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Sturm – Regen – Hagel – Sonnenschein

Tag 9:

Mit mäßiger Begeisterung und Schniefnase bei den zwei mitreisenden Männern begann der nächste Morgen mit einem Besuch in dem relativ kalten hoteleigenem Schwimmbad – die Begeisterung der Kinder über das kühle Nass war aber wie immer ungetrübt.

Da sich über Nacht zum Regen auch ein ausgewachsener Sturm gesellt hatte, ließen wir den Morgen sehr gemütlich angehen und lungerten bis Mittags im Hotel herum – mit der Hoffnung, dass das irische Wetter erfahrungsgemäß sehr unbeständig ist. Aber dem Sturm gefiel es wohl in Galway und so blieb er – und wir gaben nach und machten uns auf den Weg Richtung Stadt. Da unser Jüngster das kurze Stück Autofahrt direkt für seinen Mittagsschlaf nutzte, hatten wir Erwachsenen eine gute Ausrede, bei diesem Wetter nicht nach draußen zu müssen. Und so fuhren wir am Meer entlang von Galway aus eine knappe Stunde Richtung Norden und wieder zurück. Die Küste dort ist nicht spektakulär aber dennoch schön und gerade bei Wind eindrucksvoll.

20160326 - Galway1

Als wir wieder in Galway ankamen, hatte unser Jüngster ausgeschlafen, der Wind hatte sich verabschiedet und die Sonne traute sich heraus. Dennoch war es noch sehr kalt und so zog es uns ziemlich schnell in ein Pub, um uns bei einer leckeren Suppe und einem Bulmers wieder aufzuwärmen.

20160326 - Galway

Als wir dann bei Sonnenschein weiter durch die schönen Gassen von Galway schlenderten, kamen wir unvermittelt in eine sehr kurze Parade der Sinn Féin anlässlich des Jubiläums zum Osteraufstand 1916.

gefahrene Kilometer/Tag: 60

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.660

Tag 10:

Da wir an diesem Tag von Galway an der Westküste weiter bis Kilkee fahren wollten, beschloss Ben noch vor dem Frühstück in einer Regenpause das Auto einzuräumen. Doch noch während er unsere Taschen in der Dachbox verstaute, überraschte ihn ein heftiger Hagelschauer – er flüchtete ins Innere des Autos, um den Schauer abzuwarten. Doch zu dem Hagel gesellte sich der gute Bekannte “Sturm” und diesen störte in seinem Weg unsere Dachbox. Daher riss er sie kurzentschlossen auf, um mitten durch sie hindurch zu gehen. Die Dachbox gab nach und riss in der Mitte. Unsere Taschen waren dem Hagel danach schutzlos ausgeliefert. In der Reisegruppe entstand kurz Aufregung, doch mithilfe von Panzerband war die arme Dachbox schon kurze Zeit später wieder einsatzbereit.

Unserer Abfahrt stand nichts mehr im Wege und nach dem Frühstück machten wir uns bei Regen auf den Weg zu den Cliffs of Moher. Dort wird es von Jahr zu Jahr touristischer und so war es auch an diesem Sonntag schon relativ voll und einige Todesmutige lehnten sich an den oberen Klippen gegen den Wind. Wir zogen dann mit den Kindern doch den sicheren und inzwischen sehr gut ausgebauten Weg auf die an ihrem höchsten Punkt 214 m hohe Klippen vor. Als wir am O’Brien’s Tower angekommen waren, überraschte uns ein riesiger Regenbogen – das ist Irland.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee

Von dort ging es weiter in das kleine Surfer-Städtchen Lahinch, das uns schon bei unserer letzten Tour durch den Westen so gut gefallen hatte. Hier aßen wir bei einem sensationellen Ausblick direkt am Meer und die Kinder tobten sich auf dem Spielplatz aus.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee1

Während des Nachmittags hatte die Sonne den Regen und den Wind vertrieben und als wir am Abend in Kilkee ankamen, fühlten wir uns fast wie im Sommerurlaub – das kleine Städtchen, dass sich in die Bucht kuschelt, die vielen bunten Häuser, die engen Straßen und der breite Sandstrand.

