzerband war die arme Dachbox schon kurze Zeit später wieder einsatzbereit.

Unserer Abfahrt stand nichts mehr im Wege und nach dem Frühstück machten wir uns bei Regen auf den Weg zu den Cliffs of Moher. Dort wird es von Jahr zu Jahr touristischer und so war es auch an diesem Sonntag schon relativ voll und einige Todesmutige lehnten sich an den oberen Klippen gegen den Wind. Wir zogen dann mit den Kindern doch den sicheren und inzwischen sehr gut ausgebauten Weg auf die an ihrem höchsten Punkt 214 m hohe Klippen vor. Als wir am O’Brien’s Tower angekommen waren, überraschte uns ein riesiger Regenbogen – das ist Irland.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee

Von dort ging es weiter in das kleine Surfer-Städtchen Lahinch, das uns schon bei unserer letzten Tour durch den Westen so gut gefallen hatte. Hier aßen wir bei einem sensationellen Ausblick direkt am Meer und die Kinder tobten sich auf dem Spielplatz aus.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee1

Während des Nachmittags hatte die Sonne den Regen und den Wind vertrieben und als wir am Abend in Kilkee ankamen, fühlten wir uns fast wie im Sommerurlaub – das kleine Städtchen, dass sich in die Bucht kuschelt, die vielen bunten Häuser, die engen Straßen und der breite Sandstrand.

Natürlich zog es uns erstmal alle zum Strand. Während die Kinder Steine ins Meer warfen und mit Algen Angeln spielten, kam es wie es kommen musste – Ben zog es ins Meer. Und so standen unsere drei Kinder in Winterjacken und Winterstiefeln und beobachteten, wie ihr Papa sich in Badeshorts in den eiskalten Atlantik stürzte.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee2

Den Abend verbrachten wir in dem hoteleigenen Pub und während die zwei Kleinen sich schon ins Reich der Träume verabschiedet hatten, genoss unsere große Tochter den typisch irischen Abend mit Oma und Opa und Live-Musik.

gefahrene Kilometer/Tag: 158

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.818

Einmal quer durch Irland

Tag 8:

Irgendwie fühlte es sich an wie immer – wir holten meine Schwiegereltern vom Flughafen ab und fuhren nach Hause. Da gab es nur die erste Abweichung von der Normalität, denn statt bei uns abzubiegen, parkten wir an dem kleinen B&B nebenan. Am nächsten Morgen ging es dann aber direkt weiter “wie immer”. Bei strahlendem Sonnenschein schnappten sich Oma & Opa die Kinder und machten sich auf den Weg zum Park, Ben warf sich in seine Laufsachen und lief seine erprobte Strecke an der Küste von Malahide nach Portmarnock und zurück und ich packte die letzten Sachen zusammen. Als mein Mann ausgepowert und glücklich am B&B ankam, verabschiedeten wir uns von unseren lieben Gastgebern und folgten meinen Schwiegereltern und den Kindern in den Park. Dort waren wir – wie üblich – zum Frühstück in unser aller Lieblingscafé verabredet.

Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten und die Kinder ebenso ausgiebig gespielt hatten, begann unsere Tour in den Westen von Irland – und mit ihr eine Woche mit “typisch irischem Wetter”! Wie oft habe ich in den letzten Jahren gehört “Aber in Irland regnet es doch immer.” und wie oft habe ich dann erzählt, das wir in unserer Zeit in Irland deutlich weniger Regen und vor allem jeden Tag blauen Himmel hatten. Aber wir haben halt auch an der Ostküste gelebt – im Westen sieht das wirklich ganz anders aus. Und so verschlechterte sich auch an diesem Tag das Wetter mit jedem Meter, den wir von Dublin aus ins Landesinnere Richtung Westküste fuhren. Unseren ersten Zwischenstopp wollten wir daher vom Wetter abhängig machen – bei Regen stand eine Whiskey-Destillerie, bei Sonne der Besuch der Klosterruine Clonmacnoise an. Und gewonnen hat:

20160325 - Clonmacnoise

Danach ging es weiter nach Galway – bei zunehmend starkem Regen und Wind. Als wir am frühen Nachmittag an unserem Hotel in Galway ankamen stand fest, dass wir es heute nicht mehr verlassen würden.

Hier muss ich einen kleinen Einschub machen – einen kleinen christlichen/irischen/kirchlichen Einschub um genau zu sein. Es ist nämlich so, dass es einen – für Iren wirklich dramatischen – Tag im Jahr gibt: Karfreitag. An diesem Tag gibt es keinen Alkohol – in keinem Laden zu kaufen und auch in keiner Bar und in keinem Restaurant. Einzig Hotels haben eine Ausnahmegenehmigung für Gäste – diese dürfen im Restaurant zum Essen Alkohol konsumieren. Allerdings auch nur zu bestimmten Zeiten. Man kann nun sagen: Na und? Dann trinkt man halt an diesem Tag – wie normalerweise auch an so vielen anderen im Jahr – halt nix. Aber es ist wie bei so vielem so, dass man ja genau das haben möchte, was man nicht bekommen kann. Verstärkt wurde dieses Gefühl schon im Vorfeld durch eine Mail des von uns gebuchten Hotels, in der genau erklärt war, wer und wann und wo man am Karfreitag Alkohol konsumieren darf. Und so hatten wir bereits einige Tage zuvor zwei Flaschen Wein im Supermarkt erstanden – doof nur, dass wir an diesem Tag alle nicht wirklichen “Wein-Durst” hatten, sondern eher “Bulmers- und Bier-Durst”.

