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Die bunte Insel

Wer an Irland denkt, hat meistens als erstes grüne Wiesen und viele viele Schafe vor Augen. Aber das ist nicht alles, was Irlands Natur zu bieten hat. Egal zu welcher Jahreszeit blühen hier unendlich viele Pflanzen und viele Gewächse scheinen hier viel größer und üppiger zu wachsen – was bei dem feucht-warmen Klima kein Wunder ist. Ich bin wirklich kein großer Gartenfreund und Blumen halten es nie lange bei mir aus. Auch kann ich nicht jede Pflanze, jeden Baum oder Grashalm mit seinem korrekten botanischen Namen benennen – und dennoch beeindruckt mich die Vegetation auf dieser kleinen Insel immer wieder.

Auf der Dingle Peninsula sind es die endlosen Fuchsien-Hecken, die mit ihrem leuchtendem Rot auffallen und die Landschaft prägen. Dazwischen wachsen Pflanzen in lila, gelb und weiß – und natürlich hunderte unterschiedliche Grüntöne. In den Vorgärten wachsen Calas und riesige Hortensien – und da endet auch schon mein botanisches Wissen. Die hunderte anderen bunten Pflanzen, die man am Straßenrand, auf den Feldern und in den Gärten sieht, kann ich nicht benennen. Ich kann nur sagen, dass sie wunderschön, riesig und bunt sind.

Pflanzen bunt und groß

Aber nicht nur die Pflanzen lassen einen immer wieder Staunen. Am eindruckvollsten ist die Landschaft – die Kombination aus Meer und grünen Wiesen, Klippen und Bergen.

Dingle Peninsula

Nirgendwo anders sieht man – dank dem wechselhaften Wetter – soviele Regenbogen wie hier.

Regenbogen

Die Dingle Peninsula ist wie ein Malkasten – alle Farben leuchten einem entgegen, strahlen die Freundlichkeit der Bewohner aus und machen einfach gute Laune. Nirgendwo anders als in Irland wirkt ein türkises Haus mit einer gelben Tür neben einem roten Haus mit einer blauen Tür so stimmig, harmonisch und schön. Nirgendwo anders können Fahrten über Feldwege vorbei an Schafen und Kühen so abwechslungsreich und spannend sein – denn hinter der nächsten Kurve könnte eine atemberaubende Aussicht auf einen warten, einem ein Schaf entgegen kommen oder die Klippen steil ins Meer herabfallen. Und nirgendwo anders ist es auch bei Nieselregen so schön – denn wenn die dicken Regenwolken in den grünen Hügeln hängen, wirkt die ganze Landschaft mystisch und verzaubert. Kaum kommt die Sonne dann heraus, strotzt die Natur vor Kraft und verbreitet die pure Lust am Leben.

Dingle Peninsula im Nebel

Auch wenn wir keine Botaniker sind, die wirklich alle Pflanzen hier entsprechend zu würdigen wissen – auch wenn wir keine Historiker sind, die jeden Steinansammlung ehrfürchtig umrunden – auch wenn wir keine Sprachwissenschaftler sind, die die Geheimnisse der gälischen Sprache und der vielen englischen Dialekte ergründen – wir lieben diese Insel mit ihren vielen Grüntönen, alten Türmen und freundlichen Menschen.

Sonnenuntergang in Inch

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Kulturbanausen

Ja, ich gebe es zu: wir sind Kulturbanausen! Wir leben nun schon fast zwei Jahre in Irland und außer in einer Dinosaurierausstellung in Belfast haben wir hier noch kein Museum von innen gesehen. Auch unsere sonstigen kulturellen Ausflüge halten sich in Grenzen – dabei gibt es hier an jeder Straßenecke irgendein historisches Grabmal, Gebäude, Steinchen oder Türmchen. Wir schieben dann gerne die Kinder vor – dabei ist gerade unsere Älteste diejenige, die uns wenigstens die christliche Kultur immer wieder nahelegt.

Lara liebt Kirchen. Sobald wir an einer vorbei gehen, fahren, drüber fliegen oder vorbei schwimmen – letzteres eher selten – möchte sie sie besichtigen. Sie ist auch nicht wählerisch hinsichtlich der Konfession – evangelisch oder katholisch – Hauptsache Kirche. Wahrscheinlich würde sie sich auch gerne mal eine Moschee oder eine Synagoge anschauen, aber die haben wir hier noch nicht gefunden. So kommen wir wenigstens regelmäßig in den Genuss, eine Kirche zu besichtigen, so auch in Tralee, wo wir eigentlich nur zum Mittagessen waren.