Natürlich zog es uns erstmal alle zum Strand. Während die Kinder Steine ins Meer warfen und mit Algen Angeln spielten, kam es wie es kommen musste – Ben zog es ins Meer. Und so standen unsere drei Kinder in Winterjacken und Winterstiefeln und beobachteten, wie ihr Papa sich in Badeshorts in den eiskalten Atlantik stürzte.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee2

Den Abend verbrachten wir in dem hoteleigenen Pub und während die zwei Kleinen sich schon ins Reich der Träume verabschiedet hatten, genoss unsere große Tochter den typisch irischen Abend mit Oma und Opa und Live-Musik.

gefahrene Kilometer/Tag: 158

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.818

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Einmal quer durch Irland

Tag 8:

Irgendwie fühlte es sich an wie immer – wir holten meine Schwiegereltern vom Flughafen ab und fuhren nach Hause. Da gab es nur die erste Abweichung von der Normalität, denn statt bei uns abzubiegen, parkten wir an dem kleinen B&B nebenan. Am nächsten Morgen ging es dann aber direkt weiter “wie immer”. Bei strahlendem Sonnenschein schnappten sich Oma & Opa die Kinder und machten sich auf den Weg zum Park, Ben warf sich in seine Laufsachen und lief seine erprobte Strecke an der Küste von Malahide nach Portmarnock und zurück und ich packte die letzten Sachen zusammen. Als mein Mann ausgepowert und glücklich am B&B ankam, verabschiedeten wir uns von unseren lieben Gastgebern und folgten meinen Schwiegereltern und den Kindern in den Park. Dort waren wir – wie üblich – zum Frühstück in unser aller Lieblingscafé verabredet.

Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten und die Kinder ebenso ausgiebig gespielt hatten, begann unsere Tour in den Westen von Irland – und mit ihr eine Woche mit “typisch irischem Wetter”! Wie oft habe ich in den letzten Jahren gehört “Aber in Irland regnet es doch immer.” und wie oft habe ich dann erzählt, das wir in unserer Zeit in Irland deutlich weniger Regen und vor allem jeden Tag blauen Himmel hatten. Aber wir haben halt auch an der Ostküste gelebt – im Westen sieht das wirklich ganz anders aus. Und so verschlechterte sich auch an diesem Tag das Wetter mit jedem Meter, den wir von Dublin aus ins Landesinnere Richtung Westküste fuhren. Unseren ersten Zwischenstopp wollten wir daher vom Wetter abhängig machen – bei Regen stand eine Whiskey-Destillerie, bei Sonne der Besuch der Klosterruine Clonmacnoise an. Und gewonnen hat:

20160325 - Clonmacnoise

Danach ging es weiter nach Galway – bei zunehmend starkem Regen und Wind. Als wir am frühen Nachmittag an unserem Hotel in Galway ankamen stand fest, dass wir es heute nicht mehr verlassen würden.

Hier muss ich einen kleinen Einschub machen – einen kleinen christlichen/irischen/kirchlichen Einschub um genau zu sein. Es ist nämlich so, dass es einen – für Iren wirklich dramatischen – Tag im Jahr gibt: Karfreitag. An diesem Tag gibt es keinen Alkohol – in keinem Laden zu kaufen und auch in keiner Bar und in keinem Restaurant. Einzig Hotels haben eine Ausnahmegenehmigung für Gäste – diese dürfen im Restaurant zum Essen Alkohol konsumieren. Allerdings auch nur zu bestimmten Zeiten. Man kann nun sagen: Na und? Dann trinkt man halt an diesem Tag – wie normalerweise auch an so vielen anderen im Jahr – halt nix. Aber es ist wie bei so vielem so, dass man ja genau das haben möchte, was man nicht bekommen kann. Verstärkt wurde dieses Gefühl schon im Vorfeld durch eine Mail des von uns gebuchten Hotels, in der genau erklärt war, wer und wann und wo man am Karfreitag Alkohol konsumieren darf. Und so hatten wir bereits einige Tage zuvor zwei Flaschen Wein im Supermarkt erstanden – doof nur, dass wir an diesem Tag alle nicht wirklichen “Wein-Durst” hatten, sondern eher “Bulmers- und Bier-Durst”.

