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Sturm – Regen – Hagel – Sonnenschein

Tag 9:

Mit mäßiger Begeisterung und Schniefnase bei den zwei mitreisenden Männern begann der nächste Morgen mit einem Besuch in dem relativ kalten hoteleigenem Schwimmbad – die Begeisterung der Kinder über das kühle Nass war aber wie immer ungetrübt.

Da sich über Nacht zum Regen auch ein ausgewachsener Sturm gesellt hatte, ließen wir den Morgen sehr gemütlich angehen und lungerten bis Mittags im Hotel herum – mit der Hoffnung, dass das irische Wetter erfahrungsgemäß sehr unbeständig ist. Aber dem Sturm gefiel es wohl in Galway und so blieb er – und wir gaben nach und machten uns auf den Weg Richtung Stadt. Da unser Jüngster das kurze Stück Autofahrt direkt für seinen Mittagsschlaf nutzte, hatten wir Erwachsenen eine gute Ausrede, bei diesem Wetter nicht nach draußen zu müssen. Und so fuhren wir am Meer entlang von Galway aus eine knappe Stunde Richtung Norden und wieder zurück. Die Küste dort ist nicht spektakulär aber dennoch schön und gerade bei Wind eindrucksvoll.

20160326 - Galway1

Als wir wieder in Galway ankamen, hatte unser Jüngster ausgeschlafen, der Wind hatte sich verabschiedet und die Sonne traute sich heraus. Dennoch war es noch sehr kalt und so zog es uns ziemlich schnell in ein Pub, um uns bei einer leckeren Suppe und einem Bulmers wieder aufzuwärmen.

20160326 - Galway

Als wir dann bei Sonnenschein weiter durch die schönen Gassen von Galway schlenderten, kamen wir unvermittelt in eine sehr kurze Parade der Sinn Féin anlässlich des Jubiläums zum Osteraufstand 1916.

gefahrene Kilometer/Tag: 60

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.660

Tag 10:

Da wir an diesem Tag von Galway an der Westküste weiter bis Kilkee fahren wollten, beschloss Ben noch vor dem Frühstück in einer Regenpause das Auto einzuräumen. Doch noch während er unsere Taschen in der Dachbox verstaute, überraschte ihn ein heftiger Hagelschauer – er flüchtete ins Innere des Autos, um den Schauer abzuwarten. Doch zu dem Hagel gesellte sich der gute Bekannte “Sturm” und diesen störte in seinem Weg unsere Dachbox. Daher riss er sie kurzentschlossen auf, um mitten durch sie hindurch zu gehen. Die Dachbox gab nach und riss in der Mitte. Unsere Taschen waren dem Hagel danach schutzlos ausgeliefert. In der Reisegruppe entstand kurz Aufregung, doch mithilfe von Panzerband war die arme Dachbox schon kurze Zeit später wieder einsatzbereit.

Unserer Abfahrt stand nichts mehr im Wege und nach dem Frühstück machten wir uns bei Regen auf den Weg zu den Cliffs of Moher. Dort wird es von Jahr zu Jahr touristischer und so war es auch an diesem Sonntag schon relativ voll und einige Todesmutige lehnten sich an den oberen Klippen gegen den Wind. Wir zogen dann mit den Kindern doch den sicheren und inzwischen sehr gut ausgebauten Weg auf die an ihrem höchsten Punkt 214 m hohe Klippen vor. Als wir am O’Brien’s Tower angekommen waren, überraschte uns ein riesiger Regenbogen – das ist Irland.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee

Von dort ging es weiter in das kleine Surfer-Städtchen Lahinch, das uns schon bei unserer letzten Tour durch den Westen so gut gefallen hatte. Hier aßen wir bei einem sensationellen Ausblick direkt am Meer und die Kinder tobten sich auf dem Spielplatz aus.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee1

Während des Nachmittags hatte die Sonne den Regen und den Wind vertrieben und als wir am Abend in Kilkee ankamen, fühlten wir uns fast wie im Sommerurlaub – das kleine Städtchen, dass sich in die Bucht kuschelt, die vielen bunten Häuser, die engen Straßen und der breite Sandstrand.