Tralee

In Killarney gibt es eine riesige Kirche, die wir leider noch nicht besichtigt haben. Von der Stadt haben wir insgesamt nur sehr wenig gesehen. Um genau zu sein eigentlich nur ein sehr schönes, außergewöhnliches und gutes Restaurant. Wiedereinmal hatte Noah die Wahl getroffen – ohne ihn wären wir wahrscheinlich an der unscheinbaren Fassade des „The Smoke House“ vorbeigelaufen. Der erste Eindruck mutet orientalisch an, wenn man aber genauer hinsieht, sind es sehr viele alte Möbel, ein ausgestopfter Pfau ziert die Abtrennung des hinteren Bereiches, eine Wand ist verspiegelt und gemütliche Sessel und kleine Tischchen haben bestimmt schon dem ein oder anderen Gast lange, lustige Abende mit leckeren Cocktails beschert. Hinter der Bücherwand befindet sich die Küche und ein Regalbrett dient als Durchreiche. Gerne hätte ich auch die außergewöhnlichen Toiletten fotografiert, aber davon hat mich mein Mann abgehalten … Er fungiert oftmals als mein Anstand, wenn ich den Fotoapparat in der Hand halte. So kann ich also nur von den stillen Örtchen im 1. Obergeschoss berichten: die Waschbecken sind alte Zinneimer, die Wände sind teilweise aus Wellblech und teilweise bunt bemalt, als Türstopper zur Dachterasse dient eine alte Nähmaschine. Ansonsten haben wir im Schnelldurchlauf einmal die Stadt durchlaufen und haben nur an der Eisdiele einen kurzen Zwischenstopp eingelegt, denn hier gab es echtes Eis. Bisher haben wir nur wenige Eisdielen gefunden, die normales Milch- bzw. Fruchteis verkaufen – Softeis hingegen bekommt man überall. Da ich kein Softeis esse, freue ich mich natürlich umso mehr, wenn es irgendwo echtes Eis gibt. Doof nur, wenn man dann ausgerechnet an dem Tag so gar keinen Hunger auf Eis hat. Somit durften sich aber wenigstens die anderen Teilnehmer unserer Reisegruppe über die 3,80 €-Eisbällchen freuen. Und sie sollen auch lecker gewesen sein.

Killarney

Museen sehen wir wirklich viel zu selten an, Zoos und Aquarien besuchen wir allerdings dagegen sehr oft. So stand auch das Dingle Wildlife & Seal Sanctuary auf unserer Liste, was wir uns im Urlaub anschauen möchten. An einem nicht so sonnigen, aber trockenen Tag besuchten wir das nahegelegene Gelände. Pünktlich zur Fütterung hatten wir die Babyseerobben erreicht, die dort aufgepäppelt werden, um dann wieder in die Freiheit entlassen werden zu können. Die Kinder fanden allerdings die Babyziege, Gänse und Enten viel spannender und ihr absolutes Highlight war der große Spielplatz.

seal sanctuary dingle

Dingle

– die namensgebende Stadt der Dingle Peninsula – ist circa eine halbe Autostunde von Inch entfernt und ein sehr schönes, gemütliches und buntes Hafenstädtchen, das in unserem Urlaub mehrere Male als Schlechtwetteralternative herhalten musste und es auf die Liste meiner Lieblings-Städte in Irland geschafft hat.

Das Aquarium ist relativ klein, aber für die Kinder hat es die perfekte Größe. Die Highlights sind ein riesiges Becken mit Haien, Rochen und anderen Großfischen sowie ein Unter-Wasser-Tunnel. Außerdem gibt es ein paar Pinguine, die die Kinder aus einem Mini-Iglu heraus beobachten können.

Aquarium in DingleFür die Restaurantauswahl war mehr oder weniger Noah verantwortlich – und hat dabei ein sehr gutes Händchen bewiesen. Sobald er seinen Hunger anmeldete, hetzten wir direkt in das nächstgelegene Restaurant. So fanden wir in Dingle das „The Boat Yard“, das uns durch gutes Essen, kinderfreundliches Personal und die Lage direkt am Hafen überzeugte. Empfehlenswert sind alle Fischgerichte, insbesondere die von der Tageskarte.

Lieblingsrestaurant in Dingle

Wie schon erwähnt ist Dingle sehr bunt, jedes Häuschen ist in einer anderen Farbe gestrichen und überall blühen Blumen. Neben den üblichen Souvenirläden gibt es viele kleine, individuelle Boutiquen und Kunstausstellungen. Kleine, gemütliche Hinterhöfe und viele Blumen geben der Hafenstadt ein ganz besonderes Flair.

