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Unterwegs als Touristen

Womit beginnt ein typischer Tag eines Touristen in Irland? Natürlich mit einem leckeren und umfangreichen Full Irish Breakfast. Nein, die Iren frühstücken nicht jeden Morgen so! In den Familien die wir kennen, gibt es morgens klassisch Porridge oder CornFlakes. Aber wir sind ja nun in einem sehr schönen Hotel und genießen da am frühen Morgen – ja, dank einer Stunde Zeitunterschied und der sehr aktiven inneren Uhr war es wirklich früh – warme Tomaten, gebratene Champignons, gebratenen Speck, Rührei und baked beans. Zum Nachtisch bedienen wir uns an dem Müsli- und Obst-Buffett und dann rollen wir übersättigt aus dem Hotel. Zum Glück geht unser Weg zum Trinity College erstmal nur bergab. Doch irgendwann werden wir unsanft von mannshohen Bauzäunen gestoppt. Rings um das College wird gerade sehr viel gebaut – die beiden Straßenbahnlinien werden endlich verbunden. Ja, Dublin hat bisher zwei Straßenbahnlinien, die leider keine einzige gemeinsame Station haben. Möchte man also von einer zur anderen Linie umsteigen muss man laufen oder Bus fahren. Aber nicht mehr lange.

Zwischen Bauzäunen und Straßenlöchern betreten wir den Campus. Noch ist es relativ leer – hauptsächlich Studenten sind unterwegs. Und doch müssen wir am Eingang von der Old Library anstehen. Während wir überlegen, ob es sinnvoll ist, online ein Ticket zu kaufen um den anderen Eingang benutzen zu dürfen, geht es erstaunlich schnell weiter und so sind wir bereits kurze Zeit später in der Ausstellung.

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Die Erläuterungen zum Book of Kells sind wirklich sehr informativ und interessant dargestellt und wir haben das Glück an einem Wochentag und dann auch noch einem Vormittag wirklich in Ruhe alles anschauen zu können. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man versuchen, nicht zu den Hauptbesuchszeiten hier zu sein, denn ob man dann wirklich in Ruhe alle Tafeln durchlesen und die kunstvollen Zeichnungen und Schriften anschauen kann wage ich zu bezweifeln.

Nach der Ausstellung des Book auf Kells kann man den Restoratoren bei der Arbeit zuschauen, wie sie mit minikleinen Staubsaugern alte Bücher abstauben. Und dann betritt man schon den gigantischen Long Room der Old Library. Wirklich unglaublich! Manche wünschen sich, eine Nacht in einem Kaufhaus oder einem Möbelhaus eingesperrt zu sein – ich würde gerne mal eine Nacht (oder auch einen Tag) in dieser großartigen Bücherei verbringen mit diesen unzählig vielen uralten Büchern die so viel mehr zu erzählen scheinen, als nur das was in ihnen geschrieben steht. Die mit so viel Geduld, Zeit und Liebe geschrieben, gemalt und gebunden wurden. Aber natürlich ging das leider nicht und so verließen wir wie alle anderen kurze Zeit später das Trinity College – durch den obligatorischen Souvenirladen – und kauften unsere Tickets für den Hop-On-Hop-Off-Bus.

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Mit dem Bus fuhren wir dann bis zum Guinness Storehouse. Da Ben schonmal eine Brauerei-Führung dort mitgemacht hatte und ich kein großes Interesse daran hatte, wollten wir nur in die Gravity-Bar gehen, von der aus man einen grandiosen Blick über Dublin hat. Leider kann man dort aber nur mit der besagten Führung hin.

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Also ändern wir unseren Plan und machten uns zu Fuß auf den Weg zum Gefängnis “Kilmainham Gaol”. Dort hatten wir bereits online Tickets gekauft – allerdings erst für eine Führung um 14 Uhr, sodass wir noch knappe zwei Stunden Zeit haben. Die verbringen wir zum Teil in genau dem Pub, in dem wir vor 5 Jahren bei unserem ersten Besuch in Dublin waren. Danach spazieren wir durch den Park zum Museum of Modern Art, das im eindrucksvollen Royal Hospital Kilmainham untergebracht ist.

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Und dann beginnt die Führung durch einen der geschichtsträchtigsten Orte Irlands. Hierzu kann ich gar nicht viel schreiben. Das Gebäude und die Geschichte dazu ist so eindrucksvoll, dass man es wirklich selbst sehen und spüren muss. Alle Fakten kann man an den unterschiedlichsten Stellen nachlesen, aber die Stimmung in diesen alten Gemäuern und die Vorstellung, was dort alles geschehen ist muss man selber erleben. Ein absolut empfehlenswerter Punkt auf der Sightseeing-Liste von Dublin.

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Nach diesen zwei sehr ergreifenden Programmpunkten haben wir uns noch etwas mit dem Bus durch Dublin fahren lassen und sind dann in “The Church” essen gewesen. Dies ist mein Lieblingsrestaurant in Dublin, denn das wirklich leckere Essen – in meinem Fall Beef & Guinness Stew – kann man entweder in den Gewölben der Kirche oder in der Kirche selber genießen.

Nach dem Essen ging es für uns dann weiter zu “The Academy”, um uns das letzte Konzert in Irland von den The Young Folks anzuhören. Da wir auch dort deutlich zu früh waren, gönnen wir uns noch im Pub nebenan ein Bulmers. Als dann endlich die Abendkasse öffnete, betreten wir den Veranstaltungsort – und sind die nächsten 15 Minuten quasi die einzigen Gäste. Doch kurz nach dem offiziellen Konzertbeginn füllt es sich mehr und mehr und als dann die erste Vorband anfängt ist der Saal gut gefüllt. Die zwei Vorbands waren ok, aber nicht wirklich unser Musikgeschmack. Als dann aber endlich TYF spielten, wurde es richtig gut und die Stimmung in dieser relativ kleinen Location war super.

Nach dem Konzert liefen wir durch das nächtliche Dublin – vorbei an prächtig weihnachtlich geschmückten Schaufenstern – im Oktober! – um den Abend gemeinsam mit einem Freund im Café en Seine ausklingen zu lassen. Irgendwann in dieser Nacht fielen wir dann müde und glücklich in unser Hotelbett.

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