Tränenmeer

Ein tränenreicher Tag neigt sich dem Ende. Der letzte Kindergartentag – nach 3 Jahren heißt es dort Abschiednehmen von den zwei besten Erzieherinnen/Menschen, die man sich wünschen kann. Die beiden haben Lara großartig vor drei Jahren aufgenommen, haben deutsch als dritte Sprache im Kindergarten eingeführt und sehr viel Geduld beim Eingewöhnen mit ihr – und mir! – gehabt. Sie haben Milla genauso lieb aufgenommen, ihre Stärken erkannt und gefördert. Als sich Noah auf den Weg machte, waren sie in Bereitschaft – Tag und Nacht hätten wir unsere Kinder in ihre vertrauensvollen Hände geben können. Da unser Jüngster dann eine Sondereinladung benötigte war alles etwas besser planbar und so konnten die beiden Großen bei ihrer Erzieherin übernachten und waren super stolz, am nächsten Morgen als erste im Kindergarten zu sein. Heute haben sie Milla mit einer kleinen Graduation-Feier verabschiedet. Stolz haben die Kinder die gelernten Lieder und Gedichte vorgetragen, haben bis 10 auf englisch, irisch und deutsch gezählt und danach alle Milla ganz doll in den Arm genommen. Es wurden Fotos gemacht, Geschenke verteilt und viele viele Tränen vergossen.

Abschied

Unmittelbar danach ging es zu unserem Zuhause – das nun nicht mehr als ein leeres Haus ist. Die Möbelpacker waren fertig und warteten auf unzählige Unterschriften. In diesem Haus haben wir eine wunderschöne und unvergessliche Zeit verbracht. Wir haben sehr viele liebe Gäste beherbergt und viele lustige, gesellige und vor allem lange Abende dort verbracht. Wir haben unzählige Stunden im Garten gespielt, haben gegrillt und die vielen unterschiedlichen Vögel beobachtet. Wir haben uns über das Haus auch geärgert – über das viele zu mähende Gras, über das merkwürdige Heizsystem, dass nicht regulierbar war und uns zu kleinen Eisbären machte, über diverse kleine Macken, die unser netter Hausmeister dann reparieren musste, über einen Kamin, der erst nach zwei Jahren funktionierte, bzw. den wir erst nach zwei Jahren verstanden, über eine Ameiseninvasion und eine Armee von Kellerasseln, die trotz mehrfacher Räumungsklage da blieben. Das Haus ohne Nummer – wie oft haben wir Paketboten, Pizzadienste und Taxifahrer telefonisch zu uns gelotst, wie oft deutschen Behörden unsere fehlende Hausnummer und Postleitzahl erklärt. Aber dennoch haben wir unseren “Schuhkarton” geliebt. Mit all seinen Macken und klitzekleinen Räumen. Jetzt ist er leer, der Karton, und so ist es auch nicht mehr unser Zuhause. Von unserem Vermieter gab es noch eine Schachtel Butlers Pralinen und eine Flasche Sekt und dann schlossen wir ab – für immer.

SchuhkartonSchuhkarton

Auch Lara hatte heute ihren letzten Schultag. Auch hier gab es viele Tränen, Geschenke und Umarmungen. Unsere Große high-five’te alle ihre Klassenkameraden zum Abschied. Sie hatte bereits letzte Woche ein wunderschönes Buch von ihren Freunden bekommen und da heute hier die einwöchigen Winterferien anfangen, war es für alle ein kleiner Abschied. Das hat den Wehmut aus den Verabschiedungen etwas herausgenommen. Und irgendwie versuche ich auch, den echten Abschied mit den engsten Freunden herauszuschieben – „Wir sehen uns doch noch – morgen oder übermorgen.“ Das geht nicht mehr lange so.

Im Moment feiert Benni den Abschied von seinen Arbeitskollegen in Dublin. Auch das fällt ihm schwer. Aber da er im Konzern bleibt, wird er bestimmt und hoffentlich manche seiner Kollegen wieder sehen – in Dublin, Potsdam, Walldorf oder Palo Alto … oder sonst irgendwo auf der Welt.

Dublin Bus in Malahide

Jetzt sind wir Heimatlos – noch zwei Tage haben wir nur das Hotel, und selbst das müssen wir morgen Mittag noch wechseln. Sonntag Abend fliegen wir dann in ein neues Abenteuer.

Heute vormittag hat uns eine sehr liebe Email von unserer Vermieterin erreicht – und das hat dann in dem ganzen Abschiedsschmerz ein bisschen Vorfreude geweckt. Vorfreude auf ein neues Zuhause, einen neuen Garten, den Frühling, neue Menschen und neue Abenteuer – aber auch die etwas nähere Entfernung zu der Familie, zu Freunden, zur Heimat.

Irland bleibt in unserem Herzen! Aber jetzt ist Schluss mit dem Geheule! Wir hatten eine tolle Zeit, für die wir unendlich dankbar sind und wir werden auch in Potsdam glücklich sein. Und die kleine Insel hier geht ja nicht unter und wird uns bestimmt auch als normale Touristen noch willkommen heißen.

Daher: Wat fott es, es fott.

Feiert noch schön, ihr Jecken! (und alle die, die nichts mit Karneval am Hut haben: habt eine gute Nacht)

– noch 2 Tage –

5 Kommentare

  1. … und mitten im rheinland sitzt ein kleiner grüner frosch….. und die menschen, die ihn jetzt sehen werden denken, dass die prinzessin ihn nicht hat von ihrem goldenen tellerchen essen lassen…. eine große träne nach den anderen kullert ihm über sein grünes froschgesicht während er vor seinem rechner sitzt und diesen bericht liest…..
    aber es ist nicht das goldene tellerchen ….es ist der herzschmerz, den der kleine frosch sooooo sehr mit euch teilt!
    fühlt euch ganz fest von dem kleinen grünen frosch aus dem fuchsbau im rheinland gedrückt!

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  2. Das klingt alles sehr berührend. Ich bin froh, immer wieder lesen zu können, was Ihr gerade erlebt und wie Ihr Euch auf den großen Wechsel im Leben einstellt.
    Weiterhin alles Liebe von mir
    Ich grüße Euch vom – völlig jecken – Niederrein! 🙂

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    • Danke das du fragst! Wir sind angekommen – und haben inzwischen auch wieder Internet. Jetzt versuchen wir einen Alltag zu finden. Nur die Zeit zum Schreiben fehlt. Aber ich versuche, heute Abend mal zwischen Farbeimer und Wischmob ein paar Worte zu finden. Liebe Grüße, Barbara

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