Übersetzungsfehler

Neulich fand man folgenden Post meines Mannes auf der Seite eines bekannten sozialen Netzwerks:

 Finde den Fehler

Daraufhin bemerkte eine Bekannte den „Übersetzungsfehler“. Aus „floor“ wurde somit nicht „Stockwerk“ sondern „Flur“. Nicht, weil Benni die genaue Übersetzung nicht kennt, sondern vielmehr, weil sich bei uns Englisch und Deutsch immer mehr mischen und sich ähnlich klingende Wörter mit anderer Bedeutung in unsere Sprache einschleichen. Dabei versuchen wir, beide Sprachen strikt zu trennen, weil ich so ein Sprachgewusel und -durcheinander bzw. die Verwendung englischer Wörter in einer deutschen Unterhaltung ganz schlimm finde.

Die Kinder sind jedoch inzwischen Meister im Mischen der Sprachen – und irgendwie klingt es bei ihnen gar nicht so schlimm. Milla ruft Lara häufig zur „Essens-time“, erzählt von der Raupe die zum Butterfly wird und den ganzen Tag nichts anderes macht als „eaten, eaten, eaten“, singt in einem deutsch-englischen Sprachgemisch und plappert lustig in beiden Sprachen drauf los. Und wenn sie englisch sprechen möchte, ihr aber die entsprechenden Vokabeln fehlen, spricht sie einfach die deutschen Wörter englisch aus – und hat damit erstaunlich oft sogar Erfolg!

Lara trennt da besser und kann einem bei vielen Wörtern auch die Übersetzung ins Englische oder Deutsche oder manchmal auch Gälische sagen. Sie achtet mehr darauf, was sie sagt und fragt nach, wenn sie ein Wort nicht weiß – wie beispielsweise als wir Kastanien, Eicheln und Bucheckern gesammelt haben. Und dennoch erzählt auch sie nach der Schule von „dem Jungen mit den scharfen vampire teeth“ oder fragt mich, ob ich heute bei der abendlichen „story-time“ vorlesen kann. 

Außerdem höre ich, seitdem die Temperaturen deutlich sinken, immer häufiger von beiden Kindern „Mama, kannst du mir helfen, den Hut aufzusetzen?“ Nein, meine Kinder tragen keine Hüte, sie meinen ihren Kapuzen – also „hood“. Eine weitere Stolperfalle für sie ist der Plural. Oftmals hängen sie einfach ein -s an das deutsche Wort. Leider ist das so gut wie nie richtig.

Bei den Kindern wiederholen wir beiläufig den Satz mit den eingestreuten englischen Wörtern komplett auf deutsch – meistens als Frage formuliert, sodass sie  den Begriff dann unbewusst sagen.

Aber auch ich kann mich nicht davon freisprechen, ein wenig bei der Sprache „rumzuhuddeln“. So erzähle ich Freunden, dass ich mein Auto mal eben in die Garage bringe, meine aber die Werkstatt – also die garage. Manchmal suche ich verzweifelt nach der deutschen Übersetzung oder verdrehe meine Satzstellung – und auch ich korrigiere mich dann bewusst. Dabei ist mein Alltag eher 30% englischsprachig und 70% deutschsprachig. Bei allen anderen Familienmitgliedern ist das Verhältnis genau andersherum.

Dann gibt es noch das „Problem“ mit der Uhrzeit, das immer wieder zu Verwirrung, Verfrühung, Verspätung und Missverständnissen führt – und mich inzwischen bei jeder Zeitangabe – sowohl im Englischen wie auch im Deutschen – zum Grübeln bringt.

9 Kommentare

  1. Hi Barbara,

    habt ihr eure Kleinen von Anfang an bilingual erzogen oder erst mit einer Sprache angefangen und dann eine zweite hinzugefügt?
    Mein Mann und ich leben zwar in Deutschland, kommen aber beide aus der Ukraine / Russland und ich will, dass mein Kind auf jeden Fall Russisch spricht. Ich denke, wir werden den Kleinen erst nur mit Russisch „füttern“ und dann, wenn er in den Kindergarten geht, wird er natürlich auch Deutsch lernen. Ich hoffe, dass er dann die beiden Sprachen nicht vermischt.

    Gruß
    Tatjana

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    • Hallo Tatjana und Willkommen 🙂 wir sind erst hierhin gezogen, als unsere Große 2,5 und die Kleine 1 war. Beide hatten bis dahin kein Wort Englisch gehört. Lara ist dann 3 Monate später hier in den Kindergarten gekommen und ab da hat sie Englisch gelernt. Zuhause sprechen wir ausschließlich deutsch. Ich denke so wir ihr das plant ist es genau der richtige Weg! Wichtig ist nur, dass die Kinder ganz genau wissen, wer welche Sprache spricht – als Leitsatz gilt bei uns „ein Gesicht – eine Sprache“. Schöne Grüße, Barbara

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      • Eine Bekannte von mir hat vor Jahren mal mit ihren Kindern an einer Studie zu dem Thema teilgenommen und mich darüber auf dem Laufenden gehalten. Genaues hab ich jetzt leider nicht mehr parat, aber ich weiß noch, dass das Ergebnis lautete, entweder nach Person trennen (wie du sagst), oder nach Situation geht’s auch (also zu Hause Deutsch, draußen unter Leuten Englisch, auch mit Mama). Und ich meine, die Überzeugung, dass es besser sei, erst eine Sprache vernünftig zu lernen, bevor man mit der zweiten anfängt, hat sich nicht bestätigt. Alle Angaben ohne Gewähr, da wie gesagt aus den Tiefen des Gedächtnisses hervorgekramt. Aber nach bilingualem Spracherwerb oder sowas googeln lohnt sich vielleicht.

        Und Respekt, dass ihr das so konsequent durchhaltet! Ich glaube, wir würden uns nach wenigen Wochen sprachlich assimilieren. Es ist ja jetzt schon im dreiwöchigen Urlaub immer so, dass wir spätestens nach den ersten paar Tagen im heillosen Sprachmischmasch versinken. Deutsche Wörter im Zweifelsfall einfach englisch aussprechen, das praktizieren meine Jungs übrigens auch gerne. 🙂

        Viele Grüße,
        Lena

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      • Hallo Lena,

        Stimmt, wenn wir bei Freunden oder Bekannten sind, sprechen wir auch mit den Kindern englisch. Alles andere finde ich immer sehr unhöflich. Und eine Ausnahme zu Hause sind Bücher – wir lesen auch auf Englisch vor. Aber die normale Kommunikation läuft hier zu Hause komplett auf Deutsch ab. Und wir versuchen das so konsequent durchzuziehen, weil wir ja nicht ausgewandert sind, sondern nur für eine begrenzte Zeit hier sein dürfen. Das bedeutet für die Kinder, dass sie sich irgendwann im deutschen Schulsystem zurechtfinden müssen. Und damit sie dann da einen möglichst guten Start haben und nicht auch noch mit einer Sprachbarriere zu kämpfen haben, ist es uns sehr wichtig, dass sie fließend deutsch sprechen. Akzentfrei werden wir das wohl – zumindest bei Milla – nicht hinbekommen 😉

        Liebe Grüße, Barbara

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  2. Oh, wo ward ihr denn Eicheln und Kastanien sammeln? Hier bei uns in der Kante gibt es nur Ahornbäume und ich würd so gerne was basteln mit unserer Kleinen….

    LG
    Diana

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