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Irlands Heilige

In Irland hat eigentlich alles – wirklich alles – mit dem Heiligen Patrick zu tun. Viele Geschichten und Mythen ranken sich um den Schutzheiligen Irlands und berühren sämtliche Bereiche des irischen Lebens. Und so war er quasi unser Leitmotiv an unserem nächsten Tag in Dublin.

Zu Beginn des Tages spazierten wir zu der in Sichtweite unseres Hotels liegenden St. Patrick’s Cathedral. Diese beeindruckende Kirche ist die größte Irlands.

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Allerdings ist sie inzwischen auch eine der größten Touristenattraktionen und als solche wird sie auch vermarktet. Nachdem wir uns für 6,00 € den Zutritt zu der Kirche erkauft hatten, betraten wir ehrfurchtsvoll das alte Gebäude. In Erwartung der eindrucksvollen Architektur – von außen kann man diese schon erahnen – legte ich den Kopf in den Nacken und schaute an die beeindruckende Decke. Dabei ging ich schweigend einige Schritte nach vorne – und rumste fast in ein Regal. Mitten im Mittelschiff dieser altehrwürdigen Kathedrale befindet sich nämlich ein Souvenirladen. Selbstverständlich darf man auch Fotografieren, Reden und alle Winkel anschauen und es gibt sogar einen Bereich, in dem man mit großen Bausteinen Kirchen puzzeln kann, Reliefs malen kann und und und. Ich weiß, dass die Unterhaltskosten für ein Gebäude dieser Größe immens sind und dass es wirklich wichtig ist, den Tourismus in Irland auszubauen und auch, das Image der Kirchen zu ändern und wieder für eine breitere Masse interessant zu machen. Meine Welt ist das aber nicht. Und so verließen wir diese größte Kirche Irlands mit sehr gemischten Gefühlen – einerseits beeindruckt von der Architektur, andererseits verstört von der Anpassung des Gotteshauses an die Bedürfnisse der Touristen.

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Unser Weg führte uns direkt zu der nächsten großen Kathedrale – Christ Church Cathedral. Auch diese ist ein großer Besuchermagnet in Dublin und dennoch hat sie sich deutlich mehr den Charakter eines “Gotteshaus” bewahrt als ihre “große Schwester” St. Patrick’s Cathedral. Sehenswert ist hier auf jeden Fall die Krypta – trotz des obligatorischen Souvenirladens.

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Von dort gingen wir am Dublin Castle und der Cityhall vorbei und machten uns auf die Suche nach einem Bus, der Richtung Glasnevin Cemetry fährt. 

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Als wir diesen endlich gefunden hatten und die erste Station gefahren waren, sahen wir die Teeling Distillery. Der Whiskey wurde angeblich ebenfalls von St. Patrick nach Irland gebracht und daher konnten wir diesen Programmpunkt auf keinen Fall verpassen. Auch wenn es gerade erst Mittagszeit war. Wir hatten Glück und bekamen noch Karten für eine Führung durch die Destillerie. Und nach der Führung gab es natürlich auch noch ein umfangreiches Tasting. Beides – also Besichtigung und Whiskeyprobe – sind absolut empfehlenswert!

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Als wir am frühen Nachmittag die Teeling Distillery Richtung Hotel verließen ging es uns wirklich richtig gut. Aber nach einer Pause wurde deutlich, dass wir uns jetzt doch langsam auf die Suche nach einem Restaurant machen sollten. Und so landeten wir zufällig in The Gastro Bar (Fade St. Social). Die Gerichte in dieser quirligen und dennoch edlen Tapas Bar waren abwechslungsreich und super lecker. Gut gestärkt schlenderten wir weiter durch Dublin, stürzten uns in den Trubel eines Halloweenladens um für unsere Kinder die gewünschten Kostüme zu erstehen und landeten letztendlich in Temple Bar. Zwischen gut besuchten Pubs mit Live-Musik findet man viele unterschiedliche Künstler. Überhaupt ist Kunst in Dublin in allen Formen sehr präsent und konfrontiert den Besucher auch mit der teils grausamen Vergangenheit Irlands.

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Den Abend haben wir ganz typisch irisch gemeinsam mit einer irischen Freundin in einem sehr urigen Pub mit spontaner Live-Musik ausklingen lassen.

