I’m walking … düdelüd … I’m walking …

Ein Blick aus dem Fenster soll uns an diesem Morgen verraten, wie das Wetter heute ist. Schwierig! Denn das Fenster in unserem Zimmer geht in den … Flur. Hätten wir uns eigentlich abends schon denken können, sind wir doch eine Etage nach unten gegangen – haben wir aber nicht. Und so gucken wir ziemlich blöd, als wir das Fenster öffnen und in den Flur schauen. Nur gut, dass man vom Frühstücksraum aus den blauen Himmel sehen kann. Und so starten wir nach einem leckeren Frühstück unsere Entdeckungsreise „Beijing“ – zu Fuß.

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Als wir das Hotel verlassen sehen wir zum ersten Mal unsere Umgebung im Hellen – und tatsächlich ist nun alles weniger gruselig als am Abend zuvor. Aber schmal sind die Gassen noch immer und so verwerfen wir unseren ursprünglichen Plan – mit dem Taxi zum Himmelstempelpark und von dort zu Fuß zurück. In den engen Gassen der Hutongs ist an Autos nicht zu denken und als wir schließlich auf der Hauptstraße sind gestaltet sich das Anhalten eines Taxis schwieriger als gedacht. Daher machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur „Verbotenen Stadt“. Übrigens fahren durch Beijing Oberleitungsbusse – wir als Solinger, deren gesamte Stadt geprägt ist durch die Oberleitungen, fühlen uns direkt heimisch. Während wir noch den Leitungen folgen und ich einen Bus nach dem anderen fotografiere stolpern wir quasi über den Eingang des Beihai-Parks und so ergreifen wir zu der frühen Stunde die Chance und profitieren von einer kurzen Wartezeit am Ticketschalter.

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Der Beihai-Park beherbergte den Palast des Mongolenherschers Kublai Khan und der späteren Kaiser der Yuan-Dynastie. Früher dürften hier nur die Kaiser flanieren, doch heute ist es eine wirklich schöne Touristenattraktion und während wir am See Richtung Jadeinsel spazieren geraten wir in eine Klatsch- und Tanzperformance, die einem Flashmob ähnlich auftaucht und wieder verschwindet. Der Park ist sehr weitläufig und mit dem See, farbenfrohen Tempeln und den herbstlichen Bäumen wunderschön. Da dies ja kein Reiseführer sein soll, lass ich hier einfach mal die Bilder für sich sprechen – wer mehr über den Park und die einzelnen Tempel wissen möchte, kann sich hierzu umfassend im Internet informieren. Und wer die Möglichkeit hat, Beijing zu bereisen, sollte sich auf jeden Fall einen persönlichen Eindruck von dem Beihai-Park machen.

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Unser nächstes Ziel heißt „Verbotene Stadt“. Hierzu kann ich gar nicht viel schreiben, da mich die Größe der Anlage und die Farben der Tempel so unglaublich beeindruckt haben. Selbst die Fotos können das nicht richtig wiedergeben. In dieser riesigen Stadt mit unglaublichen vielen Einwohnern und Touristen gibt es diesen Ort, der trotz bis zu 80.000 Besuchern pro Tag Ruhe ausstrahlt. Die Tempel und Plätze sind riesig, manche Teile für Touristen abgesperrt, manche werden gerade renoviert, man kann unzählige Wege gehen, sich verlaufen, inne halten, nette Kleinigkeiten essen und trinken, von der Mauer über die Stadt schauen und staunen, staunen, staunen. Und all das war früher den Kaisern vorbehalten.

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Nun würden wir gerne auf den Tiananmen-Platz, aber irgendwie finden wir keinen offenen Eingang – alle Zugänge sind abgesperrt und rund um den Platz wird man kontrolliert – also laufen wir erstmal weiter.

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Da für meine Verhältnisse unsere letzte Mahlzeit jetzt auch schon echt lange her ist, begeben wir uns auf die Suche nach einem im Reiseführer empfohlenen Restaurant für Peking-Ente. Da wir uns jenseits der normalen Essens-Zeiten befinden, bekommen wir auch problemlos in dem riesigen Restaurant einen Tisch und kurze Zeit später wird eine knusprige Ente am Tisch tranchiert. Aus dem zarten Fleisch, etwas Lauch und Gurke und ein wenig Sauce macht man leckere, kleine Wraps – natürlich mit Stäbchen. Diejenigen unter den Lesern, die uns seitdem auch persönlich gesehen haben, kennen wahrscheinlich schon das lustige Video von mir, wie ich bei dem Versuch, mit Stäbchen die Wraps zu drehen, fast verzweifle bzw. mir die Finger breche und die Kreation dann auch noch versuche, unfallfrei zu essen. Alle anderen dürfen sich das in dieser Stelle vorstellen.

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Gut gestärkt schlendern wir danach noch etwas durch die Einkaufszone. Hier gerät man – wenn man mal eine Seitengasse weiter geht – von einer Welt in die andere. Bleibt die Frage, welche die „echte“ ist.

Danach versuchen wir nochmal unser Glück am Tiananmen-Platz. Aber der ist noch immer geschlossen und auch das Sicherheitspersonal kann uns nicht sagen, warum – nur, dass er morgen früh wieder auf sein müsste. Und so bleibt uns nur der Blick über die Straße auf den riesigen, leeren Platz. Inzwischen ist es auch dunkel geworden und Mao blickt uns vom Tor des Himmlischen Friedens entgegen.

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Auf dem Weg zurück – inzwischen sind wir fast 20 km gelaufen – finden wir dann doch ein Taxi. Beim Bezahlen werden wir das erste Mal mit den Problemen der chinesischen Währung bzw. Falschgeld konfrontiert. Aber davon lassen wir unsere Laune nicht trüben und genießen bei einem Cocktail im Hotel die Aufführung der Schattenspieler. Danach bekommen wir beigebracht, wie die aufwändig gestalteten Schattenpuppen hergestellt werden und dürfen dann unseren eigenen Drachen bemalen.

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Als wir an diesem Abend in unserem kleinen Zimmer ins Bett fallen sind wir um sehr viele Eindrücke sowie eine Blase am Zeh reicher – und freuen uns auf den kommenden Tag, denn da erwartet uns das nächste Highlight: Die Chinesische Mauer.