Der letzte Sonntag

Jedenfalls der letzte richtige Sonntag, denn nächste Woche um die Zeit werden wir auf Berliner Boden landen.

Die letzten Tage waren anstrengend. Benni musste für drei Tage auf Geschäftsreise und ist somit das letzte Mal Dublin-Frankfurt-Dublin geflogen. In der Zeit habe ich aufgeräumt, mich von manchem getrennt und vor allem viel Abschied genommen. Leider kam dadurch das Schreiben hier etwas zu kurz. Ich versuche, alles um mich herum aufzusaugen. Wege, die wir seit Jahren jeden Tag fahren, nehme ich auf einmal wieder ganz bewusst war. Auf unserem Weg zum Kindergarten sind gerade zwei Großbaustellen – hier werden wieder viele neue Häuser gebaut, mit der Wirtschaft geht es sichtbar aufwärts. Wir werden nicht mehr sehen, wie die Menschen dort einziehen, Blumen pflanzen und Gardinen aufhängen. Das macht besonders Milla traurig, die sich jeden Tag über den kleinsten Baufortschritt begeistern kann. Sie ist es auch, die mir am meisten Sorgen macht. Sie ist hier am meisten von uns allen Zuhause – sie war gerade ein Jahr alt, als wir hierher gezogen sind. Der Kindergarten, unser Haus, die Menschen um uns herum, ihre Theatergruppe – das ist ihr kleines Leben. Sie stellt am meisten Fragen zum Umzug und vergisst doch oft im Alltag, dass wir in wenigen Tagen nicht mehr hier sind, Noah nicht hier in den Kindergarten kommen wird, sie nicht hier im Sommer eingeschult wird.

Lara freut sich auf Deutschland, auf ihr neues Zimmer mit ihrem neuem Schreibtisch, darauf, dass auch andere dort Deutsch sprechen. Natürlich habe ich auch bei ihr Sorgen – wobei ich glaube, dass sie sich leichter an die neue Umgebung gewöhnen wird und dank ihr offenen Art schnell Freunde finden wird. Aber wie wird das mit dem Übergang Schule zu Kindergarten klappen? Und dann im Sommer die zweite Einschulung? Sie kann ja schon lesen und rechnen und ist an den Schulablauf gewöhnt. Spannend wird das auf jeden Fall.

Nur um unseren Kleinsten mach ich mir wenige Sorgen – jedenfalls was den Umzug betrifft, ansonsten ist der kleine Bruchpilot ziemlich häufig Grund meiner mütterlichen Sorgen. Für ihn ist aber Zuhause dort wo seine große Schwestern und wir sind und sein Wortschatz ist bisher eine Mischung aus deutsch, englisch und noahisch. Damit wird er überall (nicht) verstanden.

Neben all dem Abschiednehmen haben wir heute einen wunderschönen Sonntag verbracht. Während ich die Koffer packte und Noah schlief, machten sich Benni und die Mädels auf den Weg zum wöchentlichen Großeinkauf, der angesichts der wenigen verbleibenden Tage allerdings sehr klein ausfiel. Danach hatte ich Küchenverbot – Großes und vor allem Geheimes wurde dort veranstaltet … so geheim, wie es mit zwei kleinen Plappertaschen sein kann. Als meine vier restlichen Familienmitglieder wieder mehlbepudert auftauchten, machten wir uns auf den Weg in den Park. Dort flitzten die Mädels mit ihren Fahrrädern am Schloss vorbei Richtung Spielplatz. Dort angekommen wurde gerutscht, geschaukelt, im Sand gebuddelt, geklettert und sich im Kreis gedreht.

Nachdem wir alle kalte Hände und ein kleines bisschen Hunger hatten, machten wir einen Abstecher zu meinem Lieblingsladen – Avoca. Dort gab es Eis für die Kleinen und Kaffee für die Großen.

Malahide Castle

Zuhause half mir dann meine Große dabei, das Abendessen vorzubereiten. Stolz schälte sie Kartoffeln, stampfte alleine Kartoffelpüree und deckte anschließend den Tisch.

Nun sitzen wir satt und zufrieden vor dem Kamin und verbrennen unser letztes Holz. Der Kamin schafft es allerdings nicht mehr, den Raum wirklich gemütlich wirken zu lassen. Die Gardinen sind schon abgehängt und warten frisch gewaschen darauf, eingepackt zu werden. Die Hälfte der Möbel fehlt und dafür stehen die bereits gepackten Koffer herum. Es ist noch ein bisschen was zu tun – die letzte Woche in Irland steht vor der Tür.

4 Kommentare

    • Von beidem etwas. Sie wird jetzt erst 6 und käme dann, wenn wir sie in die 2. Klasse hätten einschulen lassen wollen, in eine bestehende Klasse, in einem neuen Land, mitten im Schuljahr und mit riesigem (1,5-2 Jahre) Altersunterschied gekommen. Das wären dann ziemlich viele Gründe – neben den bürokratischen Hürden – dagegen.

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  1. während ich mal wieder hier sitze und zu tiefst mit euch fühle…. freuen sich die mädels wie jeck, dass ihr bald wieder „bei deutschland“ seid und sie jeden tag mit milla und lara spielen können, „weil deutschland ja so nah ist“ ;)))
    werde ihnen heute mittag mal ne deutschland-karte zeigen 🙂
    happy birthday

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