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Unterwegs als Touristen

Womit beginnt ein typischer Tag eines Touristen in Irland? Natürlich mit einem leckeren und umfangreichen Full Irish Breakfast. Nein, die Iren frühstücken nicht jeden Morgen so! In den Familien die wir kennen, gibt es morgens klassisch Porridge oder CornFlakes. Aber wir sind ja nun in einem sehr schönen Hotel und genießen da am frühen Morgen – ja, dank einer Stunde Zeitunterschied und der sehr aktiven inneren Uhr war es wirklich früh – warme Tomaten, gebratene Champignons, gebratenen Speck, Rührei und baked beans. Zum Nachtisch bedienen wir uns an dem Müsli- und Obst-Buffett und dann rollen wir übersättigt aus dem Hotel. Zum Glück geht unser Weg zum Trinity College erstmal nur bergab. Doch irgendwann werden wir unsanft von mannshohen Bauzäunen gestoppt. Rings um das College wird gerade sehr viel gebaut – die beiden Straßenbahnlinien werden endlich verbunden. Ja, Dublin hat bisher zwei Straßenbahnlinien, die leider keine einzige gemeinsame Station haben. Möchte man also von einer zur anderen Linie umsteigen muss man laufen oder Bus fahren. Aber nicht mehr lange.

Zwischen Bauzäunen und Straßenlöchern betreten wir den Campus. Noch ist es relativ leer – hauptsächlich Studenten sind unterwegs. Und doch müssen wir am Eingang von der Old Library anstehen. Während wir überlegen, ob es sinnvoll ist, online ein Ticket zu kaufen um den anderen Eingang benutzen zu dürfen, geht es erstaunlich schnell weiter und so sind wir bereits kurze Zeit später in der Ausstellung.

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Die Erläuterungen zum Book of Kells sind wirklich sehr informativ und interessant dargestellt und wir haben das Glück an einem Wochentag und dann auch noch einem Vormittag wirklich in Ruhe alles anschauen zu können. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man versuchen, nicht zu den Hauptbesuchszeiten hier zu sein, denn ob man dann wirklich in Ruhe alle Tafeln durchlesen und die kunstvollen Zeichnungen und Schriften anschauen kann wage ich zu bezweifeln.

Nach der Ausstellung des Book auf Kells kann man den Restoratoren bei der Arbeit zuschauen, wie sie mit minikleinen Staubsaugern alte Bücher abstauben. Und dann betritt man schon den gigantischen Long Room der Old Library. Wirklich unglaublich! Manche wünschen sich, eine Nacht in einem Kaufhaus oder einem Möbelhaus eingesperrt zu sein – ich würde gerne mal eine Nacht (oder auch einen Tag) in dieser großartigen Bücherei verbringen mit diesen unzählig vielen uralten Büchern die so viel mehr zu erzählen scheinen, als nur das was in ihnen geschrieben steht. Die mit so viel Geduld, Zeit und Liebe geschrieben, gemalt und gebunden wurden. Aber natürlich ging das leider nicht und so verließen wir wie alle anderen kurze Zeit später das Trinity College – durch den obligatorischen Souvenirladen – und kauften unsere Tickets für den Hop-On-Hop-Off-Bus.

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Mit dem Bus fuhren wir dann bis zum Guinness Storehouse. Da Ben schonmal eine Brauerei-Führung dort mitgemacht hatte und ich kein großes Interesse daran hatte, wollten wir nur in die Gravity-Bar gehen, von der aus man einen grandiosen Blick über Dublin hat. Leider kann man dort aber nur mit der besagten Führung hin.

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Also ändern wir unseren Plan und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Gefängnis “Kilmainham Gaol”. Dort hatten wir bereits online Tickets gekauft – allerdings erst für eine Führung um 14 Uhr, sodass wir noch knappe zwei Stunden Zeit haben. Die verbringen wir zum Teil in genau dem Pub, in dem wir vor 5 Jahren bei unserem ersten Besuch in Dublin waren. Danach spazieren wir durch den Park zum Museum of Modern Art, das im eindrucksvollen Royal Hospital Kilmainham untergebracht ist.

