Ins Land der Kaiser und Drachen

„Was zum Teufel hab ich mir nur dabei gedacht? Was ist, wenn einem der Kinder etwas passiert? Oder den Großeltern? Oder uns?“ Die Gedanken waren nicht neu – sie begleiteten mich jetzt schon ein gutes halbes Jahr. Aber jetzt helfen sie gerade so gar nicht. Denn ich sitze im Flugzeug – neben mir mein Mann – und wir sind, wie man sich denken kann, nicht auf dem Weg in den Spreewald, an die Ostsee oder in den Harz. Nein, unser Ziel ist das knapp 8.400 km entfernte Shanghai. Und unsere Kinder bleiben mit den Großeltern Zuhause. Jetzt könnt ihr beliebig oft die ersten 5 Sätze wieder einfügen, denn während wir uns ein bisschen so fühlen, als würden wir in unsere Flitterwochen starten – unsere letzte ähnlich weite Reise zu zweit war tatsächlich unsere Hochzeitsreise vor 10 Jahren – scheint mein Gedankenkarussel kein Ende zu nehmen. Ben ist diesbezüglich deutlich relaxter. Und irgendwann ist es auch einfach zu spät für solche Zweifel und Selbstvorwürfe – nächster Halt: Shanghai.

Tag 1

Aber wie kommt es dazu? Warum sitzen wir als Eltern ohne unsere Kinder in einem Flugzeug und sind auf dem Weg nach China?

Anfang Oktober 2017 bekamen wir per Email eine Einladung zu einer Hochzeit. Soweit wohl erstmal nichts Besonderes. Doch als wir bis zum Ort der Veranstaltung hinunterscrollten, war der Mauszeiger schon auf dem Weg zum Antwort-Pfeil, um eine freundliche Absage loszuschicken. Hangzhou – nie gehört. China? Etwas zu weit weg, um eine Einladung anzunehmen. Doch irgendetwas hinderte uns an einer (vor)schnellen Absage. Und so kam das Thema alle paar Wochen wieder auf – bis wir feststellten, dass der Termin tatsächlich mitten in unseren Herbstferien lag. Lange Rede, kurzer Sinn – Oma & Opa erklärten sich bereit, auf unsere Kinder aufzupassen, zum Geburtstag bekam ich einen Reiseführer über China, im Februar buchten wir das Hotel in Hangzhou und die Flüge und dann passierte erstmal nicht mehr viel. Einen wirklichen Plan hatten wir da noch nicht – zwischen sehr viel Arbeit und noch mehr Alltag und dem ein oder anderen Urlaub kümmerten wir uns dann um die notwendigen Impfungen, beantragten unsere Visa, informierten uns über Hochzeitsgepflogenheiten in China und ich erstellte natürlich eine Packliste. Doch so richtig bewusst begleitete uns das Thema dennoch nicht. Manchmal war es eher, als ob wir die Reise für jemand anderen planen.

Die Reiseplanung beginnt

Doch dann kommt der Tag tatsächlich. Wir sitzen im Flugzeug von Berlin nach Frankfurt und haben im Gepäck viele Gewissensbisse und schon beim Abschied Sehnsucht nach den Kindern, unglaublich viel Vorfreude und Neugier auf das unbekannte Land und die Zeit zu Zweit, eine Reisewarnung der Kinder, uns vor den chinesischen Drachen, die einen zu Stein verwandeln können, in Acht zu nehmen sowie schöne Grüße von Noah, die wir dem chinesischen Kaiser ausrichten sollen.