DingleSollten wir es noch einmal schaffen, nach Dingle zu reisen, werden wir auf jeden Fall eine der Bootstouren buchen, auf denen man die Delfine in der Bucht anschauen kann … und ausgiebig shoppen … und im Hafen die Schiffe und Menschen beobachten … und leckeren fangfrischen Fisch essen … und und und … wir kommen also auf jeden Fall wieder!

Wind und Wetter

Der Wind brachte also oftmals den Regen mit. Und leider war der Wind, der den Regen brachte, nicht immer optimal fürs Kitesurfen. Und manchmal kam der Regen auch ganz ohne Wind. Für all diese Fälle musste ein Alternativprogramm her, das sowohl die drei Kleinkinder wie auch die vier Erwachsenen zufrieden stellte und noch dazu mit einem 6-Wochen alten Baby absolviert werden konnte.

Unser erster Regenausflug führte uns über Dingle zum Slea Head. Innerhalb weniger Stunden konnten wir unseren aus Deutschland angereisten Freunden zeigen, was wir so auf dieser Insel lieben – die wunderschöne Landschaft, die freundlichen Bewohner und das wechselhafte Wetter. Ja, richtig! Das wechselhafte Wetter! Denn auch wenn es häufig regnet, es regnet selten ausdauernd. Und so hatten wir auch bei diesem Ausflug wieder Glück, und der Regen verabschiedete sich nach einer Weile und machte der Sonne Platz.

Aufgrund des Regens haben wir leider vieles nur aus dem Auto heraus gesehen.

Slea Head Drive im Regen

Die Mittagspause verbrachten wir in einem gemütlichen Pub in Ballyferriter mit einem sehr leckeren Irish Stew. Auf der Dingle Peninsula wird übrigens größtenteils Gälisch gesprochen – zum Glück können aber auch fast alle Bewohner Englisch. In den kleineren Ortschaften sind allerdings alle Straßenschilder auf Gälisch und in den Pubs sollte man sich nicht von den Beschriftungen auf den Toiletten verwirren lassen. Bei mná handelt es sich nämlich nicht um einen Rechtschreibfehler, sondern es ist die gälische Bezeichnung für Frau. Die Männer sollten hingegen hinter der Tür mit dem Schild „fir“ verschwinden.

Ballyferriter

Durch Zufall fanden wir diese wunderschöne Stelle hinter Ballycurrane:

irgendwo am Slea Head Drive

Im Sonnenschein ging es dann wieder zurück nach Inch und noch einmal kurz ins Meer – nach dem nassen und nebelverhangenen Tag hätte das keiner mehr erwartet. So ist Irland halt.

Badehaubenpflicht?!?

Das hier in den meisten öffentlichen Schwimmbädern Badehauben getragen werden müssen, hatte ich hier bereits erwähnt – wie sehr dies allerdings unsere Kinder prägt, hatte ich bislang unterschätzt. So war Lara nur schwer davon zu überzeugen, dass sie im Meer keine Bademütze tragen muss. 

Lara auf dem Weg ins Meer - MIT Badehaube

Abgesehen von der unüblichen Kopfbedeckung verliefen unsere Strandtage allerdings wie bei tausenden anderen Urlaubern an den Stränden in aller Welt. Die Väter bauten Sandburger, die Kinder machten sie wieder kaputt, alle tobten im Wasser, machten erste Erfahrungen auf dem Surfboard bzw. Milla auf einem Bodyboard, die Kinder sammelten Muscheln und vergruben die angeschwemmten Quallen und unsere jüngste Reiseteilnehmerin Emma übte fleißig Laufen. Noah und mein Programm war etwas weniger abwechslungsreich – Noah schlief und ich beobachtete das Geschehen und fotografierte alles, was sich nicht schnell genug verstecken konnte.

Strandtag

Und dann gab es noch eine weitere Strandaktivität – stündlich wurde der Windforecast, der Wellengang, die kleinste Bewegung der Blätter und einfach jeder Windhauch beobachtet und analysiert – und war der Wind dann endlich so wie gewünscht und ersehnt, verschwand Benni umgehend und war wenige Minuten später am Strand, um seinen Kite aufzubauen und sich aufs Wasser zu begeben. Da der Wind oft auch direkt den Regen mitbrachte, waren wir anderen froh, vom Wohnzimmerfenster aus Benni beobachten zu können. Jeder Sprung, jedes Sprüngchen, jeder Sturz und jedes Absaufen wurde von der Jury fachkundig kommentiert und teilweise mit Bild dokumentiert.