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Und dann beginnt die Führung durch einen der geschichtsträchtigsten Orte Irlands. Hierzu kann ich gar nicht viel schreiben. Das Gebäude und die Geschichte dazu ist so eindrucksvoll, dass man es wirklich selbst sehen und spüren muss. Alle Fakten kann man an den unterschiedlichsten Stellen nachlesen, aber die Stimmung in diesen alten Gemäuern und die Vorstellung, was dort alles geschehen ist muss man selber erleben. Ein absolut empfehlenswerter Punkt auf der Sightseeing-Liste von Dublin.

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Nach diesen zwei sehr ergreifenden Programmpunkten haben wir uns noch etwas mit dem Bus durch Dublin fahren lassen und sind dann in “The Church” essen gewesen. Dies ist mein Lieblingsrestaurant in Dublin, denn das wirklich leckere Essen – in meinem Fall Beef & Guinness Stew – kann man entweder in den Gewölben der Kirche oder in der Kirche selber genießen.

Nach dem Essen ging es für uns dann weiter zu “The Academy”, um uns das letzte Konzert in Irland von den The Young Folks anzuhören. Da wir auch dort deutlich zu früh waren, gönnen wir uns noch im Pub nebenan ein Bulmers. Als dann endlich die Abendkasse öffnete, betreten wir den Veranstaltungsort – und sind die nächsten 15 Minuten quasi die einzigen Gäste. Doch kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn füllt es sich mehr und mehr und als dann die erste Vorband anfängt ist der Saal gut gefüllt. Die zwei Vorbands waren ok, aber nicht wirklich unser Musikgeschmack. Als dann aber endlich TYF spielten, wurde es richtig gut und die Stimmung in dieser relativ kleinen Location war super.

Nach dem Konzert liefen wir durch das nächtliche Dublin – vorbei an prächtig weihnachtlich geschmückten Schaufenstern – im Oktober! – um den Abend gemeinsam mit einem Freund im Café en Seine ausklingen zu lassen. Irgendwann in dieser Nacht fielen wir dann müde und glücklich in unser Hotelbett.

Heimat – Zuhause – ???

Wir fahren durch eine Stadt, kennen jedes Gebäude, jede Straße – unzählige Male sind wir hier schon hergefahren. Auf dem Weg zur Schule, zu Freunden, zum Sport, zueinander. Jetzt sind wir nur zu Besuch – auf der Durchreise.

Wir stellen das Auto ab, betreten den Flughafen, Erinnerungen treffen uns – an den ersten Flug ins Ungewisse mit zwei kleinen Kindern, an viele, viele weitere Flüge, Rückflüge von schönen und traurigen Feiern, vollgepackt mit ganz viel Familienliebe und an Abschiede mit vielen Tränen aber auch ganz viel Zuversicht.

Kaum etwas hat sich hier verändert. Wir kaufen unsere Zeitschrift, trinken einen Kaffee, schauen den ankommenden Flugzeugen zu. Wie immer. Nicht ganz – wir sind nur zu zweit. Es ist ungewohnt, die volle Aufmerksamkeit zu haben. Keine kleinen Hände zu halten, keine Fragen zu beantworten, keine Tränen zu trocken, keine Streits zu schlichten, niemandem auf dem Arm zu haben. Ungewohnt, aber schön und doch fehlt irgendwie etwas. Ich muss mich zurückhalten, meinen Mann nicht begeistert auf den Wagen hinzuweisen, der die Flugzeuge betankt, ihm die Container zu zeigen, in dem die Koffer transportiert werden, ihn zu fragen, ob er noch etwas trinken, essen oder sonstwas möchte. So oft waren wir genau an dieser Stelle und haben mit Kinderaugen das Geschehen auf dem Flughafen beobachtet.

Dann hebt das Flugzeug ab – bei Regen. Alles ist grau in grau. Während mein Mann “20 things to do in Dublin before you go for a feckin’ pint” liest, höre ich Musik und döse ein wenig. Keine zwei Stunden später kündigt der Pilot den Landeanflug an. Die Wolkendecke öffnet sich und die Sonne strahlt auf Dublin. Von oben können wir Malahide sehen – den Hafen, Malahide estuary, Howth, Portmarnock Beach.