Und so saßen wir an diesem Nachmittag in dem großen Wintergarten des Hotels vor der geschlossenen Bar, tranken Kaffee, aßen Eis und planten, wann wir endlich zum Abendessen gehen könnten, um ein Bierchen trinken zu dürfen. Die Kinder gingen mit Opa und Papa dann erstmal schwimmen und meine Schwiegermutter und ich hielten Ausschau nach dem besten Tisch.

Galway - Clybaun

Und endlich war es soweit. Das Restaurant öffnete und wir durften ein wirklich ausgesprochen leckeres und sehr entspanntes Abendessen genießen mit sehr aufmerksamem und freundlichem Personal. Und zum krönenden Abschluss verkaufte uns der Kellner tatsächlich noch ein paar kleine Flaschen Heineken und Bulmers für den Verzehr auf dem Hotelzimmer – so streng sind sie dann doch nicht.

gefahrene Kilometer/Tag: 240

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.600

Schlechtwetter-Tag

Tag 7:

Als die Kinder am nächsten Morgen die Vorhänge zur Seite schoben, schmetterten sie uns direkt ihre Vorschläge für die Tagesplanung entgegen. Wir wägten ab … und saßen kurze Zeit später schon im Auto.

Unzählige Male sind wir diese Strecke bereits gefahren – meistens an einem Wochenende und fast immer bei schlechtem Wetter. Denn am Ziel hatten wir trotz Regen draußen immer entspannte und trockene Stunden und danach glückliche Kinder. Über ein Jahr waren wir nun nicht mehr dort gewesen und so waren wir alle neugierig, ob sich etwas verändert hatte oder ob wir die altbekannten Wege gehen würden.

Ohne lange Wartezeit an der Kasse – dank der frühen Morgenstunde – konnten wir das wohlbekannte, dunkle Gebäude betreten … bzw. im Falle unserer Kinder erhüpfen. Denn die drei waren schon beim Erblicken des Gebäudes in Jubelschrei ausgebrochen und hüpften seitdem wie Flummis auf und ab.

Was unsere Kinder so in Aufregung versetzte? Eigentlich nichts wirklich aufregendes könnte man sagen. Aber für uns und unsere Kinder war es während unserer Zeit in Irland DIE Schlechtwetter-Wochenend-Aktivität überhaupt: das Aquarium National SeaLife in Bray. Die Kinder kannten quasi jeden Fisch beim Namen und wussten wer in welchem Aquarium wohnt. Und so stellten sie direkt zu Beginn fest, wer umgezogen war und wer ganz neu war. Besonders schön war, dass die Großen jetzt auch endlich alt genug für die Rallye waren, die mit spannenden Fragen durch das Aquarium führt. Die beiden Mädels suchten mit Feuereifer die Fragetafeln, ich durfte dann die Fragen und Antworten vorlesen (und bei Bedarf übersetzen) und zu meiner Freude durfte ich auch die Antworten freirubbeln. Zur Belohnung gab es nachher für die abgegeben Karten Aufkleber, die natürlich unmittelbar überall hingeklebt wurden.

Handy Barbara4

Als wir wieder an der frischen Luft waren – inzwischen hatte sich typisch irisch auch der Regen wieder verabschiedet – meldete sich umgehend der Hunger. Geplant war eigentlich der obligatorische Besuch in dem Restaurant über dem Aquarium. Dort gibt es sehr gutes Essen bei einem grandiosen Ausblick auf das Meer. Allerdings war es kurz vor 12 Uhr. Das Restaurant sollte um 12 Uhr aufmachen und so lungerten wir noch einen Moment am Strand rum, die Kinder warfen Steine ins Meer und kletterten über die großen Felsen.

