Wie in einem Taubenschlag …

… geht es in dem Krankenhaus zu, das ich mir für die Geburt ausgesucht habe.

Freitags hatte die Ärztin entschieden, das Noah nun aus meinem Bauch ausziehen muss und mich für Sonntag Morgen 8 Uhr zur Einleitung bestellt. Meine Patientenakte bekam ich direkt mit nach Hause, damit sie sonntags nicht noch den Weg durch das Krankenhaus finden muss.

Nachdem wir Lara und Milla bei ihrer Kindergärtnerin gut untergebracht hatten, fuhren wir bei blauem Himmel und Sonnenschein durch ein völlig leeres Dublin. Nur eine Handvoll Autos und Menschen hatten sich zu dieser unchristlichen Zeit auf die Straße verirrt. In Rekordzeit hatten wir das Krankenhaus erreicht – ein letztes Schwangerschafts-Foto noch und dann begann mal wieder das Warten.

letztes Schwangerschaftsfoto

An der Rezeption musste wir zuerst alle Formalitäten erledigen, Benni bekam einen Besucherausweis ausgestellt und neue Aufkleber fanden den Weg in meine Akte. Und dann setzten wir uns in einen Raum, in dem bereits drei andere Paare – bestehend aus der Kombination „Hoch-Schwangere mit übermüdet aussehendem Mann“ – warteten. Eine Stunde später wurden die drei Paare von zwei Schwestern abgeholt und weggebracht … Ziel unbekannt. Eine weitere Stunde später wurden auch wir aufgerufen und sollten uns zwei Etagen höher zur Delivery Suite begeben.

Dort angekommen hieß es auch wieder „warten“ – denn es war gerade noch kein Bett frei. Hier bekamen wir einen ersten Einblick in die Größenordnung der Klinik. Die reinen Zahlen kannten wir zwar schon im Vorfeld. Zu erleben, wie sie zustande kommen und wie es dann ist, selber eine dieser Zahlen zu sein, ist etwas ganz anderes.

Meine beiden Töchter habe ich in einem kleinen Krankenhaus ohne Kinderstation bekommen. Dort werden jährlich ca. 400 Kinder in drei Kreißsälen geboren. Das Krankenhaus, in dem ich nun meinen Sohn entbunden habe, hat ca. 800 Geburten im Monat in 9 Kreißsälen. Und damit ist es eins von drei Geburtskliniken in dieser Größenordnung in Dublin.

In einem großen Raum mit fünf, durch blaue Vorhänge abgetrennte Kammern, die jeweils mit einem Bett, einem Stuhl, einem CTG-Gerät und einem Tischchen ausgestattet sind, durfte ich meinen Bereich für die nächsten Stunden beziehen. Die Hebammenschülerin stattete mich mit einem Plastik-Armband aus, auf dem mein Name und meine Patientennummer stand, maß meinen Blutdruck und Temperatur und machte dann ein CTG – das erste in dieser Schwangerschaft.

Delivery Suite

Mit mir warteten vier weitere Frauen darauf, ihre Kinder zu bekommen. Eine wurde nach einem erfolgslosem Einleitungsversuch für einen Kaiserschnitt vorbereitet, eine hatte schon die ganze Nacht wehend verbracht und der Mann schlief immer wieder im Sitzen auf seinem Stuhl an den Geburtsball gekuschelt ein, eine weitere sah völlig fertig aus und wehte – in Begleitung einer Freundin – so vor sich hin und die letzte in unserer Runde wurde bereits am Vortag eingeleitet und wartete immer noch auf eine Wehe.

Im ersten Moment war ich etwas geschockt von dieser „Öffentlichkeit“ und hatte leise Bedenken, ob die eine anwesende Hebammenschülerin sich wirklich um fünf Frauen im emotionalen Ausnahmezustand kümmern kann …

… doch alle Bedenken waren völlig überflüssig!