Auch hier hat sich am Flughafen kaum etwas verändert. Alles ist wie immer. Nur statt des Parkhauses suchen wir nun die Bushaltestelle auf. Der richtige Shuttle ist schnell gefunden, die Tickets gekauft und dann sitzen wir auch schon im Bus 747 Richtung Dublin.

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Nun fahren wir von der anderen Seite in die Stadt. Ab jetzt sind wir die klassischen Touristen. Am Halt Christchurch steigen wir aus, den Stadtplan in der Hand und ruckeln mit unseren Trolleys zu unserem Hotel.

Nach dem Einchecken machen wir uns auf die Suche nach etwas Essbarem – und werden schnell fündig. Schon vorher hatte ich mir überlegt, was ich wo essen möchte und so beginnt unsere Reise mit “Pulled Pork”.

Danach laufen wir ziellos durch die Stadt, schlendern durch das eindrucksvolle Powerscourt Townhouse Centre, gehen die Grafton Street einmal rauf und wieder runter und dann einmal durch das Stephen’s Green Shopping Centre. Zurück im Hotel bleiben wir noch etwas an der Hotelbar und beenden dann den Tag – völlig überwältigt von viel zu vielen Erinnerungen.

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Powerscourt Townhouse

Pause

Es gibt einen Ort in Irland, den wir in den vergangenen 3,5 Jahren sehr häufig besucht haben. Das erste Mal waren wir im Oktober 2011 dort – es folgten unzählige Besuche in den unterschiedlichsten Konstellationen.

Da wir uns heute einen umzugsvorbereitungsfreien Tag genommen haben und uns der Tag heute morgen mit blauem Himmel und Sonnenschein begrüßte, packten wir nach dem Frühstück unsere Sachen und fuhren zum letzten Mal in den

Dublin Zoo

Bei eisigen Temperaturen folgten wir unseren kleinen Zoo-Führerinnen, beobachteten wir viele müde Raubkatzen, lachten wir über verspielte Affen, eislaufende Vögel, watschelnde Pinguine und dicke Nilpferde und machten unzählige Picknick- und Spielplatz-Pausen. Zum Abschluss gab es trotz Minusgrade noch ein Eis und dann ging es nach Hause.

2015-02-01 - Dublin Zoo

Der Tag war wirklich wunderschön und wir alle fünf haben die kleine Auszeit genossen. Zuhause gab es noch ein leckeres Abendessen und dann fielen die Kinder müde und glücklich ins Bett.

Während ich hier Fotos anschaue und in Erinnerungen schwelge, zählt Benni übrigens fleißig weiter. Aber ihr braucht jetzt nicht zählen, sondern dürft vergleichen – unseren ersten und unseren letzten Besuch im Dubliner Zoo – wer ist wer?

Dublin Zoo 2011 + 2015

Noch 14 Tage.

Werde ich das schaffen?

Als Zuschauer hatte man es beim Tough Mudder natürlich relativ einfach. Man konnte die Menschen beobachten, wie sie durch den Matsch kriechen oder versuchen, steile Wände zu erklimmen. Bei manchen Teilnehmer hat man mitgelitten und angefeuert, bei anderen mitgelacht und gestaunt. In jedem Fall wurden die Zuschauer gut unterhalten, ohne sich selber großartig anstrengen zu müssen. Aber wie fühlt man sich eigentlich als Teilnehmer? Da die Frage danach aufkam, habe ich Benni gebeten, einen Gastbeitrag zu schreiben. Da er aber lieber redet als schreibt wurde daraus ein Interview. Jetzt könnt ihr also lesen, wie es Benni bei dem Tough Mudder in Dublin erging.

Tough Mudder Dublin 2014

Warum hast Du am Tough Mudder teilgenommen? Was hat Dich daran gereizt und was hast Du erwartet?

