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Krankenhaus-Alltag und Drachenschreie

Gemeinsam mit meinem Mann, dem kleinen Noah und der deutschen Hebamme fuhr ich mit dem Aufzug auf die private Wöchnerinnen-Station.

Dort angekommen fand die Übergabe von Mutter und Kind von der Hebamme zu der Stations-Nachtschwester statt – das heißt, mein Armband wurde mit Noahs abgeglichen, es wurde überprüft, ob er wirklich ein männliches Baby ist und ob das Sicherheitsband angelegt ist. Erst dann verabschiedete sich die Hebamme.

Da war ich also – in einem 4-Bett-Zimmer. Bis zu dieser Minute hatte ich gehofft, doch ein Einzelzimmer zu bekommen, auch wenn die Chancen im Vorfeld schon nicht gut aussahen. Denn die Einzelzimmer sind ausschließlich für Patientinnen, die für die Vorsorge „private“ gebucht haben – in die 4-Bett-Zimmer dürfen nur Frauen, die sich zu Beginn der Schwangerschaft für die Option „semi-private“ entschieden haben und diejenigen, die sich für die kostenlose „public“Variante entschieden haben, werden in 8-12-Bett-Schlafsälen untergebracht. Upgraden ist nicht möglich!

4-Bett-Zimmer

Bei meinem Einzug war allerdings nur ein weiteres Bett belegt. Auch hier trennen große Vorhänge die einzelnen Bereiche ab und ich hatte glücklicherweise das Kämmerchen am Fenster. Nachts zog dann eine weitere Frau mit Baby ein und am nächsten Morgen waren wir dann komplett.

Die Nacht war … mhhh … schlafarm. Und das lag nicht an schnarchenden Mitbewohnerinnen oder an unruhigen fremden Babys, sondern an meinem Baby, das sich immer noch darüber beschwerte, das es so kurzfristig und mit Zwangsräumung seine Wohnung hatte verlassen müssen. Seine fiepsigen Schreie hörten sich an wie die  Drachenschreie aus „Der Herr der Ringe“ und ich rechnete damit, dass diese zur Unterstützung jederzeit zum Fenster hereinflogen. Zum Glück blieb das aus, aber dennoch fühlte ich mich morgens, als hätte ich nachts gegen Drachen gekämpft.

Nach einem leckeren Frühstück, einer warme Dusche und mit einem satten und zufriedenen Noah auf dem Bauch, den auch der unfreiwillige Kontakt mit Mamas Marmeladenbrot nicht aus der Ruhe bringen kann, sah der Morgen dann schon viel besser aus.

Der Vormittag verging wie im Flug – der Krankenhausalltag begann um 8 Uhr mit dem Frühstück, die diensthabene Schwester kam vorbei und stellte sich vor, eine Physiotherapeutin gab Informationen zur Rückbildung, Haltung etc., eine Schwester machte bei Noah den Hörtest und dann kam auch schon Benni zu Besuch – mit Blumen und einer Flasche Champagner … soll ja den Milchfluss fördern … der Champagner natürlich, nicht die Blumen!

Prost!

Zum Mittagessen gab es Suppe, Cottage Pie mit Kartoffelpüree und ein Bananen-Schokoladen-Sahne- Nachtisch. Wieder unerwartet lecker!

Und dann dürften endlich Lara und Milla ihren kleinen Bruder kennenlernen. Begeistert begrüßten sie ihn, begutachteten die kleinen Füßchen, die Ohren, versuchten, ihm ein Nasenküsschen zu geben und waren unendlich begeistert und verliebt.

1. Besuch

Bei dem nächsten Rundgang der Schwester fragte ich mal vorsichtig nach, wann ich denn nach Hause könnte. Normalerweise wird man hier nach einer normalen Entbindung, mit einem gesunden Baby und wenn man stillt nach zwei bis drei Tagen entlassen. Doch die Schwester schaute schmunzelnd auf uns fünf und fragte mich, ob ich heute schon nach Hause möchte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, nachdem ich nach den beiden ersten Geburten jeweils fünf Tage im Krankenhaus verbracht hatte, weil die beiden so ein starke Neugeborenen-Gelbsucht entwickelt hatten, sollte ich nun schon 24 Stunden nach der Geburt nach Hause dürfen?

