Reisetag

Manchmal gibt es so eine leise innere Stimme, die sehr eindringlich auf einen einredet, auch wenn man krampfhaft versucht, sie zu ignorieren. So eine kleine Stimme ist an dem darauffolgenden Morgen in meinem Kopf. Wach werden und aufstehen möchte ich eigentlich noch so gar nicht und als ich um 8 Uhr auf die Uhr schaue, drehe ich mich lieber nochmal um. Doch die Stimme in meinem Kopf nervt „Schau nochmal auf euren Reiseplan!“. Es ist jetzt grundsätzlich nicht so, dass ich die entspannteste Person beim Reisen bin – nicht weil ich Angst vorm Fliegen hätte oder so, sondern weil ich einfach sehr gerne pünktlich bin und lieber noch etwas mehr Zeit einplane und dann warte, als mich hetzen zu müssen oder eventuell zu spät zu kommen. Insofern ist die Stimme eine alte Bekannte. Das macht sie aber nicht weniger effektiv – und so gebe ich dann doch nach und stehe auf, um in unseren Reiseunterlagen nach der Abflugzeit zu schauen. Am Abend zuvor hatten Ben und ich abgesprochen – die Reisezeit laut unserem Gedächtnis war 16 Uhr vom Flughafen Hangzhou – dass wir gegen 12.30 Uhr vom Hotel losfahren. Tja, was soll ich sagen – unser Gedächtnis hat wohl nicht so richtig funktioniert. Unser Reiseplan zeigt mir nämlich die Abflugzeit 14.30 Uhr. Wir rechnen kurz rückwärts und einigen uns auf 11 Uhr Abfahrt vom Hotel. Jetzt geht das Aufstehen, Duschen, Anziehen und Packen ziemlich schnell und um kurz nach 10 Uhr sind wir auf der Frühstücksterasse. Die Frühstückzeit ist zwar beendet aber dort treffen wir das Brautpaar mit der Familie und einigen Freunden. So kommen wir doch noch zu einem Kaffee und etwas Obst. Um 11 Uhr verabschieden wir uns von allen und machen uns mit dem Taxi auf den Weg zum Flughafen.

Der Flughafen ist wirklich riesig aber sehr gut organisiert. Und so sind wir super schnell im Sicherheitsbereich und schlendern herum. Da sich nun langsam doch der Hunger meldet, beschließen wir, heute einen Cheat-Day einzulegen und nicht chinesisch zu essen. Hätten wir besser sein gelassen! Das war definitiv die schlechteste Mahlzeit in dem gesamten Urlaub.

3 Hangzhou - Beijing

Der Flug ist kurz und unspektakulär. Auf dem Weg zum Hotel sehen wir die großen Unterschiede zwischen Beijing und Shanghai. Die Stadt wirkt chaotischer und die Hochhäuser nicht ganz so riesig. Aber auch hier ist alles auffällig sauber. Inzwischen ist es übrigens dunkel. Als der Taxifahrer uns begreifbar macht – Englisch können hier wirklich sehr wenige – dass er nicht bis zu unserem Hotel fahren kann sondern uns am Eingang des Hutongs rauslassen muss, schauen wir uns irritiert um. Es ist wirklich stockdunkel und vor uns liegt eine schmale Gasse ohne Beleuchtung. Irgendwo nach ein paar Abbiegungen sollte dann unser Hotel kommen. Da wir ja keine Wahl haben, trauen wir uns mutig vorwärts. Und tatsächlich, nach wenigen hundert Metern stehen wir vor einem kleinen Hotel. Das Zimmer ist zwar winzig aber bietet alles was man benötigt und das Hotel ansich ist wirklich sehr schön.

3 Hangzhou - Beijing1

Nachdem wir unsere Sachen abgestellt haben, gehen wir noch eine Runde spazieren. Wobei „spazieren gehen“ sich doch etwas zu idyllisch anhört. Da wir noch keine Orientierung in der Stadt haben, es wirklich stockfinster ist und die Gassen, durch die wir gehen, auch nicht gerade heimelig wirken, sind wir ausgesprochen froh, als wir irgendwann auf eine Hauptstraße treffen. Dort sehen wir dann auch festlich beleuchtete Tempel und gelangen zu einem Platz, auf dem einige Menschen tanzen und andere „leuchtenden Ramsch“ verkaufen. Dort beschließen wir, in einem Restaurant an dem wir vorbeigelaufen sind, etwas zu essen und kehren wieder um. Danach gehen wir dann nochmal zu dem Platz und durch das große Tor – und da stehen wir an einem großen, schön beleuchteten See. Am Ufer befinden sich viele Musikbars und unterschiedliche Restaurants. Wir bestaunen den Trubel und kehren in einem großen Bogen zu unserem Hotel zurück – wir fragen uns, wie die dunklen Gassen wohl morgen früh aussehen werden.

3 Hangzhou - Beijing2