Stellenbeschreibung

Wetterfest, ausdauernd, lärmunempfindlich, gute Fahrzeugkenntnisse, schnelles Reaktionsvermögen und mindestens eine Hand – das alles sollte man als Grundvoraussetzungen für die Besetzung der Stelle als irischer Ampelschalter mitbringen.

Baustellen gibt es hier genauso viele wie in Deutschland. Manche Straßen habe ich in den eineinhalb Jahren, die wir nun hier leben, noch nie ohne Baustelle befahren können. Wobei, das stimmt nicht ganz. Denn die meisten Baustellen hier sind immer nur Tagesbaustellen. Das heißt morgens gegen zehn – also nach der morgendlichen Rush Hour – wird die Baustelle eingerichtet, und nachmittags gegen vier – vor der abendlichen Rush Hour – wird die Straße wieder provisorisch zugeschüttet und die Baustelle abgebaut. Somit kommt es also auf die Tageszeit an, zu der man eine Straße passiert, ob man sie mit oder ohne Baustelle erlebt.

Der Vorteil ist eindeutig, dass so der Berufsverkehr nur durch die zusätzliche Anzahl von Schlaglöchern beeinträchtig wird. Was dieses tägliche Auf- und Zumachen der Straßen allerdings an Zeit und Kosten frisst, möchte ich gar nicht wissen.

Aber zurück zur Stellenbeschreibung. Die meisten dieser Tagesbaustellen haben keine elektronische Ampelanlage, die in einem bestimmten Zeitintervall den Verkehr regelt, sondern Stop/Go- Schilder und einen Menschen, der mit Hilfe einer Fernbedienung die Schilder hin und her dreht. Dieser beobachtet den Verkehr und kann so den Rückstau kontrollieren. Und erstaunlicherweise funktioniert das sehr gut. Wirklich lange muss man selten an den Baustelleneinfahrten warten – es sei denn, ein Baustellenfahrzeug muss gerade über die verbleibende Fahrbahn rangieren. Und von einer vermehrten Unfallhäufigkeit in dieser Art von Baustellen habe ich auch noch nicht gehört oder gelesen, da man sein Tempo automatisch drosselt, wenn da eine Person mit Fernbedienung so nah am Fahrbahnrand steht oder sitzt.

Inzwischen bin ich ein richtiger Fan dieser etwas anderen Ampelmännchen geworden und erkenne deutliche Unterschiede. Manche sind geradezu enthusiastisch und versuchen mit hektischem Armwedeln die Autofahrer zum schnelleren Fahren und besonders Anfahren zu motivieren, andere laufen auf dem verbleibenden Grünstreifen immer auf und ab um den besten Blick auf die wartenden Autos zu bekommen und wiederum andere sitzen entspannt auf ihrem Campingstühlchen, trinken Kaffee oder Tee und drücken nach Bedarf das Knöpfchen. Das alles natürlich bei Wind- und Wetter.

die gerade eingerichtete Baustelle ...