Die Schwester verschwand, um alles abzuklären und kam freudestrahlend wieder – das OK der Kinderärztin vorausgesetzt, dürfte ich abends um 19 Uhr entlassen werden.

Damit begannen ein paar hektische Umplanungen bei Benni, denn er hatte seine Kollegen für abends zum Baby-Willkommens-Grillen eingeladen. Während er mit den Mädels nach Hause fuhr, um alles vorzubereiten, wartete ich im Krankenhaus auf die Kinderärztin und auf die Person, die die Daten für die Geburtsurkunde aufnimmt. Doch nichts geschah.

Um 17.30 Uhr bekam ich das Abendessen, ohne das irgendetwas passiert wäre. Ich sah meine Entlassung in weite Ferne rücken. Da Noah nun auch einen Hunger-Flash bekommen hatte und ununterbrochene Nahrungszufuhr benötigte, konnte ich noch nicht einmal die nette Schwester suchen.

Kurze Zeit später kamen dann Benni und die Mädels wieder – mit der Ungewissheit, ob sie Noah und mich mit nach Hause nehmen können oder nicht. Angelockt von dem Trubel um mein Bett kam dann die Schwester wieder und erkundigte sich, ob bei dem Kinderarzt-Check alles in Ordnung gewesen sei. Das ich die Kinderärztin noch gar nicht gesehen hatte, verwunderte sie dann ziemlich und nachdem sie für kurze Zeit verschwunden war, kam sie mit der Kinderärztin im Schlepptau sowie einem riesigen Stapel Informationsbroschüren und meiner Patientenakte zurück. Nachdem Noah den Baby-TÜV bestanden hatte, ging die Schwester einen langen Fragenkatalog mit mir durch, gab mir zu vielen Themen wie Neugeboren-Gelbsucht, Wochenbettdepressionen, Impfung, Stillen etc. Informationen und Informationsmaterial und dann war ich …

… entlassen!

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Leckeres Essen, Warten … und plötzlich ist er da!

Eine weitere Stunde kontrollierte das CTG die Herztöne und meine – dank Gel – beginnende Wehentätigkeit. Doch innerhalb der ersten zehn Minuten machte mein Kreislauf nicht mehr mit und in Folge dessen wurden auch die Herztöne des Babys schlecht. Sekunden später war die Hebammenschülerin bei mir und begann durch Umlagern mich und das Baby zu stabilisieren und rief zeitgleich die Ärztin und eine weitere Hebamme, die ebenfalls unmittelbar bei mir waren. Trotz 9 gleichzeitig laufenden Geburten plus fünf Frauen, die darauf warteten, ein Baby zu bekommen, merkte ich in dem Moment, dass sich das Team routiniert und kompetent um mich und mein Baby kümmert.

Während ich da so rumlag und das CTG weiterhin fleißig mitschrieb, bekam ich Mittagessen: Truthahnbraten mit Kartoffeln und Möhrengemüse und als Nachtisch Apfelcrumble. Wirklich sehr sehr lecker und genau das, auf das ich schon seit morgens – sehr zum Entsetzen meines Mannes – Hunger hatte.

Essen in der Delivery Suite

Und dann ging es weiter – mit dem bekannten Warten. Benni und ich liefen über die Flure der Station bis zur Neonatal Unit, die Treppen runter zum Eingang und wieder die zwei Etagen hoch, spielten Rummikub auf meinem Bett, lasen und quatschten und lachten ganz viel. Ich bekam alle zwei bis drei Minuten eine Wehe, die aber noch gut auszuhalten waren.

Spielen in der Delivery Suite

Zwischendurch leerte sich der Raum – zwei Frauen verabschiedeten sich Richtung Kreißsaal und eine Richtung OP zum Kaiserschnitt, während die eine Dame immer noch auf eine Wehe wartete und ich fröhlich vor mich hinwehte.

Um sechs Uhr änderte sich das allerdings von einer auf die andere Wehe … Mit Aushalten, Atmen und Fröhlichsein war bei mir nicht mehr viel und ich wollte jetzt und sofort eine PDA. Die Hebammenschülerin – inzwischen hatte es einen Schichtwechsel gegeben – rief die Ärztin, die mich kurz untersuchte und dann meinte, sobald der nächste Kreißsaal frei sei, sollte ich mal dorthin gehen. Zeitgleich kam auch eine der Hebamme und teilte uns mit, dass der Kreißsaal für mich fertig sei und ich jetzt mit meinen Sachen rüber kommen könnte.

