Wer will denn hier eine Mauer bauen?

Am Abend zuvor hatten wir unseren Plan für heute gemacht. Im Hotel hatten wir einen Fahrer für den ganzen Tag gebucht und so ging es um acht nach dem Frühstück los – Richtung Chinesische Mauer. Der Verkehr war unglaublich und die Bauprojekte, die man entlang der Autobahn sehen kann, ebenso – unendliche lange Brücken und riesige Hochhäuser.

Als wir in Mutianyu ankommen, können wir Teile der Mauer schon sehen – noch ist hier nicht viel los, aber die Anzahl der Shuttle Busse und der Souvenirgeschäfte lässt erahnen, dass hier normalerweise deutlich mehr Menschen unterwegs sind. Der kleine Ort, der offensichtlich noch nicht sehr alt ist und sich um die Ticketverkaufsstelle, Sesselbahn und Seilbahn erstreckt, erinnert an einen Wintersportort – eine breite Fußgängerzone die gesäumt ist von niedrigen, gleich ausschauenden Gebäuden. Allerdings ist hier nichts „gewachsen“ sondern alles wurde genau so für die Touristenmassen angelegt.

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Wir entscheiden uns für die Fahrt nach oben mit dem Sessellift – so ohne Schnee unter den Füßen ist das jetzt nicht unbedingt meine Lieblingsfortbewegungsmethode. Aber hier hat man einen unglaublichen Ausblick und so kann man die Höhe dann doch irgendwann vergessen.

Und dann stehen wir auf der Mauer – diesem uralten und riesigen Bauwerk, dass sich seit knapp 2000 Jahren fast 22.000 km durch China schlängelt, über Jahrhunderte von den Dynastien gebaut und genutzt wurde und nun zu einem großen Teil verfallen, verschwunden und als Baumaterial anderweitig verwendet aber auch zum Teil restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.

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Man hat ja so seine Vorstellungen – meine Vorstellung von der Großen Mauer war … eine große Mauer halt, auf der man oben wie auf einer Burgmauer herumlaufen kann. Natürlich habe ich auch schon unzählige Bilder von der Mauer gesehen, wie sie sich durch die Berge zieht, habe gehört, dass es einen Marathon dort gibt und habe mich im Reiseführer belesen, welche Abschnitte empfehlenswert sind und welche nicht. Und dennoch bin ich zum einen völlig überwältigt und zum anderen total überrascht. Überwältigt von der Weite, der Größe, dem Alter – überrascht von den Stufen. Von wegen, wie eine Burgmauer und spazieren gehen. Das hier ist Klettern oder Bergsteigen. Manche „Stufen“ gehen mir bis zur Hüfte, andere sind eher Zwergenstufen. Aber der ganze Weg besteht aus Stufen! Ich bin froh, dass so wenig los ist – ich mag mir den Abschnitt wirklich nicht überfüllt vorstellen.

Dann geht es wieder abwärts – wir haben uns für die Rodelbahn entschieden. Sehr lustig!

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Unser nächstes Ziel heißt Ming-Gräber. Dies ist die Ruhestätte von 13 der 16 Kaiser der Ming-Dynastie. Aber die Anlage ist alles andere als ein klassischer „Friedhof“ – vielmehr ist es ein riesiger Park mit einer großartigen Aussicht auf die umliegenden Berge. Über einen unscheinbaren Eingang kann man die unterirdischen Grabkammern betreten, in denen die damaligen Grabbeigaben nachgebaut wurden. Da sich unser Ausflugs-Tag langsam dem Ende neigt und sich meine gestern erlaufende Blase nun bemerkbar macht schauen wir uns nur eine der freigelegten Grabanlagen an und lassen uns dann wieder zurück nach Beijing fahren.

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