Handy Barbara3

Als wir um kurz nach 12 Uhr vor der Restauranttür standen, teilte uns der Inhaber freundlich mit, dass wir uns noch etwa 15 Minuten gedulden müssten bis sie aufmachen. Das war für meinen Hunger absolut indiskutabel. Und daher mussten wir wohl oder übel von unserer Routine abweichen und uns ein anderes Lokal suchen. Und so fanden wir zufällig das wirklich empfehlenswerte Ocean Bar & Grill in Bray.

Gesättigt und gut gelaunt ging es wieder nach Malahide, wo die Kinder nach einem Eis in der “besten Eisdiele der Welt” noch etwas in unserem B&B spielten, während wir unser Auto so umbauten und umpackten, dass wir die folgenden Tage zu siebt darin Platz finden würden.

Den Abend verbrachten wir bei lieben Freunden im Co. Kildare und es war sehr schön zu sehen, wie schnell die Kinder wieder miteinander spielten und durch das Haus jagten und die Sprache völlig nebensächlich wurde. Als wir um kurz vor neun unsere Kinder dann doch wieder von ihren neuen alten Freunden trennen konnte, waren sie so aufgeregt und voller Vorfreude, dass sie selbst die einstündige Fahrt zum Dubliner Flughafen noch (fast) alle wach überstanden – denn dort holten wir Oma & Opa ab, mit denen wir die nächsten sieben Tag Irlands Westen erkunden wollten.

Am Dubliner Flughafen entdeckten wir dann dieses Plakat:

IMG_0257

Eigentlich gilt das nicht nur für Dublin, sondern für ganz Irland – wirklich weit weg ist das Meer an keiner Stelle der Insel. Ja, das vermissen wir! Aber gerade heute habe ich meine Kinder dabei beobachtet, wie sie mit genau dem gleichen Elan Steine in die Havel warfen und ich glaube, die Kinder haben ihren neuen Platz hier gefunden.

gefahrene Kilometer/Tag: 220

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.360

Angekommen

Tag 5:

Was macht man mit drei kleinen bis mittelgroßen Kindern Dienstags morgens um 6.20 Uhr in einer Kleinstadt in Wales? Schlafen? Ne, das kann doch jeder! Unsere Frühaufsteher brachten uns dazu, um kurz nach sechs in unserem Mini-Zimmer die Augen aufzumachen und nach einer überraschend guten Dusche die Gegend zu erkunden. Frühstück gab es nämlich erst ab 7.30 Uhr. Und so tobten sich unsere Kinder bereits aus, während sich der Großteil der Bevölkerung noch aus dem Bett quälte.

Handy Barbara

Als wir wieder an unserem B&B ankamen, sahen wir unseren Vermieter schon in der Küche fuhrwerken und so setzten wir uns als einzige Gäste in den Frühstücksraum und bekamen ein sehr gutes Full English Breakfast. Um kurz nach 8 Uhr machten wir uns gestärkt und voller Vorfreude auf den Weg zur Fähre. Meinerseits ausschließlich Vorfreude auf Irland und weniger auf die Fahrt – konntet ihr euch schon denken, oder. Den Weg zum Hafen hatten wir uns nicht so ganz genau im Vorfeld angeschaut, wussten aber, dass es nicht weit sein konnte. Als wir aber am ersten Kreisverkehr der Ausschilderung folgten und nur wenig später unser B&B jenseits des Zaunes erblickten und dann bereits die wartende Fähre sahen, waren wir doch etwas erstaunt, wie nah wir tatsächlich am Hafen übernachtet hatten. Zudem definierten wir den Begriff “just in time” neu. Denn wir fuhren durch die Kontrolle auf die Warteschlange für die Fähre zu – und prompt setzte diese sich in Bewegung und wir konnten quasi ohne anzuhalten von unserem B&B in den Bauch der Fähre fahren. Sehr praktisch!