Gesagt – getan. Mitsamt meinem Sitzball, meiner Tasche und meinem Mann ging ich die wenigen Meter bis zum Kreißsaal, um dort eine ziemlich heftige Wehe zu bekommen. Mit Hilfe der Hebamme schaffte ich es noch auf die Liege, als mich eine Presswehe überrollte.

Noch zwei und mein kleiner Sohn Noah ist da – völlig verknotet in seiner Nabelschnur. Die Hebamme und die Ärztin sind etwas verwundert, wie schnell es auf einmal ging und vor allem, wie Noah diesen einen Knoten in seine Nabelschnur bekommen hat und sie dann auch noch um den Hals und um die Füße gewickelt hat. Zum Glück hat er diese Knotenkünste aber gut überstanden. Lauthals beschwert er sich über den rasanten Rauswurf. Nach den üblichen Tests (Apgar) und ausgestattet mit zwei Identifikationsarmbändchen mit meinem Namen sowie der Patientennummer am Hand- und Fußgelenk sowie einem Sicherheitsband am anderen Fußgelenk darf er endlich zu mir und mit mir kuscheln.

Sicherheits-Tag

Nach einer kleinen, typisch irischen Stärkung – Tee und Toast – darf ich duschen und dann bringt uns eine deutsche Hebamme – Zufälle gibt’s – auf mein Zimmer.

Wie in einem Taubenschlag …

… geht es in dem Krankenhaus zu, das ich mir für die Geburt ausgesucht habe.

Freitags hatte die Ärztin entschieden, das Noah nun aus meinem Bauch ausziehen muss und mich für Sonntag Morgen 8 Uhr zur Einleitung bestellt. Meine Patientenakte bekam ich direkt mit nach Hause, damit sie sonntags nicht noch den Weg durch das Krankenhaus finden muss.

Nachdem wir Lara und Milla bei ihrer Kindergärtnerin gut untergebracht hatten, fuhren wir bei blauem Himmel und Sonnenschein durch ein völlig leeres Dublin. Nur eine Handvoll Autos und Menschen hatten sich zu dieser unchristlichen Zeit auf die Straße verirrt. In Rekordzeit hatten wir das Krankenhaus erreicht – ein letztes Schwangerschafts-Foto noch und dann begann mal wieder das Warten.

letztes Schwangerschaftsfoto

An der Rezeption musste wir zuerst alle Formalitäten erledigen, Benni bekam einen Besucherausweis ausgestellt und neue Aufkleber fanden den Weg in meine Akte. Und dann setzten wir uns in einen Raum, in dem bereits drei andere Paare – bestehend aus der Kombination „Hoch-Schwangere mit übermüdet aussehendem Mann“ – warteten. Eine Stunde später wurden die drei Paare von zwei Schwestern abgeholt und weggebracht … Ziel unbekannt. Eine weitere Stunde später wurden auch wir aufgerufen und sollten uns zwei Etagen höher zur Delivery Suite begeben.

Dort angekommen hieß es auch wieder „warten“ – denn es war gerade noch kein Bett frei. Hier bekamen wir einen ersten Einblick in die Größenordnung der Klinik. Die reinen Zahlen kannten wir zwar schon im Vorfeld. Zu erleben, wie sie zustande kommen und wie es dann ist, selber eine dieser Zahlen zu sein, ist etwas ganz anderes.

Meine beiden Töchter habe ich in einem kleinen Krankenhaus ohne Kinderstation bekommen. Dort werden jährlich ca. 400 Kinder in drei Kreißsälen geboren. Das Krankenhaus, in dem ich nun meinen Sohn entbunden habe, hat ca. 800 Geburten im Monat in 9 Kreißsälen. Und damit ist es eins von drei Geburtskliniken in dieser Größenordnung in Dublin.

In einem großen Raum mit fünf, durch blaue Vorhänge abgetrennte Kammern, die jeweils mit einem Bett, einem Stuhl, einem CTG-Gerät und einem Tischchen ausgestattet sind, durfte ich meinen Bereich für die nächsten Stunden beziehen. Die Hebammenschülerin stattete mich mit einem Plastik-Armband aus, auf dem mein Name und meine Patientennummer stand, maß meinen Blutdruck und Temperatur und machte dann ein CTG – das erste in dieser Schwangerschaft.