Und so saßen wir an diesem Nachmittag in dem großen Wintergarten des Hotels vor der geschlossenen Bar, tranken Kaffee, aßen Eis und planten, wann wir endlich zum Abendessen gehen könnten, um ein Bierchen trinken zu dürfen. Die Kinder gingen mit Opa und Papa dann erstmal schwimmen und meine Schwiegermutter und ich hielten Ausschau nach dem besten Tisch.

Galway - Clybaun

Und endlich war es soweit. Das Restaurant öffnete und wir durften ein wirklich ausgesprochen leckeres und sehr entspanntes Abendessen genießen mit sehr aufmerksamem und freundlichem Personal. Und zum krönenden Abschluss verkaufte uns der Kellner tatsächlich noch ein paar kleine Flaschen Heineken und Bulmers für den Verzehr auf dem Hotelzimmer – so streng sind sie dann doch nicht.

gefahrene Kilometer/Tag: 240

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.600

Schlechtwetter-Tag

Tag 7:

Als die Kinder am nächsten Morgen die Vorhänge zur Seite schoben, schmetterten sie uns direkt ihre Vorschläge für die Tagesplanung entgegen. Wir wägten ab … und saßen kurze Zeit später schon im Auto.

Unzählige Male sind wir diese Strecke bereits gefahren – meistens an einem Wochenende und fast immer bei schlechtem Wetter. Denn am Ziel hatten wir trotz Regen draußen immer entspannte und trockene Stunden und danach glückliche Kinder. Über ein Jahr waren wir nun nicht mehr dort gewesen und so waren wir alle neugierig, ob sich etwas verändert hatte oder ob wir die altbekannten Wege gehen würden.

Ohne lange Wartezeit an der Kasse – dank der frühen Morgenstunde – konnten wir das wohlbekannte, dunkle Gebäude betreten … bzw. im Falle unserer Kinder erhüpfen. Denn die drei waren schon beim Erblicken des Gebäudes in Jubelschrei ausgebrochen und hüpften seitdem wie Flummis auf und ab.

Was unsere Kinder so in Aufregung versetzte? Eigentlich nichts wirklich aufregendes könnte man sagen. Aber für uns und unsere Kinder war es während unserer Zeit in Irland DIE Schlechtwetter-Wochenend-Aktivität überhaupt: das Aquarium National SeaLife in Bray. Die Kinder kannten quasi jeden Fisch beim Namen und wussten wer in welchem Aquarium wohnt. Und so stellten sie direkt zu Beginn fest, wer umgezogen war und wer ganz neu war. Besonders schön war, dass die Großen jetzt auch endlich alt genug für die Rallye waren, die mit spannenden Fragen durch das Aquarium führt. Die beiden Mädels suchten mit Feuereifer die Fragetafeln, ich durfte dann die Fragen und Antworten vorlesen (und bei Bedarf übersetzen) und zu meiner Freude durfte ich auch die Antworten freirubbeln. Zur Belohnung gab es nachher für die abgegeben Karten Aufkleber, die natürlich unmittelbar überall hingeklebt wurden.

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Als wir wieder an der frischen Luft waren – inzwischen hatte sich typisch irisch auch der Regen wieder verabschiedet – meldete sich umgehend der Hunger. Geplant war eigentlich der obligatorische Besuch in dem Restaurant über dem Aquarium. Dort gibt es sehr gutes Essen bei einem grandiosen Ausblick auf das Meer. Allerdings war es kurz vor 12 Uhr. Das Restaurant sollte um 12 Uhr aufmachen und so lungerten wir noch einen Moment am Strand rum, die Kinder warfen Steine ins Meer und kletterten über die großen Felsen.

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Als wir um kurz nach 12 Uhr vor der Restauranttür standen, teilte uns der Inhaber freundlich mit, dass wir uns noch etwa 15 Minuten gedulden müssten bis sie aufmachen. Das war für meinen Hunger absolut indiskutabel. Und daher mussten wir wohl oder übel von unserer Routine abweichen und uns ein anderes Lokal suchen. Und so fanden wir zufällig das wirklich empfehlenswerte Ocean Bar & Grill in Bray.

Gesättigt und gut gelaunt ging es wieder nach Malahide, wo die Kinder nach einem Eis in der “besten Eisdiele der Welt” noch etwas in unserem B&B spielten, während wir unser Auto so umbauten und umpackten, dass wir die folgenden Tage zu siebt darin Platz finden würden.

Den Abend verbrachten wir bei lieben Freunden im Co. Kildare und es war sehr schön zu sehen, wie schnell die Kinder wieder miteinander spielten und durch das Haus jagten und die Sprache völlig nebensächlich wurde. Als wir um kurz vor neun unsere Kinder dann doch wieder von ihren neuen alten Freunden trennen konnte, waren sie so aufgeregt und voller Vorfreude, dass sie selbst die einstündige Fahrt zum Dubliner Flughafen noch (fast) alle wach überstanden – denn dort holten wir Oma & Opa ab, mit denen wir die nächsten sieben Tag Irlands Westen erkunden wollten.

Am Dubliner Flughafen entdeckten wir dann dieses Plakat:

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Eigentlich gilt das nicht nur für Dublin, sondern für ganz Irland – wirklich weit weg ist das Meer an keiner Stelle der Insel. Ja, das vermissen wir! Aber gerade heute habe ich meine Kinder dabei beobachtet, wie sie mit genau dem gleichen Elan Steine in die Havel warfen und ich glaube, die Kinder haben ihren neuen Platz hier gefunden.

gefahrene Kilometer/Tag: 220

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.360

Neuigkeiten von der Insel

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