Krankenhaus-Alltag und Drachenschreie

Gemeinsam mit meinem Mann, dem kleinen Noah und der deutschen Hebamme fuhr ich mit dem Aufzug auf die private Wöchnerinnen-Station.

Dort angekommen fand die Übergabe von Mutter und Kind von der Hebamme zu der Stations-Nachtschwester statt – das heißt, mein Armband wurde mit Noahs abgeglichen, es wurde überprüft, ob er wirklich ein männliches Baby ist und ob das Sicherheitsband angelegt ist. Erst dann verabschiedete sich die Hebamme.

Da war ich also – in einem 4-Bett-Zimmer. Bis zu dieser Minute hatte ich gehofft, doch ein Einzelzimmer zu bekommen, auch wenn die Chancen im Vorfeld schon nicht gut aussahen. Denn die Einzelzimmer sind ausschließlich für Patientinnen, die für die Vorsorge „private“ gebucht haben – in die 4-Bett-Zimmer dürfen nur Frauen, die sich zu Beginn der Schwangerschaft für die Option „semi-private“ entschieden haben und diejenigen, die sich für die kostenlose „public“Variante entschieden haben, werden in 8-12-Bett-Schlafsälen untergebracht. Upgraden ist nicht möglich!

4-Bett-Zimmer

Bei meinem Einzug war allerdings nur ein weiteres Bett belegt. Auch hier trennen große Vorhänge die einzelnen Bereiche ab und ich hatte glücklicherweise das Kämmerchen am Fenster. Nachts zog dann eine weitere Frau mit Baby ein und am nächsten Morgen waren wir dann komplett.

Die Nacht war … mhhh … schlafarm. Und das lag nicht an schnarchenden Mitbewohnerinnen oder an unruhigen fremden Babys, sondern an meinem Baby, das sich immer noch darüber beschwerte, das es so kurzfristig und mit Zwangsräumung seine Wohnung hatte verlassen müssen. Seine fiepsigen Schreie hörten sich an wie die  Drachenschreie aus „Der Herr der Ringe“ und ich rechnete damit, dass diese zur Unterstützung jederzeit zum Fenster hereinflogen. Zum Glück blieb das aus, aber dennoch fühlte ich mich morgens, als hätte ich nachts gegen Drachen gekämpft.

Nach einem leckeren Frühstück, einer warme Dusche und mit einem satten und zufriedenen Noah auf dem Bauch, den auch der unfreiwillige Kontakt mit Mamas Marmeladenbrot nicht aus der Ruhe bringen kann, sah der Morgen dann schon viel besser aus.

Der Vormittag verging wie im Flug – der Krankenhausalltag begann um 8 Uhr mit dem Frühstück, die diensthabene Schwester kam vorbei und stellte sich vor, eine Physiotherapeutin gab Informationen zur Rückbildung, Haltung etc., eine Schwester machte bei Noah den Hörtest und dann kam auch schon Benni zu Besuch – mit Blumen und einer Flasche Champagner … soll ja den Milchfluss fördern … der Champagner natürlich, nicht die Blumen!

Prost!

Zum Mittagessen gab es Suppe, Cottage Pie mit Kartoffelpüree und ein Bananen-Schokoladen-Sahne- Nachtisch. Wieder unerwartet lecker!

Und dann dürften endlich Lara und Milla ihren kleinen Bruder kennenlernen. Begeistert begrüßten sie ihn, begutachteten die kleinen Füßchen, die Ohren, versuchten, ihm ein Nasenküsschen zu geben und waren unendlich begeistert und verliebt.

1. Besuch

Bei dem nächsten Rundgang der Schwester fragte ich mal vorsichtig nach, wann ich denn nach Hause könnte. Normalerweise wird man hier nach einer normalen Entbindung, mit einem gesunden Baby und wenn man stillt nach zwei bis drei Tagen entlassen. Doch die Schwester schaute schmunzelnd auf uns fünf und fragte mich, ob ich heute schon nach Hause möchte. Ich konnte mein Glück kaum fassen, nachdem ich nach den beiden ersten Geburten jeweils fünf Tage im Krankenhaus verbracht hatte, weil die beiden so ein starke Neugeborenen-Gelbsucht entwickelt hatten, sollte ich nun schon 24 Stunden nach der Geburt nach Hause dürfen?

Die Schwester verschwand, um alles abzuklären und kam freudestrahlend wieder – das OK der Kinderärztin vorausgesetzt, dürfte ich abends um 19 Uhr entlassen werden.

Damit begannen ein paar hektische Umplanungen bei Benni, denn er hatte seine Kollegen für abends zum Baby-Willkommens-Grillen eingeladen. Während er mit den Mädels nach Hause fuhr, um alles vorzubereiten, wartete ich im Krankenhaus auf die Kinderärztin und auf die Person, die die Daten für die Geburtsurkunde aufnimmt. Doch nichts geschah.

Um 17.30 Uhr bekam ich das Abendessen, ohne das irgendetwas passiert wäre. Ich sah meine Entlassung in weite Ferne rücken. Da Noah nun auch einen Hunger-Flash bekommen hatte und ununterbrochene Nahrungszufuhr benötigte, konnte ich noch nicht einmal die nette Schwester suchen.

Kurze Zeit später kamen dann Benni und die Mädels wieder – mit der Ungewissheit, ob sie Noah und mich mit nach Hause nehmen können oder nicht. Angelockt von dem Trubel um mein Bett kam dann die Schwester wieder und erkundigte sich, ob bei dem Kinderarzt-Check alles in Ordnung gewesen sei. Das ich die Kinderärztin noch gar nicht gesehen hatte, verwunderte sie dann ziemlich und nachdem sie für kurze Zeit verschwunden war, kam sie mit der Kinderärztin im Schlepptau sowie einem riesigen Stapel Informationsbroschüren und meiner Patientenakte zurück. Nachdem Noah den Baby-TÜV bestanden hatte, ging die Schwester einen langen Fragenkatalog mit mir durch, gab mir zu vielen Themen wie Neugeboren-Gelbsucht, Wochenbettdepressionen, Impfung, Stillen etc. Informationen und Informationsmaterial und dann war ich …

… entlassen!

7 Kommentare

      • Ja stimmt wohl. Püppi kommt mit 13 Monaten noch immer alle zwei Stunden. Aber wenn man bedenkt, wieviele Jahre sie uns erfreuen, sind 2 Jahre Schlafmangel irgendwie verzeihbar 😉

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    • Hallo Lena,

      Entschuldige die späte Antwort. Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Wir haben gerade „Heimaturlaub“ gemacht, um unseren Jüngsten unseren Freunden und Familie in Deutschland vorstellen zu können und direkt noch die beiden kleinsten Cousins kennenzulernen. Babys überall 😉 Ich wünsche dir noch eine ruhige Restschwangerschaft und alles Gute!

      Liebe Grüße,

      Barbara

      Liebe Grüße,

      Barbara

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