Delivery Suite

Mit mir warteten vier weitere Frauen darauf, ihre Kinder zu bekommen. Eine wurde nach einem erfolgslosem Einleitungsversuch für einen Kaiserschnitt vorbereitet, eine hatte schon die ganze Nacht wehend verbracht und der Mann schlief immer wieder im Sitzen auf seinem Stuhl an den Geburtsball gekuschelt ein, eine weitere sah völlig fertig aus und wehte – in Begleitung einer Freundin – so vor sich hin und die letzte in unserer Runde wurde bereits am Vortag eingeleitet und wartete immer noch auf eine Wehe.

Im ersten Moment war ich etwas geschockt von dieser „Öffentlichkeit“ und hatte leise Bedenken, ob die eine anwesende Hebammenschülerin sich wirklich um fünf Frauen im emotionalen Ausnahmezustand kümmern kann …

… doch alle Bedenken waren völlig überflüssig!

Wir warten …

… und genießen währenddessen den irischen Sommer. Schon seit fast drei Wochen haben wir hier Sonnenschein und angenehme Temperaturen um die 20 C. Vielleicht ist das der Grund, warum der kleine Baby-Bruder keine Anstalten macht, aus seiner warmen und gemütlichen Bauchwohnung auszuziehen – er möchte nicht, das ich die wenigen Tage des irischen Sommers im Krankenhaus liegend verpasse.

Doch so langsam neigt sich die Wartezeit dem Ende entgegen, denn die Ärzte verlieren die Geduld und haben nun die Zwangsräumung beantragt.

Nachdem wir die letzten Nachmittage fast ausschließlich in unserem Garten verbracht haben, wollte ich heute vormittag gerne an den Strand. Meine beiden Töchter aber schrien lauthals nach dem Spielplatz und so machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg in den nahegelegenen Park. Doch zuvor musste ersteinmal die Fahrzeugfrage geklärt werden. Milla hatte schon frühzeitig klargestellt, dass ich für sie und den Rückweg den Buggy mitnehmen muss, denn dann wäre sie schließlich müde. Lara wählte erst das Fahrrad aus, fuhr bis zu unserem Gartentor und stellte dann fest, das Millas Laufrad doch besser sei. Da das aber natürlich auf Millas Größe eingestellt war – und damit für Lara viel zu klein – gingen Milla und ich langsam vor, während Benni und Lara das Rad umbauten. Am Parkeingang hatten sie uns dann schon eingeholt.

Parkeingang

Der Park ist wirklich super schön, bietet viel Fläche, viele unterschiedliche Bäume, Sträucher und Blumen und gut ausgebaute Wege rund um das Malahide Castle.

Malahide Park

Malahide Castle

Auf dem Gelände des Malahide Castle befindet sich seit letztem Herbst mein Lieblingsladen, der neben unendlich vielen schönen Dingen, die man dort kaufen kann, auch ein sehr gutes Café beherbergt. Nach einem leckeren zweiten Frühstück – für Benni und mich gab es Irish Breakfast und für die Kinder Pancake – und einem kurzen Bummel über die Verkaufsfläche ging es zu dem Spielplatz.

Avoca

Dort verbrachten wir die nächsten Stunden schaukelnd, rutschend, kletternd, balancierend, buddelnd und ich im Kreis laufend. Nach vier Stunden war Milla tatsächlich müde und wollte wieder nach Hause bzw. im Kinderwagen schlafen.

Spielplatz

Doch auf dem Heimweg gab es noch zu viele Verlockungen wie Mauern, zum Runterhüpfen, Bäume, zum Drumrumrennen und Eis, das aufgegessen werden möchte. Und so habe ich den Buggy eher als Handtaschenhalter durch die Gegend geschoben, denn Milla beschließt erst kurz vor unserer Haustür, nun endgültig müde zu sein – und so wird sie ohne Umweg zum Mittagsschlaf ins Bett befördert. Während Benni versucht, Herr über das Unkraut in unserem Garten zu werden und Lara Hüpfekästchen spielt, schreibe ich schnell und sichte und sortiere Fotos – wer weiß, wann ich das nächste Mal dazu komme …

Heimweg

Lebenszeichen

Jaja, ich weiß – ich habe lange nichts mehr geschrieben. Allerdings sehen wir im Moment abseits unserer normalen Wege nicht viel von Irland, denn wir – nicht nur ich – sind mit dem Nestbau beschäftigt.