Ich wollte mal testen, ob ich das kann, ob ich durchhalte. Außerdem wollte ich mal an meine Grenzen gebracht werden, da ich nicht bei der Bundeswehr war, wo man wahrscheinlich in der Grundausbildung genau diese Grenzen aufgezeigt bekommt. Aber ich wollte meine Grenzen mal abseits vom Laufen testen. Denn dabei bin ich bereits an meine Grenzen gestoßen. Aber es sollte halt was anderes sein, wo man neben Ausdauer auch Kraft benötigt. Außerdem brauchte ich ein Trainingsziel, irgendetwas, auf das ich mich vorbereiten konnte. Es wurde dann der Tough Mudder, weil ich schon viel von ihm gehört hatte und weil ich mich aus Zeitmangel nicht auf den eigentlich geplanten Triathlon vorbereiten konnte.

Erwartet habe ich, dass ich an meine physischen und psychischen Grenzen stoße. Das es sehr hart werden wird und ich durchhalten und über meine Grenzen hinaus gehen muss. Ich hatte vorher gehört, dass der Tough Mudder härter sein soll als ein Marathon.

Wie hast Du Dich auf den Tough Mudder vorbereitet?

Ich bin wieder regelmäßig laufen gegangen – das heißt ca. 50km in der Woche mit einem längeren Lauf. Da ich es zeitlich nicht schaffe, in ein Fitness Studio zu gehen, habe ich zu Hause Sit-ups, Klimmzüge und Liegestütze gemacht. Die Vorbereitung hat sechs Wochen vorher angefangen, als ich mich zu dem Tough Mudder angemeldet habe.

Warst Du vorher nervös oder aufgeregt?

Ich war nervös, ob ich es tatsächlich schaffe – allerdings nur, bis zum Wettkampftag. Da hab ich dann gedacht, dass ich das schon irgendwie hinkriege. Eine Woche vorher bin ich allerdings krank geworden, da wurde ich dann doch schon ziemlich nervös, ob ich meine Kondition bis zum Wettkampf-Tag aufrecht erhalten kann bzw. überhaupt wieder bekomme.

Was war das anstrengendste Hindernis? Was war das beängstigendste Hindernis? Was hat Dich am meisten beansprucht und bei welchem Hindernis bist Du an Deine Grenzen gestoßen?

Das anstrengendste Hindernis war die Berliner Wall (Anmerkung: zwei 3 Meter hohe Holzwände, die hintereinander stehen). Man hätte es mit Hilfe schaffen können, aber ich wollte es ohne Hilfe schaffen.

Tough Mudder - Berliner Wall

Ich fand nichts beängstigend. Wenn man Platzangst hat, wäre die Boa Constrictor (Anmerkung: enge Röhren, die sowohl bergauf wie auch bergab gehen und in denen man sich durch Schlammwasser auf dem Boden durchrobben muss) wahrscheinlich sehr beängstigend. Ich selber fand nur das Arctic Enema sehr heftig. Da musste man durch 1 Grad kaltes Schlammwasser ohne Sicht unter einem Hindernis hertauchen. Da hab ich mich unter Wasser schon gefragt, wenn da jetzt noch ein weiteres Hindernis kommen sollte, ob ich das schaffe.

Tough Mudder - Arctic Enema

Das Hangin’ Tough habe ich nicht geschafft. Ich denke, das hat mich daher am meisten beansprucht und mir meine Grenzen gezeigt. Dabei musste man sich an Ringen, die ca. 1,2-1,8 Meter auseinander hingen über einen Wassergraben hangeln. Den Everest (Anmerkung: eine Quarter-Pipe, die man hochlaufen musste) konnte man wirklich nicht alleine schaffen, da war ich auf Hilfe angewiesen.

Tough Mudder - Everest

Auf Deinem T-Shirt steht “Probably the toughest event on the planet”. Denkst Du das jetzt  auch?

Nein, ich weiß, dass es das nicht ist. Für Menschen, die nicht Laufen, wird es schon sehr schwierig sein. Wenn man allerdings viel läuft braucht man nur noch die Kraft, um den Parcours zu schaffen. Außerdem war meine Körpergröße ein extremer Vorteil. Ich bin 1,90 m groß, mit 10 cm weniger wäre es deutlich schwerer gewesen. Mit dem Marathon war es nicht vergleichbar, da ich beim Marathon eine Zielzeit hatte, beim Tough Mudder galt es nur, anzukommen.

Tough Mudder

Wie geht es Dir heute – einen Tag danach?

