90 Tage

Heute schreibe ich nicht über die schönen Seiten von Irland, unser Familienleben mit zwei Kleinkindern oder irische Kuriositäten, sondern über ein anderes Thema, das unseren Alltag hier im Moment prägt: meine immer sichtbarer werdende Schwangerschaft.

Ausflug nach Wexford
Ausflug nach Wexford

Da ich ein bekennender Telefonmuffel bin, spreche ich mit viele lieben Menschen in der Heimat nur sporadisch und daher denke ich, dass so ein kleines Update vielleicht ein paar von Euch interessiert – alle anderen können jetzt irgendwo anders hin surfen und nächste Woche wieder hier vorbei schauen – da gibt es dann wieder einen Reisebericht von uns.

Inzwischen habe ich das dritte Trimenon erreicht und habe noch genau 90 Tage bis zum errechneten Termin. Mal sehen, wann der kleine Mann tatsächlich entscheidet, an unserem Familienleben aktiv teilzunehmen.

Beim ersten Kind konnte ich quasi jeden Tag genau sagen, wieviele Tage bzw. Wochen ich schon schwanger bin und wieviele Tage noch bis zu dem sagenumwogenden ET vergehen müssen. Bei meinem zweiten Kind habe ich vorsorglich direkt zu Beginn die Schwangerschaftswochen in meinem Kalender notiert und war so wenigstens grob darüber informiert, wo ich mich ungefähr befand. Und nun bei meiner dritten Schwangerschaft? Da hab ich zum Glück ein App, das mich jeden Freitag daran erinnert, dass ich schwanger bin. Nein, so schlimm ist es nicht! Ich kann diese Schwangerschaft viel mehr genießen und nehm sie viel intensiver war, als die beiden ersten. Aber das Zeitgefühl ist mir irgendwie abhanden gekommen. Häufig muss ich kurz nachrechnen, wieviele Wochen bis Ende Mai noch kommen, um auf die Frage nach meiner Schwangerschaftswoche antworten zu können. Mein App sagt mit also heute, dass ich noch 90 Tage „habe“ – und was ist dann?

Dann wird unsere Familie um eine kleinen Jungen erweitert. Der Geburtsort wird Dublin sein, die Staatsangehörigkeit deutsch. Denn seit einiger Zeit müssen die Eltern eines Babys mindestens 3 Jahren vor der Geburt in Irland gelebt haben, damit das Baby die irische Staatsbürgerschaft bekommt. solange sind wir noch nicht hier und daher stellt sich uns gar nicht die Frage nach der Staatsangehörigkeit. Soviel zu den behördlichen Sachen.

Da unsere vorhandene Baby-Garderobe nach zwei Mädchen sehr rosa-schleifen-blümchen-lastig ist, musste fast alles neu angeschafft werden. Dank einer lieben Freundin mit zwei süßen Jungs konnten wir dieses „Dilemma“ aber bereits lösen. Somit steht die Wickelkommode inzwischen aufgebaut und eingeräumt in unserem Schlafzimmer. Und dann gibt es noch das ein oder andere Nähprojekt, das auf seine Umsetzung wartet. Soviel zu dem, was uns die nächsten drei Monate und vor allem danach beschäftigen wird – aber auch die bereits vergangenen sechs Monaten waren spannend.

Einen wirklichen Unterschied zwischen den zwei Mädchenschwangerschaften zu der Jungenschwangerschaft habe ich bisher nicht festgestellt. Alle drei waren bzw. sind sehr aktiv in meinem Bauch, alle drei Bäuche sind relativ klein und „wachsen“ fast ausschließlich nach vorne, bei allen drei hatte bzw. habe ich mit der Übelkeit zu kämpfen und bei allen drei durchlebe ich Phasen. Diese Phasen beziehen sich hauptsächlich auf mein Essverhalten, dauern zwischen zwei und sechs Wochen an und dieses Mal nehme ich sie deutlich bewusster wahr.

Angefangen hat alles mit der Orangen-Phase. Außer Orangensaft und Orangen habe ich zu Beginn der Schwangerschaft nicht viel bei mir behalten können. Abgelöst wurde sie durch eine Milchphase, der eine Hausmannskost-Phase folgte. In der bekam meine Mama täglich Nachrichten, wie man denn Möhren, Bohnen, Grünkohl, Sauerbraten und Co. zubereitet. Leider schmeckt es aber fast nie so gut, wie bei Mama! Bis dahin habe ich die Essvorlieben immer auf eine Art Mangelerscheinung zurückgeführt, die mein Körper erkannt hat und beheben wollte. Doch dann kam die …

… Snickers-Phase! Und die hielt tatsächlich vier Wochen an! Und ich glaube nun wirklich nicht, dass man in der Schwangerschaft einen erhöhten Bedarf an Schokolade hat! Und da Snickers auch beliebig durch andere Schokoriegel ersetzt werden konnten, falls mal kein Snickers zu finden war, kann es auch nicht an den wahnsinnig gesunden Nüssen im Schokoriegel gelegen haben!

Auf diese ungesunde Phase folgte die aktuelle Möhren-Phase. Seit einiger Zeit koche ich allabendlich Möhrensuppe … und gestern Abend ist mir aufgefallen, dass mein armer Mann pflichtbewusst jeden Abend mit mir gemeinsam Möhrensuppe isst! Demnach gab es heute zur Abwechslung mal Salat – mit Möhren.

Trotz den normalen hormonbedingten Stimmungsschwankungen genieße ich jeden Tag der Schwangerschaft. Meine Wehwechen wie Rückenschmerzen und Wadenkrämpfe halten sich in Grenzen und das einzige, was mich nun schon fast vier Wochen ärgert, ist eine immer wiederkehrende Erkältung. Aber damit steh ich glaub ich nicht alleine da – weder in Deutschland noch in Irland. Im Moment scheinen alle gegen Grippe und Erkältung zu kämpfen.

Am Schönsten finde ich, wie selbstverständlich das Baby schon für Lara und Milla zur Familie gehört. Auf jedem Bild, das Lara malt, ist das Baby in meinem Bauch, jeden Morgen wird der Bauch von den beiden geküsst und dem Baby „Guten Morgen“ gesagt und oft am Tag kommt eine der beiden zu mir, sagt zu dem Baby irgendetwas, legt das Ohr an meinen Bauch oder gibt ihm ein Küsschen. Die beiden stellen viele Fragen zu dem Baby und ich versuche sie so gut es geht und so kindgerecht wie möglich zu beantworten. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie die beiden ihren kleinen Bruder empfangen werden, wenn er nicht mehr ruhig in meinem Bauch herumschwimmt, sondern lautstark Essen, frische Windeln und Aufmerksamkeit einfordert. Aber ich bin guten Mutes, dass die zwei zauberhafte große Schwestern sein werden.

Und zum Abschluss gibt es noch ein aktuelles Foto von mir:

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