Angesichts der wenigen Autos beim Einchecken konnten wir schon erahnen, dass das Schiff relativ leer sein würde. Das wir allerdings fast die Einzigen wären – damit hatten wir dann doch nicht gerechnet. Und so konnten die Kinder den großzügigen Spielbereich mit Kletterwand, Rutsche, Krabbeltunnel und vielem mehr vollständig in Beschlag nehmen.

Handy Barbara1

Um kurz vor zwölf klebten wir dann allerdings alle fünf an den Fensterscheiben und blickten auf die so gut bekannten Konturen, die sich da in der Ferne auftaten – Howth, die Türme vom Dubliner Hafen, Bull Island. IRLAND – wir waren Zuhause.

Handy Barbara2

Die Fahrt an der Küste entlang, über die Wooden Bridge – ein kurzer Abstecher zum Dollymount Beach – was ist neu, was ist wie immer, wo wird gebaut? Wie oft sind wir diese Strecke schon gefahren!? Und dann kommen wir an – in Malahide. Schon im Auto haben wir überlegt, wo wir am liebsten Mittagessen möchten. Jeder Pub, jedes Restaurant, jede Karte – alles ist noch so präsent. Letztendlich hat das Fowler’s gewonnen – auf Grund des super leckeren Pulled Pork. Und dann ging es an den Hafen. Hier hat unser “Abenteuer Irland” begonnen, als wir im Juli 2011 zufällig beim Malahide Festival durch die Stadt fuhren und wir uns auf Anhieb in die kleinen Gassen mit den bunten Häusern direkt am Meer verliebten.

Irland 2011
unser erster Besuch in Malahide Ende Juli 2011

20160322 - Dublin, Malahide1

Als wir die Kinder vor unserer Reise fragten, wo sie auf jeden Fall in Irland hin möchten, kam direkt: die weltbeste Eisdiele (The Really Old Sweet Shop). Und so führte unser nächster Weg natürlich dorthin. Die Kinder bekamen ein viel zu großes Eis mit Mini-Marshmallows, Smarties und Schokostange und gaben nach der Hälfte auf. Danach ging es weiter zu Laras ehemaliger Schule. Dort wurde jede Bastelarbeit im Fenster begutachtet und wir spielten zu fünft das Farbenspiel auf dem Schulhof, das Lara 1,5 Jahre lang jeden Morgen mit den Kindern vor der Schule gespielt hatte.

20160322 - Dublin, Malahide

Nachmittags brachten wir kurz unsere Sachen in das B&B – direkt neben unserem ehemaligen Haus – und machten uns dann auf den Weg in die Shopping Mall. Dort trafen wir eine gute Freundin und machten uns dann wieder auf den Weg zurück in den Ort. Im Fowler’s ließen wir den Abend mit Irish Stew und Bulmers und ganz viel Erzählen ausklingen.

gefahrene Kilometer/Tag: 52 (+ ca. 120 km über die Irische See)

gefahrene Kilometer/gesamt: 1.992

Inselhopping

Tag 3:

Kaffeeeeee – das war der einzige, zusammenhängende Gedanke, den wir am nächsten Morgen hatten. OK, um ihn wirklich als “zusammenhängend” bezeichnen zu dürfen, muss ich wohl schreiben ”Wir brauchen Kaffee!”. Aber ich bezweifle ernsthaft, dass ich so viel an diesem Morgen denken konnte. Nachdem wir uns – inklusive aller Kinder und mitgebrachten Stofftiere – also  wieder ins Auto gepuzzelt hatten, ging die Fahrt weiter und endete vorerst bei einer Filiale von Costa Coffee. Danach starteten wir etwas wacher Richtung Fähre.