Ich bin leer und denke darüber nach, was mein nächstes Ziel sein könnte. Ich brauch jetzt etwas, für das ich weiter trainieren kann, weil ich die Kondition, die ich aufgebaut habe, nicht wieder verlieren möchte. Also, wer hat einen Vorschlag?

Würdest Du es noch einmal machen?

Ja. Alleine, weil ich dabei 255 Euro Spenden für The Children’s Medical & Research Foundation gesammelt haben. Aber natürlich auch, weil es Spaß gemacht hat, man Leute kennengelernt hat und es ein super Team-Event, zum Beispiel für eine Handball-Mannschaft, ist. Und das Bier nach 12 Meilen und 27 Hindernissen hat hervorragend geschmeckt.

Tough Mudder

Vielen Dank für das Interview!

Was für Kinder?

Jedes Kind träumt davon – so viel im Matsch spielen zu dürfen, wie man möchte. In Pfützen zu hüpfen, zu klettern, zu kriechen, zu schwimmen – und das alles mit Freunden, die genau das gleiche machen und ohne dass Mama schimpft, weil das schöne weiße Kleidchen oder die neue Hose dreckig werden. Manch ein Erwachsener erhält sich diesen Traum – und findet im Tough Mudder einen Spielplatz für ausgewachsene Kinder.

Die Werbung zu diesem Event sieht natürlich ganz anders aus. Hier wird mit Herausforderungen und Teamgeist geworben, damit, an seine Grenzen zu gehen und alle Ängste zu überstehen – und das ist es auch! Aber eben auch ganz viel Spaß, sowohl für die Teilnehmer wie auch für die Zuschauer.

Irland hat sich gut auf den Tough Mudder vorbereitet! Nach vielen sonnigen und warmen Wochen fing es am Freitag morgen an zu regnen, nein – zu schütten. Die ganze Nacht über hörten wir den Regen prasseln und meine Vorfreude auf das Event sank ins Bodenlose. Doch heute morgen öffneten wir die Jalousien und uns begrüßte hellblauer Himmel und strahlender Sonnenschein – aber auch eisige Temperaturen.

Nachdem die Kinder wasserfest verpackt waren, machten wir uns auf den Weg zum Punchestown Racecourse in Naas. Dort angekommen wurden wir auf dem Parkplatz – gegen eine kleine Gebühr von 10 Euro – eingewiesen. Nachdem auch Benni sich umgezogen hatte, strömten wir mit vielen anderen Teilnehmern – teilweise in sehr ausgefallenen Kostümen – Richtung Veranstaltungsgelände. Dort wiederum wurden wir alle mit Armbändern ausgestattet, mussten diverse Erklärungen unterschreiben und die Kinder bekamen meine Telefonnummer auf ihre Armbänder geschrieben – an die Verlierarmbänder hatten wir natürlich nicht gedacht.

Das Zentrum des Veranstaltungsgeländes bildete – Oh Wunder – der Merchandising-Stand. Daneben gab es allerdings auch einige Sachen, die auf einem Erwachsenen-Spielplatz nicht fehlen dürfen – wie Bull-Riding ohne Bullen, dafür auf einem Surfboard, Hau-den-Lukas, Klimmzugstationen und ausreichend Verpflegung und Sitzmöglichkeiten. Für die Kinder gab es ein Zelt, in dem sie Fahnen bemalen konnten.

Tough Mudder 2014 - Veranstaltungsgelände

Aber wirklich interessant war natürlich die Strecke, das Gelände, auf dem sich normalerweise Pferde messen.

Tough Mudder - So sieht es aus

Alles beginnt mit einer kleinen Aufwärmungübung der Teilnehmer. Zu lauter Musik wird gehüpft und geschrien. Selbst als Zuschauer hat man das Gefühl, jetzt nicht einfach so stillstehen zu dürfen und so hüpften Noah und ich fleißig mit – während Benni bereits mit einem anderen Teilnehmer schwatzte. Schließlich geht’s ja um Teamgeist – alleine kann man die Strecke nämlich keinesfalls schaffen. Schon um zum Start zu kommen, müssen die Teilnehmer über eine Bretterwand klettern und bereits da benötigt der/die ein oder andere Hilfe. Dahinter werden sie dann eingeheizt, eingeschworen und motiviert – und dann geht’s los – ab in den Matsch.