Natürlich zog es uns erstmal alle zum Strand. Während die Kinder Steine ins Meer warfen und mit Algen Angeln spielten, kam es wie es kommen musste – Ben zog es ins Meer. Und so standen unsere drei Kinder in Winterjacken und Winterstiefeln und beobachteten, wie ihr Papa sich in Badeshorts in den eiskalten Atlantik stürzte.

20160327 - Cliffs of Moher, Lahinch, Kilkee2

Den Abend verbrachten wir in dem hoteleigenen Pub und während die zwei Kleinen sich schon ins Reich der Träume verabschiedet hatten, genoss unsere große Tochter den typisch irischen Abend mit Oma und Opa und Live-Musik.

gefahrene Kilometer/Tag: 158

gefahrene Kilometer/gesamt: 2.818

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Die bunte Insel

Wer an Irland denkt, hat meistens als erstes grüne Wiesen und viele viele Schafe vor Augen. Aber das ist nicht alles, was Irlands Natur zu bieten hat. Egal zu welcher Jahreszeit blühen hier unendlich viele Pflanzen und viele Gewächse scheinen hier viel größer und üppiger zu wachsen – was bei dem feucht-warmen Klima kein Wunder ist. Ich bin wirklich kein großer Gartenfreund und Blumen halten es nie lange bei mir aus. Auch kann ich nicht jede Pflanze, jeden Baum oder Grashalm mit seinem korrekten botanischen Namen benennen – und dennoch beeindruckt mich die Vegetation auf dieser kleinen Insel immer wieder.

Auf der Dingle Peninsula sind es die endlosen Fuchsien-Hecken, die mit ihrem leuchtendem Rot auffallen und die Landschaft prägen. Dazwischen wachsen Pflanzen in lila, gelb und weiß – und natürlich hunderte unterschiedliche Grüntöne. In den Vorgärten wachsen Calas und riesige Hortensien – und da endet auch schon mein botanisches Wissen. Die hunderte anderen bunten Pflanzen, die man am Straßenrand, auf den Feldern und in den Gärten sieht, kann ich nicht benennen. Ich kann nur sagen, dass sie wunderschön, riesig und bunt sind.

Pflanzen bunt und groß

Aber nicht nur die Pflanzen lassen einen immer wieder Staunen. Am eindruckvollsten ist die Landschaft – die Kombination aus Meer und grünen Wiesen, Klippen und Bergen.

Dingle Peninsula

Nirgendwo anders sieht man – dank dem wechselhaften Wetter – soviele Regenbogen wie hier.

Regenbogen

Die Dingle Peninsula ist wie ein Malkasten – alle Farben leuchten einem entgegen, strahlen die Freundlichkeit der Bewohner aus und machen einfach gute Laune. Nirgendwo anders als in Irland wirkt ein türkises Haus mit einer gelben Tür neben einem roten Haus mit einer blauen Tür so stimmig, harmonisch und schön. Nirgendwo anders können Fahrten über Feldwege vorbei an Schafen und Kühen so abwechslungsreich und spannend sein – denn hinter der nächsten Kurve könnte eine atemberaubende Aussicht auf einen warten, einem ein Schaf entgegen kommen oder die Klippen steil ins Meer herabfallen. Und nirgendwo anders ist es auch bei Nieselregen so schön – denn wenn die dicken Regenwolken in den grünen Hügeln hängen, wirkt die ganze Landschaft mystisch und verzaubert. Kaum kommt die Sonne dann heraus, strotzt die Natur vor Kraft und verbreitet die pure Lust am Leben.

Dingle Peninsula im Nebel

Auch wenn wir keine Botaniker sind, die wirklich alle Pflanzen hier entsprechend zu würdigen wissen – auch wenn wir keine Historiker sind, die jeden Steinansammlung ehrfürchtig umrunden – auch wenn wir keine Sprachwissenschaftler sind, die die Geheimnisse der gälischen Sprache und der vielen englischen Dialekte ergründen – wir lieben diese Insel mit ihren vielen Grüntönen, alten Türmen und freundlichen Menschen.

Sonnenuntergang in Inch