Das kleine Städtchen Portsmouth entpuppte sich dabei als hübsche Studentenstadt und nachdem wir einige Extrarunde gedreht hatten, um eine Tankstelle zu finden, fanden wir uns schon an dem Fährhafen wieder. Hatte ich schonmal erwähnt, dass ich Schifffahrten nicht so richtig mag/vertrag? Und das ich tatsächlich für unseren Urlaub vier Fährfahrten gebucht habe? Was ich mir dabei gedacht habe? Keine Ahnung! Aber da musste ich jetzt wohl durch. Die Kinder finden Schiffe jedenfalls Klasse und so fuhren wir kurze Zeit später von Portsmouth nach Fishbourne auf der Isle of White. Während die Kinder die kurze Überfahrt (35 Minuten) gelassen hinnahmen und spielten und das Schiff erkundeten, versuchte ich an der frischen Luft trotz nicht so schönem Wetter ein paar Fotos zu machen. Und da waren wir auch schon da.

20160320 - UK Isle of Wight2

Auf der Isle of White angekommen fuhren wir einfach drauf los. Das Wetter war nicht sonderlich einladend, dafür überzeugte die Insel mit ihrer tollen Vegetation – und natürlich mit dem Meer drumherum. Während wir so am Meer durch das kleine Örtchen East Cowes in eine Sackgasse fuhren, entdeckten unsere Kinder einen Spielplatz am Meer. Und so machten wir erstmal eine kleine Tobe-Pause.

20160320 - UK Isle of Wight3

Danach waren wir – also mal wieder vor allem ich – natürlich hungrig und so steuerten wir den Ort Newport an. Dort angelangt fiel uns das erste Mal an diesem Tag auf, dass Sonntag war. Daher wirkte der Ort sehr verschlafen. In einer kleinen Seitenstraße fanden wir ein sehr uriges englisches Teahouse, in dem wir Cottage Pie und Jacket Potato with Beans&Cheddar serviert bekamen.

20160320 - UK Isle of Wight

Gestärkt machten wir uns auf dem Weg zu unserem Hotel – dem Luccombe Hall Hotel in Shanklin. Beim Betreten des Hotels war uns klar: viel mehr von der Isle of White würden wir heute nicht mehr zu sehen bekommen. Die Kinder stürzten sich direkt in den Spielbereich des Hotels und wir genossen unser eiskaltes Bulmers mit Aussicht auf das Meer. Danach gingen die Kinder mit Ben Schwimmen und ich packte meine Kamera ein und suchte einen Abstieg zum Meer. Nachdem ich diesen gefunden hatte, stand ich am Fuß der riesigen Klippen.

20160320 - UK Isle of Wight1

gefahrene Kilometer/Tag: 108

gefahrene Kilometer/gesamt: 1.388

Tag 4:

Nach einem sehr leckeren Full English Breakfast ging es am nächsten Morgen leider schon wieder von der kleinen Insel runter Richtung große Insel. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir die Isle of White nochmal mit deutlich mehr Zeit bereisen können! Aber jetzt zog uns die Sehnsucht nach Irland erstmal weiter – und so ging es weiter zur nächsten Fährfahrt in diesem Urlaub.

20160321 - UK Fähre

Quer durch England und Wales führte unser Weg nach Holyhead. Die Fahrt verlief ruhig und ohne großen Stau. Am Nachmittag wollten wir dann eine Pause machen und Ben hatte im Kopf, dass die Stadt Stoke-on-Trent schön sei. Also versuchten wir die Laune im Auto vom Kippen abzuhalten um die restlichen Kilometer bis zu diesem „schönen“ Städtchen zu schaffen. Dort angekommen fanden wir es allerdings ganz und gar nicht schön. Wir irrten einmal die Hauptstraße hoch und wieder runter, suchten ein einigermaßen akzeptabeles Restaurant/Pub/Café und gaben schließlich auf. Bei Sainsbury’s deckten wir uns mit Bageln und Muffins ein und fuhren schleunigst weiter.

Am frühen Abend erreichten wir unseren Zielort für diesen Tag: Holyhead. In einem kleinen B&B, dass eher nach einer Strandbude aussah bezogen wir ein mini-kleines Zimmer. Wirklich mini-klein – aber sauber und in einem sehr urigen Haus mit einem sehr freundlichen Inhaber.