Benni beim Kitesurfen

Der Strand ist fürs Surfen (Wellenreiten) und Kitesurfen sehr gut geeignet und im Sommer werden hier viele Surfcamps angeboten. Mit Kleinkindern ist es am Inch Beach sehr schön, da man lange Zeit nur knietief im Wasser watet und die Kinder so im Meer spielen können. Trotz vieler Menschen und der Nebenfunktion als Parkplatz war der Sand sauber. Im Sammy’s – dem Strandrestaurant – kann man sowohl drinnen wie auch auf der Terasse sitzen und gut essen oder  einfach nur ein leckeres Bulmers oder Crean’s trinken. Und für die Camper unter euch: Einige Wohnmobile standen dort auch über Nacht direkt am Strand – ob das wirklich erlaubt war, wissen wir nicht, aber die Lage war wirklich grandios.

Camping am Inch Beach

1 inch = 2,54 cm

1 Urlaub = 2 Familien, 5 Ramhofers und 4 Kinder

Die Maßeinheit „inch“ ist vielen geläufig, doch hinter dem Begriff verbirgt sich auch noch etwas anderes: unser diesjähriges Urlaubsziel.

In Irland gibt es drei Orte mit dem Namen Inch, einer davon liegt im Südwesten Irlands im County Kerry. Neben dem bekannten Ring of Kerry liegt die kleine Halbinsel Dingle, auf der sich eine Handvoll Dörfer befinden sowie jede Menge Schafe und Kühe – und Inch.

Da wir zwar schon viel von Irland gesehen haben, aber noch nie in Kerry waren, bot sich der Südwesten der Insel für den Urlaub an. Gemeinsam mit Freunden suchten wir dann nach einer Urlaubsunterkunft, die möglichst nah am Strand sein sollte. Trotz vielen Küstenkilometern stellte sich das als nicht ganz so leichte Aufgabe heraus, denn nur wenige Häuser stehen hier in unmittelbarer Nähe zu einem Sandstrand.

Aber nach ein wenig Internetrecherche und den Empfehlungen einiger irischer Bekannter hatten wir das für uns perfekt gelegenen Urlaubshäuschen gefunden – und so machten wir uns Ende Juli mit vier Erwachsenen und vier Kleinkindern auf den Weg von Dublin Richtung Inch auf der Dingle Peninsula im County Kerry.

Für schlappe 340 km benötigten wir 7 Stunden. Und das, obwohl ein Großteil der Strecke wirklich gut ausgebaut ist und kaum Verkehr auf den Straßen war. Aber nach 2 Stunden bekamen die großen Teilnehmer der Reisegruppe Kaffeedurst, der Kleinste hatte Milchdurst und die Mittleren mussten Pipi. Daher musste wir in Roscrea eine kleine Frühstückspause einlegen. Dank der frühen Stunde – 9 Uhr ist für irische Verhältnisse quasi noch mitten in der Nacht – hatte allerdings noch nicht viel geöffnet. Die Mitarbeiterinnen eines Cafes hatten jedoch Mitleid mit uns und ließen uns schon vor den normalen Öffnungszeiten ein.

Urlaub Inch BeachNach weiteren zwei Stunden im Auto erreichten wir Abbeyfeale – und wieder tönte von den hinteren Plätzen „Ich muuuuuss mal!.“ Also nutzten wir die Pause, um etwas zu trinken und die Sonne zu genießen. Unser Ziel war fast schon in Sichtweite.

Urlaub Inch Beach - 2. Pause Und 1,5 Stunden später waren wir da – in Inch, den Atlantik vor den Nase, ein kühles Bier – für mich in der alkoholfreien Variante – in der Hand, kilometerlanger Sandstrand, Sonne und Urlaubsstimmung.

Inch

Doch was ist das? Stehen da Autos auf dem Strand???

Zwischen Sandburgen, Sonnenschirmen und Strandmuscheln parken unzählige Autos. Bei Ebbe wirkt der Strand riesig und die Strandbesucher haben noch viel Platz vor, hinter und neben ihren Fahrzeugen. Doch sobald das Meer wieder kommt, muss der ein oder andere Sonnenanbeter schnell seinen fahrbaren Untersatz in Sicherheit bringen, bevor er das Schwimmen lernt. Auch der feine Sand hat so seine Tücken – nicht wenige sind auf körperliche Hilfe beim Verlassen des Strandes angewiesen, weil sich die Reifen im Sand eingebuddelt haben.

Parken am Inch BeachDoch zum Glück waren wir für die Strandbesuche nicht auf ein Auto angewiesen und konnten somit auch die anderen Gäste nicht mit Schieb- und Fluchaktionen unterhalten. Dafür hatten wir einen unbeschreibbaren Blick auf das Meer – und haben uns mehr als einmal gewünscht, diesen Ausblick doch am Ende des Urlaubs mit nach Hause nehmen zu können.

Blick vom und auf Inch Beach Cottages