Tough Mudder - Los geht's!

12 Meilen (19,3 km) mit 27 Hindernissen. Während Benni sich durch enge Röhren zwängte, matschige Hügel erklomm, hohe Mauern überwand, Eiswasser durchtauchte, unter Stacheldraht robbte, Holzstämme schleppte, seinen Mit-Teilnehmer per Schubkarre oder auf dem Rücken transportierte und vice versa und sich durch einen Elektrodschungel kämpfte, spazierte ich mit den Kindern durch das Gelände.

Tough Mudder - Benni in action

Da dieses eher für Pferde und verrückte Tough Mudder Teilnehmer geeignet ist, als für Kleinkinder und Kinderwagen-Fahrerinnen, absolvierten auch wir vier einen kleinen Tough Mudder. Lara und Milla übernahmen das “In die Pfützen hüpfen” und ich absolvierte die Disziplin “Kinderwagen durch unwegsames Gelände schieben, zerren, tragen”. Noah wehrte sich erfolgreich gegen das Einschlafen und übernahm das Winken und Menschen zu Gesprächen anregen. Zwischendurch suchten wir das Gelände nach einem roten T-Shirt ab und hatten tatsächlich das ein oder andere Mal Glück, Benni bei der Überwindung eines Hindernisses anfeuern zu können. Aber auch die Wartezeit war spannend – vor allem dank der teilweise sehr kreativen Kostüme.

Mini Tough Mudder

Nach zwei Stunden konnten wir Benni am Ziel glücklich und dreckig wieder in Empfang nehmen. Gemeinsam mit seinem Mit-Teilnehmer hatte er den Parcours in einer sehr guten Zeit und ohne nennenswerte Blessuren überstanden. Nach einer kurzen “Dusche” verließen wir das Veranstaltungsgelände – müde und hungrig.

Tough Mudder - Ziel erreicht

Sommerpause

„Hast du die Kinderjacken eingepackt?“ „Nein! Ich dachte, du hättest die mitgenommen!“ – vollgepackt bis unters Dach – allerdings ohne Jacken – saßen wir im Auto. Im Kofferraum stapelten sich Kinderwagen, Manduca, Wechselwäsche für drei Kinder, Sandspielzeug, Getränke, Jacken für den Kleinsten und die Größten, Wechselschuhe, Gummistiefel, Mützen, Schals und was man sonst noch so für einen 2-stündigen Ausflug zum Strand mit drei Kindern benötigt. Nur die Jacken lagen noch zu Hause.

Im letzten und vorletzten Jahr war es eher Sonnencreme, Sonnenhut und Sonnenbrille, die man zum Battle for the Bay am Dollymount Beach unbedingt mitnehmen sollte. Doch dieses Jahr hat der Sommer ausgerechnet am ersten Veranstaltungstag eine Pause eingelegt. Gut für die Kiter, denn der Wind war wirklich grandios – schlecht für die Zuschauer, denn bei gelegentlichen Schauern und niedrigen Temperaturen bleibt man nicht allzu lange am Strand.

Battle for the Bay 2014

Dabei wird das Festival von Jahr zu Jahr größer und auch für Besucher, die nichts mit Kitesurfen oder Stand Up Paddeling zu tun haben, interessanter. Viele neue Sponsoren und damit auch viele neue Stände mit Leckereien oder Artikeln rund um den Wassersport und Outdoor im Allgemeinen waren in diesem Jahr dabei. Außerdem gab es zwei Bühnen, sehr gute Live-Bands und wie jedes Jahr super Stimmung!

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Den Kindern hat das schlechte Wetter nur wenig ausgemacht – denn auf dem Trampolin und dem Kinderkarussel wurde ihnen auch so warm. Gemütlich in der Hängematte liegend oder Muscheln sammelnd waren die vielen Kiter nur zweitrangig. Und das Jackenproblem hatten wir dank den vielen Ersatzsachen auch gelöst.

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Diesen Artikel schreibe ich übrigens in der Sonne sitzend in unserem Garten – und überlege, ob wir nicht doch nochmal kurz zum Strand fahren sollen – dieses Mal mit kurzen Hosen, T-Shirt und Sonnenhut.