Hungrig und müde machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant – und wurden unerwartet bei einem Mexikaner fündig. Dort verbrachten wir nach einem sehr leckeren Essen einen entspannten Abend und kuschelten uns am späten Abend alle 5 hundemüde in unserem Mini-Zimmer ins Bett – und freuten uns auf die nächste Insel!

20160321 - UK Fähre1

gefahrene Kilometer/Tag: 552

gefahrene Kilometer/gesamt: 1.940

“Wenn jemand eine Reise tut

… dann kann er was erzählen.” Das wusste auch schon Matthias Claudius. Unsere Reise nach Irland liegt nun hinter uns und daher möchte ich Euch nun erzählen, was wir so erlebt haben.

Ein Jahr und einen Monat nachdem wir die Insel schweren Herzens verlassen haben und unser “Abenteuer Irland” offiziell beendeten, starteten wir am Mittag des 18. März in ein neues – deutlich kleineres – Abenteuer: ein Road-Trip von Brandenburg nach Irland. Gefühlt bedurfte es diesem zweiwöchigen Abenteuer allerdings ähnlich viel Vorbereitung wir unserer “Auswanderung” vor 5 Jahren. Denn für 15 Tage mussten neun Hotels gebucht werden und eine einigermaßen kleinkindgerechte Route geplant werden – achja, und Koffer mussten ja auch noch für uns fünf gepackt werden. Und zwar so, dass auch wirklich alles in unsere Dachbox passte. Denn den zweiten Teil der Reise würden wir zu siebt verbringen – wodurch unser Kofferraum von riesig auf mini zusammenschrumpft.

Tag 1:

Freitag Mittag ging es dann endlich los. Die Koffer waren gepackt und in unserer Dachbox verstaut, der Kofferraum war mehr oder weniger leer und alle Familienmitglieder waren von Kindergarten/Schule/Arbeit eingetrudelt und in reisebequemer Kleidung ebenfalls im Auto verstaut. Auf der Rückbank konnten wir unsere Kinder nur noch unter dem Berg von Kuscheltieren und Decken erahnen.

Nach mehr oder weniger ereignislosen 500 km erreichten wir unsere Heimat – Solingen in Nordrhein-Westfalen. Bens Handy meinte sich während der Autofahrt in einen nicht wieder aufweckbaren Ruhezustand begeben zu müssen. Das auf diesem Handy sämtliche Hotelunterkünfte, Fähr- und Zugtickets und und und gespeichert waren (ist ja soooo praktisch mit so einer App) muss ich nicht extra erwähnen. Aber zum Glück hat sich das Handy – angekommen in Solingen – dann doch nach etwas Überredungsarbeit und dem Löschen seines gesamten Gedächtnisses zur weiteren Kooperation überreden lassen. Und so konnten wir in meinem Elternhaus einen sehr schönen und gemütlichen Abend verbringen bevor wir bereits wenige Stunden später unsere Reise – mitsamt der benötigten Informationen, Adressen und Tickets – fortsetzen.

gefahrene Kilometer/Tag: 495

Tag 2:

Von NRW ging es durch die Niederlande und Belgien nach Frankreich. Dort hatten wir eine Fahrt durch den Eurotunnel gebucht. Da wir aber relativ früh dort ankamen, entschieden wir uns, noch ein bißchen Zeit am Strand von Calais zu verbringen. Die Kinder genossen die Zeit dort, tobten durch den Sand, machten Wettrennen und schauten den vorbeifahrenden Schiffen zu.