unsere zwei Gartenbewohner

Die Kinder suchen Spielzeug und Stofftiere heraus, die sie an den kleinen Bruder weitergeben möchten und planen, wer wickeln, füttern, den Kinderwagen schieben und vorlesen darf. Mein Mann baut die Kinderbetten und die Wickelkommode auf, bringt den Kinderwagen in Schuss und erledigt tausend Kleinigkeiten. Und ich? Ich schiebe meinen dicken Bauch vor mir her, dekoriere, nähe, plane, was ich nähen könnte und beschwöre den kleinen Bauchbewohner, noch ein paar Tage mit seinem Auszug zu warten.

Meine Arztbesuche sind jetzt wöchentlich – immer im Wechsel Hausarzt und Krankenhaus. Die Besuche beim Hausarzt – jedenfalls bei meinem – sind meiner Meinung nach überflüssig. Nachdem ich eine Stunde im Wartezimmer verbringe drückt er ein wenig auf meinem Bauch rum und fragt nach meinem allgemeinen Wohlbefinden und dann darf ich wieder gehen. In der Klinik sieht das schon anders aus. Nach einem Gespräch mit der Hebamme, in dem Fragen zur Geburt und Schwangerschaft, die vorherigen Schwangerschafts- und Entbindungsverläufe, das Stillen und sonstige Sorgen thematisiert werden, misst sie den Blutdruck, kontrolliert die Urinprobe, tastet den Bauch ab und hört mit dem Hörrohr die kindlichen Herztöne ab. Danach geht es zum Arzt. Die oder der macht einen kurzen Ultraschall und führt ebenfalls ein kurzes Gespräch, beantwortet Fragen etc.. Die voraussichtliche Größe bzw. das Gewicht des Babys wurde uns aber selbst auf Nachfrage bisher nicht mitgeteilt – die Ärzte argumentieren damit, das die Messungen sehr ungenau sein können und sie bei den werdenden Eltern aufgrund Abweichungen von den überall nachzulesenden Normwerten keine Ängste schüren möchten. Allen, die die deutsche Schwangerschaftsvorsorge kennen, werden die Unterschiede aufgefallen sein: kein CTG, keine Gewichtskontrolle und keine Kontrolle des Muttermundes.

Zwischen den Arztbesuchen und den Vorbereitungen für das neue, kleine Familienmitglied ist der Alltag mit zwei kleinen Kindern, die im Moment das schöne Wetter genießen. Da in dieser Woche auch hier ein Feiertag ist – der erste Montag im Mai ist ein Bank Holiday – hat der Kindergarten eine Woche Ferien. Und daher bleibt viel Zeit um im Garten auf Bäume zu kletten, zu rutschen, zu schaukeln, mit Straßenkreide die Einfahrt zu verschönern, Blättersuppe zu kochen, Pusteblumen zu pflücken und so viel zu entdecken und auszuprobieren. Ich hoffe, das sich das schöne Wetter hier noch ein paar Tage hält! Und nachdem die Kinder im Garten beobachten können, wie alles wächst und aus kleinen Körner große, grüne Pflanzen wachsen, bleiben auch die Schlussfolgerungen aus diesem neuen Wissen nicht lange aus. So werde ich beim Frühstück von Lara zurecht gewiesen – sie mag kein Eigelb essen – als ich nach dem Schälen das Eigelb wie immer fein säuberlich heraus trenne und wegwerfen möchte „Nein, nicht das Eigelb wegwerfen! Ich möchte da doch noch ein Küken draus züchten!“

Kletterbaum

Ich wünsche heute allen Vätern in Deutschland einen schönen Vatertag! Die irischen Väter müssen sich noch etwas gedulden, denn hier ist der Tag zu Ehren der Väter erst am 16. Juni. Dafür haben wir hier bereits am 10. März Muttertag gefeiert, während die Mütter in Deutschland noch bis Sonntag warten müssen.

Warten

Nervös sitzt die ganze Familie im Auto und schleicht hinter einem sehr langsam fahrenden Kleinwagen hinterher. Das erhöht die Verspätung, die wir bereits beim Start hatten um weitere wertvolle Minuten. Als der Kleinwagen endlich abbiegt, fahren wir direkt in den Stau einer Baustelle. Wir kriechen über Dublins Straßen, während der Zeiger auf der Uhr der zwei immer näher kommt – ich hasse Unpünktlichkeit – so sehr ich mich auch bemühe, so ganz irisch relaxed bin ich in diesem Moment nicht!

