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Lebensgefühl

Entweder, man liebt ihn oder man findet ihn schrecklich. Für mich war er der Auslöser für mein allererstes Heimweh in Irland. Dieses Heimweh kam jedes Jahr wieder und blieb auch nach unserem Umzug nach Deutschland bestehen.

In Brandenburg stoße ich damit flächendeckend auf Unverständnis, sogar ein anderes Wort gibt es in diesem Teil Deutschlands dafür – Fasching. Daher begab ich mich in diesem Jahr auf die Reise – und habe nach 7 Jahren endlich wieder in Köln Karneval gefeiert.

Und was soll ich sagen. Es war toll und nächstes Jahr bin ich auf jeden Fall wieder dabei! Ab jetzt gibt es keine mehrjährige Pause mehr von der närrischen Zeit.

Aber was ist es, das für mich Karneval so besonders macht? Verkleiden kann ich mich dank meiner drei Kinder eigentlich das ganze Jahr über. Um Tanzen oder Feiern zu gehen, gibt es auch hin und wieder noch Anlässe. Dennoch habe ich mich unglaublich auf diese eine Woche im Rheinland gefreut – denn in diesem Jahr fielen die Winterferien in Brandenburg und Karneval zusammen und so konnten wir nach der langen Zeit des Heimwehs endlich wieder live dem närrischen Treiben folgen.

Am Altweiber-Donnerstag machten wir uns mit elf Frauen auf den Weg in die Domstadt. Zuerst wurde allerdings ausgiebig und gemütlich gemeinsam gefrühstückt und der letzte Feinschliff am Gruppenkostüm gemacht.

2018 Karneval Köln

Danach ging es mit dem Taxi aus meiner Heimatstadt nach Köln-Nippes. Dort haben wir als Studenten einige Jahre gelebt und seitdem feiern wir bzw. während meiner Karneval-Abstinenz die anderen Mädels dort. Eineinhalb Stunden haben wir auf den Einlass in die Kneipe gewartet und bereits in der Zeit war die Stimmung in der wachsenden Schlange ausgelassen und angenehm. Dank Musikbox wurde schon hier getanzt, erzählt und getrunken.

2018 Karneval Warten

Während des Feierns gab es für mich besondere Momente, in denen ich über die tanzende und singende Menschenmenge schaute und die Wärme im Bauch nicht dem Kölsch geschuldet war sondern diesem friedlichen und ausgelassenem Miteinander, dass man in dieser kleinen Kölner Eck-Kneipe erleben durfte. An diesem Ort und zu dieser Zeit sind gerade alle Menschen zusammenzukommen, um das Leben zu feiern – unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Nationalität oder sonst irgendwelchen „Daten“. Hier ist kein Platz für Rassismus, Aggressivität oder sexuelle Übergriffe. Hier wird zusammen gefeiert mit Achtung voreinander.

2018 Karneval Feiern

Das der Karneval auch ein ganz anderes, schreckliches Gesicht hat ist mir durchaus bewusst. Gerade an diesem Abend ist nicht weit von der Stelle, an der wir gefeiert haben, ein junger Mann ums Leben gekommen und viele Frauen machen im Karneval unangenehme Erfahrungen mit übergriffigen Männern. Der Karneval verändert die Menschen halt nicht und böse Menschen bleiben auch mit Pappnase böse. Oftmals dominieren diese Erlebnisse die Medienwelt. Aber daneben gibt es halt auch den Karneval, den ich so liebe und den ich am Karnevalssamstag in Nippes dann erneut erleben durfte. Denn am Samstag zogen wir in einer noch größeren Gruppe gemeinsam mit unseren Männern los. Und auch dieser Abend war geprägt von dem ausgelassen und friedlichen Feiern miteinander.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Stück Kultur im Rheinland auf diese Art in diesem Jahr wieder erleben durfte, denn es hat meine positive Lebenseinstellung gestärkt und mir wieder sehr bewusst gemacht, dass man all den negativen Strömungen in unserer Gesellschaft nicht so viel Raum geben darf. Es gibt so viele Menschen auf dieser Welt, die friedlich und respektvoll miteinander umgehen – das ganze Jahr über. Aber an Karneval bekommt diese Lebenseinstellung ein Gesicht – ein buntes, lautes und fröhliches Gesicht!