20160319 - UK Seven Sisters
Strand von Calais/Frankreich

Doch mitten in den Spaß den wir alle dort hatten kam der Schreck: der Ehering meines Mannes war weg. Spurlos im Sand von Calais verschwunden. Also begann die Schatzsuche. Doch der Strand ist riesig und weder Zeit noch Ort des Verlustes war eingrenzbar. Irgendwann ging ich mit zwei Kindern zurück zu unserem Auto – das wir kurz vorher einsam auf einem großen Parkplatz abgestellt hatten – um auch dort zu suchen. Doch mit mir trafen noch zehn Mannschaftswagen der französischen Polizei ein. Mit einem etwas mulmigen Gefühl beobachtete ich das Einfahren und das Aussteigen der bewaffneten Polizisten in voller Schutzmontur. Nachdem diese sich aber als ziemlich entspannte Zeitgenossen outeten, die quatschend von einem zum anderen Auto liefen, begab ich mich auf die Suche nach dem Ring im Inneren unseres Autos. Doch auch da wurde ich leider nicht fündig. Und so brachen wir kurze Zeit später unsere Suche ab und machten uns auf den Weg zum Eurotunnel. Dort angekommen blieb noch Zeit für ein schnelles Mittagessen und dann fuhren wir auch schon in den Zug.

Dank der Zeitverschiebung kamen wir 20 Minuten vor unserer Abfahrt in Dover an und fuhren von dort zum Birling Gap, von wo man einen atemberaubenden Blick auf die Seven Sisters hat. Die Kinder sammelten Steine, erkundeten jede Pfütze und fanden darin sogar Anemonen. Ben und ich bestaunten das Meer und die beeindruckenden Klippen. Nach einer kalten Stärkung in dem kleine Café auf den Klippen ging es weiter Richtung Southampton.

20160319 - UK Seven Sisters1
Birling Gap & Seven Sisters/UK

Dort hatten wir zum ersten Mal über AirBnB gebucht. Die Familie, die wir dort kennenlernten, war wirklich sehr nett und hilfsbereit, aber für uns ist diese Art der Unterkunft dann irgendwie nichts. Aber es war eine Erfahrung und so schliefen wir irgendwann müde in dieser ungewohnten Umgebung ein.

gefahrene Kilometer/Tag: 785

gefahrene Kilometer/gesamt: 1.280

Dingle

– die namensgebende Stadt der Dingle Peninsula – ist circa eine halbe Autostunde von Inch entfernt und ein sehr schönes, gemütliches und buntes Hafenstädtchen, das in unserem Urlaub mehrere Male als Schlechtwetteralternative herhalten musste und es auf die Liste meiner Lieblings-Städte in Irland geschafft hat.

Das Aquarium ist relativ klein, aber für die Kinder hat es die perfekte Größe. Die Highlights sind ein riesiges Becken mit Haien, Rochen und anderen Großfischen sowie ein Unter-Wasser-Tunnel. Außerdem gibt es ein paar Pinguine, die die Kinder aus einem Mini-Iglu heraus beobachten können.

Aquarium in DingleFür die Restaurantauswahl war mehr oder weniger Noah verantwortlich – und hat dabei ein sehr gutes Händchen bewiesen. Sobald er seinen Hunger anmeldete, hetzten wir direkt in das nächstgelegene Restaurant. So fanden wir in Dingle das „The Boat Yard“, das uns durch gutes Essen, kinderfreundliches Personal und die Lage direkt am Hafen überzeugte. Empfehlenswert sind alle Fischgerichte, insbesondere die von der Tageskarte.

Lieblingsrestaurant in Dingle

Wie schon erwähnt ist Dingle sehr bunt, jedes Häuschen ist in einer anderen Farbe gestrichen und überall blühen Blumen. Neben den üblichen Souvenirläden gibt es viele kleine, individuelle Boutiquen und Kunstausstellungen. Kleine, gemütliche Hinterhöfe und viele Blumen geben der Hafenstadt ein ganz besonderes Flair.

DingleSollten wir es noch einmal schaffen, nach Dingle zu reisen, werden wir auf jeden Fall eine der Bootstouren buchen, auf denen man die Delfine in der Bucht anschauen kann … und ausgiebig shoppen … und im Hafen die Schiffe und Menschen beobachten … und leckeren fangfrischen Fisch essen … und und und … wir kommen also auf jeden Fall wieder!