Wir befinden uns nämlich auf dem Weg zu der nächsten Vorsorgeuntersuchungen in der Klinik – mit beiden Kindern, die noch aufgeregter sind als ich. Der Mann von den Energiewerken – der für unsere Anfangsverspätung verantwortlich ist – hat bereits in der Eingangstür von meinen beiden Töchtern erzählt bekommen „Mum has a baby in her belly and we go to the Krankenhaus“.

In der letzten Minute und somit gerade noch pünktlich kommen wir im Krankenhaus an. Eigentlich hab ich erst einen „normalen“ Termin bei dem Gynäkologen und der Hebamme und im Anschluss noch eine Kontrolluntersuchung in der cardio clinic. Doch meine Akte ist versehentlich bereits in Richtung cardio clinic entschwunden und so werden spontan die Termine umgedreht.

Und damit beginnt das Entsetzen und Warten! Aus der geborgenen, ordentlichen und freundlichen Welt der private clinic werden wir in die Löwengrube des normalen Krankenhauses geschickt. Hatte ich mich noch im Eingangsbereich über die Hochschwangeren mit Glimmstängel in der Hand aufgeregt, so ist das hier wirklich das kleinste aller Übel.

Um an meine Akte zu kommen, muss ich mich in eine Warteschlange mit ca. 40 weiteren Schwangeren begeben. Neben sehr ausgefallenen, unterschiedlichen Kleidungs- und Schminkstilen – sowohl der Schwangeren wie auch der Begleitpersonen, dominieren vielerlei unangenehme Gerüche und eine Atmosphäre, die ich gar nicht richtig beschreiben kann und will. Ich bin unendlich froh, dass sich meine Geruchsempfindlichkeit und Übelkeit aus der Frühschwangerschaft einigermaßen normalisiert hat! Zwischen Menschen, die auch in einer der vielen deutschen Nachmittags-Reality-Soaps mitspielen könnten, sitzen vereinzelt verschüchterte Frauen, die ähnlich interessiert die Masse beobachten wie ich. Nach einer halben Stunde bekomme ich endlich meine Akte und eine Wartenummer für die Spezialabteilung – Nr. 12. Vier Stühle stehen vor dem Zimmer des Kardiologen, direkt daneben ist der riesige Wartebereich für die allgemeinen Schwangerschaftsvorsorgen. Während dort gerade die Nummer 66 aufgerufen wird, befindet sich in dem Raum, in den ich gerne rein würde Patientin Nummer 6. Es heißt also mal wieder: Warten!

Doch die Wartezeit ist gar nicht so schlimm, denn es gibt viele interessante Menschen zu beobachten. Ein Cola-trinkendes Kleinkind, Schwangere, deren Akten ca. 1000 Seiten beinhalten – meine ähnelt eher einem neu angelegten Schnellhefter, Zigaretten drehende Begleitpersonen, ein Sicherheitsbeamter, der schnellen Schrittes den Flur entlang schreitet, drei Polizisten, die kurze Zeit später zielstrebig an mir vorbei rennen, Klinikpersonal, das Patienten sucht, Mädchen in Schuluniform mit dickem Bauch – begleitet von Mädchen in Schuluniform …

Die Stunde Wartezeit vergeht fast wie im Flug. Zwischendurch gucken Benni und die Kinder nach mir, versorgen mich mit Süßigkeiten und entschwinden dann wieder – in die Wartezimmer der Privatklinik.

Eineinhalb Stunden nach meinem regulären Termin werde ich zu dem Kardiologen vorgelassen. Nach einem kurzen Gespräche, warum ich überhaupt da bin, hört er kurz mein Herz ab, misst Blutdruck und hört mit einem Hörrohr auch das Herz meines Bauchbewohners ab. Alles ok und keine weiteren Untersuchungen notwendig – nach fünf Minuten bin ich wieder vor der Tür.

Zurück in der Privatklinik geht es weiter mit – Warten! Aber hier ist das Umfeld deutlich angenehmer! Gemütliche Sessel, „normale“ Menschen, ein Wasserspender, ein Fernsehen, auf dem die englische Fassung von „Wer wird Millionär“ läuft und Ruhe.