Danke Kölner Karneval! Danke Hahnheiser in Köln Nippes! Danke an die allerbesten Freunde & Familie!

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Heimat – Zuhause – ???

Wir fahren durch eine Stadt, kennen jedes Gebäude, jede Straße – unzählige Male sind wir hier schon hergefahren. Auf dem Weg zur Schule, zu Freunden, zum Sport, zueinander. Jetzt sind wir nur zu Besuch – auf der Durchreise.

Wir stellen das Auto ab, betreten den Flughafen, Erinnerungen treffen uns – an den ersten Flug ins Ungewisse mit zwei kleinen Kindern, an viele, viele weitere Flüge, Rückflüge von schönen und traurigen Feiern, vollgepackt mit ganz viel Familienliebe und an Abschiede mit vielen Tränen aber auch ganz viel Zuversicht.

Kaum etwas hat sich hier verändert. Wir kaufen unsere Zeitschrift, trinken einen Kaffee, schauen den ankommenden Flugzeugen zu. Wie immer. Nicht ganz – wir sind nur zu zweit. Es ist ungewohnt, die volle Aufmerksamkeit zu haben. Keine kleinen Hände zu halten, keine Fragen zu beantworten, keine Tränen zu trocken, keine Streits zu schlichten, niemandem auf dem Arm zu haben. Ungewohnt, aber schön und doch fehlt irgendwie etwas. Ich muss mich zurückhalten, meinen Mann nicht begeistert auf den Wagen hinzuweisen, der die Flugzeuge betankt, ihm die Container zu zeigen, in dem die Koffer transportiert werden, ihn zu fragen, ob er noch etwas trinken, essen oder sonstwas möchte. So oft waren wir genau an dieser Stelle und haben mit Kinderaugen das Geschehen auf dem Flughafen beobachtet.

Dann hebt das Flugzeug ab – bei Regen. Alles ist grau in grau. Während mein Mann “20 things to do in Dublin before you go for a feckin’ pint” liest, höre ich Musik und döse ein wenig. Keine zwei Stunden später kündigt der Pilot den Landeanflug an. Die Wolkendecke öffnet sich und die Sonne strahlt auf Dublin. Von oben können wir Malahide sehen – den Hafen, Malahide estuary, Howth, Portmarnock Beach.

Auch hier hat sich am Flughafen kaum etwas verändert. Alles ist wie immer. Nur statt des Parkhauses suchen wir nun die Bushaltestelle auf. Der richtige Shuttle ist schnell gefunden, die Tickets gekauft und dann sitzen wir auch schon im Bus 747 Richtung Dublin.

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Nun fahren wir von der anderen Seite in die Stadt. Ab jetzt sind wir die klassischen Touristen. Am Halt Christchurch steigen wir aus, den Stadtplan in der Hand und ruckeln mit unseren Trolleys zu unserem Hotel.

Nach dem Einchecken machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem – und werden schnell fündig. Schon vorher hatte ich mir überlegt, was ich wo essen möchte und so beginnt unsere Reise mit “Pulled Pork”.

Danach laufen wir ziellos durch die Stadt, schlendern durch das eindrucksvolle Powerscourt Townhouse Centre, gehen die Grafton Street einmal rauf und wieder runter und dann einmal durch das Stephen’s Green Shopping Centre. Zurück im Hotel bleiben wir noch etwas an der Hotelbar und beenden dann den Tag – völlig überwältigt von viel zu vielen Erinnerungen.

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Powerscourt Townhouse