Need for Speed – Beijing Edition

Einschub: Seit dem Frühstück versuchte Ben bereits unsere Fluggesellschaft zu erreichen – bisher erfolglos. Zwischen den Tempelbesuchen, auf den Wegen zur U-Bahn, jede kleine Wartezeit nutzte er, um diverse angegebenen Telefonnummern zu wählen. Bisher hatte ich ihn dabei noch relativ gelassen beobachtet, aber so langsam wuchs eine gewissen Unruhe in mir. Grund dafür war eine am Morgen angekommene E-Mail mit dem Hinweis, dass sich unsere Abflugzeit ab Beijing ändert. Eigentlich sollten wir in der Nacht gegen 2 Uhr Richtung München starten und dann dort umsteigen. Die geänderte Abflugzeit führte allerdings dazu, dass wir in München erst landen würden, nachdem unser Flugzeug bereits Richtung Berlin unterwegs sei. Etwas ungünstig könnte man sagen. Aber offensichtlich ließ sich das Problem nicht per Telefon lösen.


Nach dem Essen machten wir uns nun also wieder auf den Weg Richtung Hotel. Dort wollten wir noch bis zum Abend die Zeit entspannt in der Lobby verbringen. Entspannt konnte man mich allerdings zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nennen. Ich hibbelte in der Lobby herum, packte hier und da was ein und wieder aus, schlurfte meinen Cocktail, bekam wieder Hunger und irgendwann gab Ben genervt auf. Er bestellte das Taxi und wenig später verabschiedeten wir uns von dem kleinen Hotel in den Gassen von Beijing und bestiegen ein Taxi Richtung Flughafen – ohne zu wissen, dass das die denkwürdigste Fahrt unseres Lebens werden sollte.

Während wir uns in der einsetzenden Dämmerung noch aus dem engen Hutong herausmanövrierten, die eigentlich ja nicht für Autos sondern eher für Fahrräder gedacht waren, wunderte uns schon die kreative Befestigungsart des Handys, das der Taxifahrer am Ladekabel mehrfach um den Rückspiegel gewickelt hatte und das nun dort hin und her baumelte und erstaunlicherweise nicht abfiel.

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Handy-Befestigung im Taxi

Auf der Hauptstraße angekommen, wunderten wir uns etwas über ein an der Straße mit diversem Hausstand angezündetes Lagerfeuer. Aber gut – brennende Sofas kannten wir auch schon aus Irland. Und in den darauffolgenden Minuten verlor das auch deutlich an Bedeutung. Nun muss man vielleicht erwähnen, dass in den meisten Taxen in Beijing keine Anschnallgurte zur Verfügung stehen und die meisten Fahrer kaum Englisch sprechen. Diese beiden Tatsachen waren auf unserem Weg zum Flughafen ziemlich besorgniserregend – denn unser Fahrer wähnte sich offensichtlich in einem Videospiel mit mindestens drei vorhandenen Leben. Mit knapp 120 km/h raste er auf ein Stauende zu, um dann in letzter Sekunde auf den Standstreifen auszuweichen und von da an ein Spurhopping mit kurzzeitigen Beschleunigungen zu absolvieren, dass selbst Ben die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Ich hatte zwischenzeitlich alle verfügbaren Taschen als Notfall-Airbags um mich herum positioniert und klammerte mich an dem vor mir befindenden Sitz fest. Gemeinsam überlegten wir, ob ein Hinweis darauf, dass wir ihm mehr bezahlen, wenn er langsamer fährt oder das wir Eltern sind und gerne lebend den Flughafen erreichen würden, etwas an der Fahrweise ändern würde. Mangelnde Kommunikationsfähigkeit und die Angst, damit vielleicht die Situation noch schlimmer zu machen hinderten uns letztendlich daran. Als wir schließlich in der Hälfte der angegeben Zeit am Flughafen ankamen, waren wir nassgeschwitzt und hatten das Bedürfnis, einen Whiskey zu trinken. Allerdings war das eingangs erwähnte Flugzeit-Problem ja noch zu lösen.

Also begaben wir uns direkt zum Schalter und hatten innerhalb kürzester Zeit dank wirklich kompetentem und freundlichem Personal eine neue Flugroute über Frankfurt. Jetzt blieben uns noch gute vier Stunden bis zum Abflug an diesem riesigen Flughafen. Die Zeit wollten wir dazu nutzen, noch ein paar Mitbringsel zu shoppen und unser verbliebendes chinesisches Bargeld unter die Leute zu bringen. Stand nur die Frage im Raum, ob wir das in der riesigen Schalterhalle machen oder uns schon in den Sicherheitsbereich begeben. Ich nervöse Hibbeltante habe natürlich zu der zweiten Variante tendiert – um dann die folgenden vier Stunden zwischen geschlossenen Geschäften zu verbringen.

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Von unserem Umstieg in Frankfurt berichte ich besser nichts – nur soviel: Falls der freundliche Sicherheitsbeamte vom Frankfurter Flughafen zufällig hier mitliest – ich bin das Nervenbündel, das auf Ihre freundliche Frage, ob ich noch etwas aus der versehentlich in dem Rucksack in den Sicherheitsbereich gebrachten Wasserflasche trinken möchte nur gemotzt hat „Ich möchte gar nichts außer meinen Flug bekommen“ und dann in Tränen ausbrach. Es tut mir wirklich leid! Aber das war eine doofe Kombination aus fehlendem Schlaf, Hektik, Sehnsucht nach den Kindern und dem Wunsch, endlich die Zähne putzen zu dürfen. Normalerweise bin ich wirklich nicht so unfreundlich!


Was zuvor geschah:

 

Ein Kommentar

  1. hallo barbara,

    wirklich wieder einmal ein toller Bericht 👍 Ich habe mir alle Berichte gestern noch einmal „reingezogen“. Das ganze war und wird für euch beide ein unvergessliches Erlebnis bleiben. gut das ihr es gemacht habt !

    Liebe Grüße Michael

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