Nach einer weiteren halben Stunde warten, habe ich ein angenehmes Gespräch mit einer sehr netten Hebamme, die mir meine Blutwerte vom letzte Mal erklärt und mir erneut Blut abnimmt. Sie gibt mir noch einige Tipps und Adressen für die Geburtsvorbereitungskurse, Schwangerschaftsjoga und Babykurse. Und vor allem gibt sie mir mein gutes Gefühl wieder, bei der Wahl des Krankenhauses und der Entscheidung, hier – in dieser Klinik im Speziellen und in Irland überhaupt – ein Kind zu bekommen!

Einem kurzen Abstecher zurück ins Wartezimmer folgt der Arztbesuch. Einem kurzen Gespräch über mein Wohlbefinden und die Bewegungen des Babys folgt überraschenderweise eine Ultraschalluntersuchung. Dem Baby geht es gut, es ist weiterhin ein Junge und er ist etwas kleiner als der Durchschnitt – aber das waren seine beiden großen Schwestern auch immer, daher besteht kein Grund zur Sorge.

Nach zweieinhalb Stunden verlassen wir vier das Klinikgelände – müde von der ganzen Warterei, aber wieder mal erleichtert, das es dem kleinsten Familienmitglied in meinem Bauch gut geht.

Mein Ausflug in die irische Welt der Normalversicherten im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge war dagegen erschreckend, schockierend und macht mich fast sprachlos – und ich weine keinem Cent, den wir für das Upgrade in den Bereich semi-private bezahlt haben, mehr hinterher! Ich möchte hier wirklich niemanden bewerten oder gar abwerten und ich komme mir gerade vor, wie das kleine, naive Mädchen, dass zum ersten Mal in die große, böse Wirklichkeit geguckt hat – und bin unendlich dankbar, dass ich in meiner kleinen, behüteten, relativ sicheren Welt leben darf!

90 Tage

Heute schreibe ich nicht über die schönen Seiten von Irland, unser Familienleben mit zwei Kleinkindern oder irische Kuriositäten, sondern über ein anderes Thema, das unseren Alltag hier im Moment prägt: meine immer sichtbarer werdende Schwangerschaft.

Ausflug nach Wexford
Ausflug nach Wexford

Da ich ein bekennender Telefonmuffel bin, spreche ich mit viele lieben Menschen in der Heimat nur sporadisch und daher denke ich, dass so ein kleines Update vielleicht ein paar von Euch interessiert – alle anderen können jetzt irgendwo anders hin surfen und nächste Woche wieder hier vorbei schauen – da gibt es dann wieder einen Reisebericht von uns.

Inzwischen habe ich das dritte Trimenon erreicht und habe noch genau 90 Tage bis zum errechneten Termin. Mal sehen, wann der kleine Mann tatsächlich entscheidet, an unserem Familienleben aktiv teilzunehmen.

Beim ersten Kind konnte ich quasi jeden Tag genau sagen, wieviele Tage bzw. Wochen ich schon schwanger bin und wieviele Tage noch bis zu dem sagenumwogenden ET vergehen müssen. Bei meinem zweiten Kind habe ich vorsorglich direkt zu Beginn die Schwangerschaftswochen in meinem Kalender notiert und war so wenigstens grob darüber informiert, wo ich mich ungefähr befand. Und nun bei meiner dritten Schwangerschaft? Da hab ich zum Glück ein App, das mich jeden Freitag daran erinnert, dass ich schwanger bin. Nein, so schlimm ist es nicht! Ich kann diese Schwangerschaft viel mehr genießen und nehm sie viel intensiver war, als die beiden ersten. Aber das Zeitgefühl ist mir irgendwie abhanden gekommen. Häufig muss ich kurz nachrechnen, wieviele Wochen bis Ende Mai noch kommen, um auf die Frage nach meiner Schwangerschaftswoche antworten zu können. Mein App sagt mit also heute, dass ich noch 90 Tage „habe“ – und was ist dann?

Dann wird unsere Familie um eine kleinen Jungen erweitert. Der Geburtsort wird Dublin sein, die Staatsangehörigkeit deutsch. Denn seit einiger Zeit müssen die Eltern eines Babys mindestens 3 Jahren vor der Geburt in Irland gelebt haben, damit das Baby die irische Staatsbürgerschaft bekommt. solange sind wir noch nicht hier und daher stellt sich uns gar nicht die Frage nach der Staatsangehörigkeit. Soviel zu den behördlichen Sachen.

Da unsere vorhandene Baby-Garderobe nach zwei Mädchen sehr rosa-schleifen-blümchen-lastig ist, musste fast alles neu angeschafft werden. Dank einer lieben Freundin mit zwei süßen Jungs konnten wir dieses „Dilemma“ aber bereits lösen. Somit steht die Wickelkommode inzwischen aufgebaut und eingeräumt in unserem Schlafzimmer. Und dann gibt es noch das ein oder andere Nähprojekt, das auf seine Umsetzung wartet. Soviel zu dem, was uns die nächsten drei Monate und vor allem danach beschäftigen wird – aber auch die bereits vergangenen sechs Monaten waren spannend.

Einen wirklichen Unterschied zwischen den zwei Mädchenschwangerschaften zu der Jungenschwangerschaft habe ich bisher nicht festgestellt. Alle drei waren bzw. sind sehr aktiv in meinem Bauch, alle drei Bäuche sind relativ klein und „wachsen“ fast ausschließlich nach vorne, bei allen drei hatte bzw. habe ich mit der Übelkeit zu kämpfen und bei allen drei durchlebe ich Phasen. Diese Phasen beziehen sich hauptsächlich auf mein Essverhalten, dauern zwischen zwei und sechs Wochen an und dieses Mal nehme ich sie deutlich bewusster wahr.

Angefangen hat alles mit der Orangen-Phase. Außer Orangensaft und Orangen habe ich zu Beginn der Schwangerschaft nicht viel bei mir behalten können. Abgelöst wurde sie durch eine Milchphase, der eine Hausmannskost-Phase folgte. In der bekam meine Mama täglich Nachrichten, wie man denn Möhren, Bohnen, Grünkohl, Sauerbraten und Co. zubereitet. Leider schmeckt es aber fast nie so gut, wie bei Mama! Bis dahin habe ich die Essvorlieben immer auf eine Art Mangelerscheinung zurückgeführt, die mein Körper erkannt hat und beheben wollte. Doch dann kam die …

… Snickers-Phase! Und die hielt tatsächlich vier Wochen an! Und ich glaube nun wirklich nicht, dass man in der Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf an Schokolade hat! Und da Snickers auch beliebig durch andere Schokoriegel ersetzt werden konnten, falls mal kein Snickers zu finden war, kann es auch nicht an den wahnsinnig gesunden Nüssen im Schokoriegel gelegen haben!

Auf diese ungesunde Phase folgte die aktuelle Möhren-Phase. Seit einiger Zeit koche ich allabendlich Möhrensuppe … und gestern Abend ist mir aufgefallen, dass mein armer Mann pflichtbewusst jeden Abend mit mir gemeinsam Möhrensuppe isst! Demnach gab es heute zur Abwechslung mal Salat – mit Möhren.

Trotz den normalen hormonbedingten Stimmungsschwankungen genieße ich jeden Tag der Schwangerschaft. Meine Wehwechen wie Rückenschmerzen und Wadenkrämpfe halten sich in Grenzen und das einzige, was mich nun schon fast vier Wochen ärgert, ist eine immer wiederkehrende Erkältung. Aber damit steh ich glaub ich nicht alleine da – weder in Deutschland noch in Irland. Im Moment scheinen alle gegen Grippe und Erkältung zu kämpfen.

Am Schönsten finde ich, wie selbstverständlich das Baby schon für Lara und Milla zur Familie gehört. Auf jedem Bild, das Lara malt, ist das Baby in meinem Bauch, jeden Morgen wird der Bauch von den beiden geküsst und dem Baby „Guten Morgen“ gesagt und oft am Tag kommt eine der beiden zu mir, sagt zu dem Baby irgendetwas, legt das Ohr an meinen Bauch oder gibt ihm ein Küsschen. Die beiden stellen viele Fragen zu dem Baby und ich versuche sie so gut es geht und so kindgerecht wie möglich zu beantworten. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die beiden ihren kleinen Bruder empfangen werden, wenn er nicht mehr ruhig in meinem Bauch herumschwimmt, sondern lautstark Essen, frische Windeln und Aufmerksamkeit einfordert. Aber ich bin guten Mutes, dass die zwei zauberhafte große Schwestern sein werden.

Und zum Abschluss gibt es noch ein aktuelles Foto von mir:

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